Frühstück, Mittag, Abend: Hamburgs beste Restaurant-Tipps für jeden Anlass

Gastro-Bloggerin Franziska Heinemann-Schulte (43) von „Taste Hamburg“ weiß, in welchen Restaurants es schmeckt.
Gastro-Bloggerin Franziska Heinemann-Schulte (43) von „Taste Hamburg“ weiß, in welchen Restaurants es schmeckt.

Sie geht fast täglich in Hamburg essen: Gastro-Bloggerin Franziska Heinemann-Schulte weiß, wo es schmeckt – und wo nicht. In ihrem neuen Buch „Taste Hamburg“ präsentiert die 43-Jährige ihre Lieblingslokale. Der MOPO hat sie im Interview die besten Cafés und Restaurants für jeden Anlass verraten – vom Frühstück bis zum Snack in der Bar. Wo ist der Lunch gesund und trotzdem nicht teuer? Wo sind Kinder willkommen? Und wo lohnt sich ein Besuch auf die Schnelle?

Gemütliches Frühstück

„Zum Frühstücken liebe ich das neue Café ,Marie Louise’ in der Poolstraße 32 (Neustadt). Sie haben dort besonderes Frühstück, nicht nur Croissants und Marmelade. Da gibt es geröstetes Brioche, Eggs Benedict, Grilled Cheese Sandwiches oder einen frischen Salat, je nach Saison. Das ist eher ein Brunch. Am besten finde ich das Bircher Müsli und den French Toast mit Zimt und Zucker und Apfelkompott. Außerdem mag ich in der Neustadt das ,Café Johanna’ im Venusberg 26, optisch wunderschön! Da gibt es geröstete und saisonal belegte Sauerteigbrote, zum Beispiel mit Kürbis und Feta, niemals zu wenig belegt. Beide Cafés sind an Orten, an denen man in der Regel nicht einfach so vorbeikommt. Die Poolstraße ist ganz bezaubernd und alle Läden und Büros am Venusberg haben supergroße Fensterfronten, wie gläserne Schaukästen.“

Günstiges Mittagessen

Frederik Pavlik leitet die Mensa in der Hochschule für bildende Künste (HfBK) – hier mit einem Graupen-Kürbis-Risotto.
Frederik Pavlik leitet die Mensa in der Hochschule für bildende Künste (HfBK) – hier mit einem Graupen-Kürbis-Risotto.

„Ganz toll und günstig kann jetzt jeder in der Mensa der Hochschule für Bildende Kunst (HfbK) im Lerchenfeld 2 (Uhlenhorst) essen. Die ist für jeden zugänglich. Der Koch Frederik Pavlik hat früher das ,Marta’ am Spritzenplatz geleitet, jetzt macht er mittags die HfbK-Kantine und kocht sehr regional. Die Gäste können aus zwei Hauptgängen wählen und es gibt eine Vor- und eine Nachspeise. Die Mensa hat eine ganz schöne Atmosphäre, weil es so ein kreativer Raum ist. Ich hatte da frischen Salat, ein Rote-Bete-Gratin mit Spinat und einen warmen Apfelkuchen mit Marzipan und Kürbiskern, für etwa sechs Euro. Dort isst man richtig gesund und es schmeckt trotzdem gut.“

Spannende und herzliche Abende

Das Paar Wiebke Basse und Ulf Lindeholz betreibt das „Kaalia“ in Rotherbaum.
Das Paar Wiebke Basse und Ulf Lindeholz betreibt das „Kaalia“ in Rotherbaum.

„In der Bellealliancestraße 32 (Eimsbüttel) hat das ,Kasa’ neu eröffnet. Dort gibt es sizilianische Küche von Inhaber Claudio Sambito – sein Restaurant ist viel mehr als der Italiener von Nebenan. Am Tresen kann man ihm beim Kochen zugucken. Es gibt Pasta mit Ragout Siciliano, Erbsen und einer Parmesancreme. Und wöchentlich wechseln die Arancini, kleine Reisbällchen, zum Beispiel mit Safran, Muskat, Ragout und Scamorza. Dieses Lokal ist mit das Spannendste was zuletzt eröffnet hat. Auch sehr gut: Das ,Kaalia’ in der Rentzelstraße 13 (Rotherbaum). Das ist mini-klein, es gibt nur acht oder zehn Plätze. Hier kocht das Paar Ulf Lindeholz und Wiebke Basse eine Fusion aus französischer und indischer Küche. Das ist ein besonders schönes Erlebnis, weil es so herzlich und persönlich ist.“

Essen gehen mit Kindern

Romeo Turella (55) ist der Inhaber des „Café Centrale“ in Ottensen. Er stellt die Pasta selber frisch her.
Romeo Turella (55) ist der Inhaber des „Café Centrale“ in Ottensen. Er stellt die Pasta selber frisch her.

