Führerschein in Hamburg so teuer wie nie: Was steckt dahinter?

Eine Fahrschülerin fährt Auto
Hohe Kosten und Anforderungen kommen auf Fahrschüler zu, um den Autoführerschein zu bekommen. (Archivbild)

Den Führerschein zu machen, war schon immer teuer. Doch nun sind die Preise noch mal kräftig gestiegen. Vor zehn Jahren lagen die Kosten in Hamburg bei etwa 2000 Euro. Mittlerweile muss man mit 3500 Euro rechnen. Aber warum ist das so? Und warum nimmt die Zahl der Führerscheinanwärter trotzdem nicht ab?

„Alles, was Fahrzeuge angeht, ist teurer geworden“, sagt Michael Witt, Vorstand des Fahrlehrerverbands Hamburg und Betreiber einer Fahrschule in Bergstedt. Werkstattkosten, Löhne und Gehälter – für alles sind die Preise gestiegen, so sagt er. Hier ein Spurhalteassistent, da ein Abstandhalter – Autos voller Technik sind Standard geworden. Und daran muss der Fuhrpark der Fahrschulen angepasst werden. Das kostet.

Und weil es so viele neue Funktionen gibt, die gelehrt werden müssen, nimmt außerdem die Anzahl an Pflichtffahrstunden zu. Die Lerninhalte haben ebenfalls zugenommen, was zu mehr Theoriestunden führt. Und die Dauer der Praxisprüfung ist mit 55 Minuten rund zehn Minuten länger als noch vor zehn Jahren – ebenfalls ein Preistreiber.

Führerschein: Diese Kosten kommen auf einen zu

Bevor es so weit ist, stehen die Fahrstunden an. Eine 45-minütige Fahrstunde kostet in Hamburg meist zwischen 58 Euro und 73 Euro. Eine praktische Prüfung kostet ungefähr 300 Euro – dazu kommen TÜV-Gebühren in Höhe von 129,83 Euro. Nicht zu vergessen sind die Kosten, die außerhalb der Fahrausbildung anfallen, wie zum Beispiel für den Erste-Hilfe-Kurs. Wenn man also die Pflichtfahrstunden und die erforderlichen Übungsfahrten zusammenzählt, kommt man im Schnitt auf 25 bis 40 Fahrstunden à 45 Minuten.

Fahrschüler müssen nicht nur mehr zahlen, sondern zudem auch mehr lernen. Das sorgt für mehr Durchfaller. Eine Studie der Organisation „Moving- International Road Safety Association e. V.“ zeigt, dass die Anzahl der bestandenen Prüfungen der Führerscheinklasse B, also des Autoführerscheins, von 2017 bis 2020 in Hamburg um 14,7 Prozent bei der praktischen Prüfung fiel. Bei der theoretischen Prüfung fielen 8,4 Prozent mehr Teilnehmer durch.

Fahrschüler-Meinungen fallen unterschiedlich aus

Sind die Anforderungen an den Fahrschüler mittlerweile zu hoch? Die Meinungen fallen unterschiedlich aus – doch eins ist klar: einfacher wird es nicht. Eine Fahrschülerin aus Ohlstedt sagt: „Die Fragen bei der Fahrschul–App sind der Wahnsinn – es sind echt viele und auch nicht gerade leicht gestellt.“ Timon (17) aus Lehmsahl-Mellingstedt sieht das Ganze ein bisschen pragmatischer: „Wenn man sich an die Theoriefragen wirklich ransetzt, dann ist das machbar.“

Und wie sieht es bei der Fahrprüfung aus? „Manche Prüfer beim TÜV sind echt hart und es kommt auch auf den Fahrlehrer an“, sagt Timon. „Bei meiner Fahrprüfung hat der Prüfer bei dem kleinsten Fehler nicht mal ein Auge zudrücken können“, sagt eine Fahrschulabsolventin aus Eppendorf. Jonathan (17) aus Duvenstedt protestiert, „ich hätte gar nicht so viele Fahrstunden gebraucht, wie mein Fahrlehrer angesetzt hat – die Prüfung hätte ich viel schneller schaffen können.“

„Mobilität ist noch zu sehr von der Fahrerlaubnis abhängig“

Trotz der steigenden Preise und des höheren Lernaufwands glaubt Michael Witt vom Fahrlehrerverband nicht, dass der Führerschein an Bedeutung verliert, da die Nutzung von Carsharing immer mehr zunimmt. „Mobilität ist noch zu sehr von der Fahrerlaubnis abhängig“, sagt er. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass das eigene Auto vielleicht an Bedeutung verliert, aber die Fahrerlaubnis an sich nicht“, sagt er.

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Die Zahlen des Landesbetrieb Verkehrs besagen, dass jährlich zwischen 25.000 und 28.000 Anträge auf Ersterteilung einer Fahrerlaubnis in Hamburg gestellt werden. Diese Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren konstant geblieben – trotz der hohen Preise.