Früher Bunker, heute Bordell – pardon, „modernes Stundenhotel“
Menschen, die im Zweiten Weltkrieg den Rundbunker am Berliner Tor betraten, suchten Schutz vor dem Bombenhagel. Die Menschen, die das düstere Bauwerk heute betreten, suchen dagegen lediglich Schutz vor neugierigen Blicken. Der Nazi-Bau ist nämlich zu einem „Seitensprung-Bunker“ geworden, in dem diskret Zimmer stundenweise gemietet werden können.
Als neugierige MOPO-Reporter bei dem Bunker an der kurzen Sackgasse Borgfelder Allee vorbeischauten, standen sie vor einem dichten Sichtschutz aus Bambus. Dahinter parkten am Eingang des Bunkers ein Porsche 911 und ein großer Mercedes. Aufs Klingeln in einem neuen Anbau öffnete eine leicht bekleidete Dame, erklärte bedauernd: „Der Chef ist nicht da.” Die Diskretion geht dann so weit, dass auch eine Mail an die unbekannten Betreiber nicht beantwortet wird.
Bunker am Berliner Tor wird zum „Stundenhotel”
Im internet hingegen gibt sich das im Bunker ansässige Unternehmen „Raum 6“ auskunftsfreudig: „Der bekannte Rundturm in Hamburg für Ihre privaten Abenteuer jeglicher Art.“ Die erste Stunde kostet 35 Euro, jede weitere Stunde dann 20 Euro. Die Betreiber legen Wert auf die Feststellung: „Das moderne Stundenhotel ist kein Puff.“ Nein, man sei eine Location, wo die Gäste ihr privates „Sexleben auffrischen“ könnten.
Es gebe jederzeit „frische Bettwäsche, Handtücher und Duschschuhe“. Aus „organisatorischen Gründen” könne man allerdings nur Bargeld nehmen für die „Verwirklichung erotischer Fantasien“ hinter den zwei Meter dicken Bunkermauern.
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Bei dem 22 Meter hohen Bauwerk handelt es sich um einen nach seinem Konstrukteur benannten „Zombeck-Turm“. Neun dieser Bunker, die vor allem in der Nähe von Verkehrsadern und Bahnhöfen standen, gibt es noch in Hamburg. Sie waren für etwa 500 Personen gedacht, doch im Krieg kamen hier oft mehr als 1000 Menschen unter.
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Nach 1945 wurde der Bunker am Berliner Tor zu einem „Turm-Hotel“, und der Eigentümer ließ Fensteröffnungen in die Betonwände schlagen. In den 80er Jahren kam es erstmals zu einer Nutzung als Bordell, und um das Jahr 2000 gab es hier einen „Felicitas Wellnessclub“, in dem es 2003 brannte.