„Das Bistro ,Café Centrale’ (Nöltingstraße 4) gibt es schon seit 20 Jahren in Ottensen. Dort gibt es auch italienische Küche, was Kinder ja oft gerne mögen. Meine Tochter isst da die selbst gemachten Nudeln mit Tomatensoße und es gibt leckere Schokoladenprofiteroles. Ein netter, lebendiger Ort. Außerdem gehe ich mit meinen Kindern gerne ins indische Restaurant ,Maharani’ in der Hallerstraße 1 (Harvestehude). Sie mögen Reis und mildes Curry, man kann es hier in verschiedenen Schärfegraden bestellen. Es ist gemütlich und es gibt viel zu entdecken – hier ein bunter Vorhang, da eine Skulptur. Super kinderfreundlich!“

Sterneküche im Angebot

Sternekoch Maurizio Oster in seinem Restaurant „Zeik“
Sternekoch Maurizio Oster in seinem Restaurant „Zeik“

„Zum einen liebe ich das ,Zeik’ in Winterhude (Sierichstraße 112) von Sternekoch Maurizio Oster sehr. Er geht mit der Zeit und passt sich den Begebenheiten an. Die Leute haben nicht mehr so viel Zeit und Geld, die wollen einen schnellen Abend haben. Also gibt es bei ihm auch ein Menü für 99 Euro pro Person, Dienstag- bis Donnerstagabend. Da kommen dann auch mehrere Gänge gleichzeitig auf den Tisch. Wir waren nach unter zwei Stunden durch und hatten trotzdem einen herrlichen Querschnitt durch die Sterneküche. Außerdem mag ich das ,Lakeside’ im Hotel ,Fontenay’ an der Alster (Fontenay 10) sehr. Sternekoch Julian Stowasser trifft voll meinen Geschmack. Da ist nie was Herausforderndes dabei. Ich bin kein Seeigel-Freund und muss auch keine Austern essen. Bei ihm ist nichts dabei, bei dem ich mich überwinden muss.“

Die besondere Bar

Die Bar „Alte Druckerei“ in der Altstadt wird mit viel Herzblut betrieben.
Die Bar „Alte Druckerei“ in der Altstadt wird mit viel Herzblut betrieben.

„Ich mag gemütliche Bars, da muss es möglichst dunkel sein, mit vielen Kerzen. So wie in der ,Alten Druckerei’ beim Chilehaus (Kattrepel 2, Altstadt). Die Gastronomin Valerie Kauffeldt hat die Bar in der ehemaligen Druckerei ihrer Eltern und schon Großeltern eröffnet. Und das macht sie mit großer Leidenschaft! Bei ihr gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zu essen. Und sie organisiert für die Gäste verschiedenste Veranstaltungen wie Flohmärkte, Adventskranzbinden oder gemeinsames Joggen und anschließendes Weintrinken. Auf ihrer Weinkarte wird der Geschmack der Weine in Bildern dargestellt, zum Beispiel mit einem Champignon, einer Brombeere und Schokolade. Der einfache Zugang zu Wein, für jeden verständlich!“

Auf die Schnelle

„In Hamburg entwickelt sich gerade der Handpulled Noodles-Trend aus China. Also handgezogene Nudeln, die direkt vor Ort aufwendig hergestellt werden. Da eröffnen jetzt einige Restaurants. Bisher finde ich dafür das ,Cyn Cyn’ im Eppendorfer Weg 62 (Eimsbüttel) am besten. Dort gibt es die frischen Nudeln mit geschmortem Gulasch und Pak Choi und Chili. Etwas ganz Wohliges, Wärmendes, Pikantes. Das machen die beiden jungen Inhaberinnen mit so viel Herzblut, die brennen richtig dafür – und das schmeckt man.“

Für den Kaffeeklatsch

„Immer mehr einzigartige kleine Konzepte bereichern Hamburg momentan, wie die neue Patisserie ,Heferl’ von Diana Egner in der Neustadt (Alter Steinweg 11) mit filigranen Törtchen und Zimtknoten. Außerdem liebe ich das entzückende kleine Café ,La Bête Noire’ in der Bellealliancestraße 35 (Eimsbüttel).“

Auszeit im Hotel

„Ich liebe Ferien in der eigenen Stadt. Ich finde, das hat fast was Verbotenes. Dass man sich von Zuhause, von der Familie mit zwei Kindern, mal für eine Nacht davonschleicht. Und in einem Hotel ganz alleine zur Ruhe kommt. Dafür liebe ich das ,Strandhotel Blankenese’, eine schöne alte Stadtvilla im Strandweg 13. Dort gibt es zwar nur Frühstück, aber drumherum sind fußläufig schöne Restaurants wie zum Beispiel mittags das ,Piccolo Amore’ (Elbchaussee 587). Man kann da super spazieren gehen, eben entlang der Elbe oder im Treppenviertel auf und ab.

Das könnte Sie auch interessieren: Abgefahrene Fusionsküche: Gäste schwärmen – „kulinarisches Meisterwerk“

Schön ist auch das Hotel ,Henri’ mitten in der Innenstadt (Bugenhagenstraße 21). Da kann man sich selber die ganze Zeit etwas aus der Küche holen und auf Vertrauensbasis notieren. Als würde man nachts zu Hause an den eigenen Kühlschrank schleichen.“

Zur Person

Franziska Heinemann-Schulte (43) schreibt seit zehn Jahren den Blog „Taste Hamburg“, auch auf Instagram. Sie geht bis zu fünf Mal die Woche essen und gibt ihre Empfehlungen oder kritischen Anmerkungen weiter. In ihrem neuen gleichnamigen Buch (49,90, Eigenverlag) stellt sie rund 40 Cafés, Bars und Restaurants vor – ihre persönlichen Favoriten für Frühstück, Mittag und Abend.