„Eine Höllenfahrt“: So leiden die Tiere im Hamburger Tierheim an Silvester
Panik, Herzinfarkt und tödliche Fluchtversuche: „Wer einmal einem Tier mit Todesangst in die Augen schaute, vergisst diesen Blick nicht mehr“, so Sven Fraaß, Pressesprecher des Hamburger Tierschutzvereins. Er erzählt von den Schreckenstagen rund um Silvester, wie die Tiere unter dem Böller-Stress leiden und was die Mitarbeiter tun, um ihre Schützlinge durch die Böllernacht zu begleiten.
Das große alljährliche Feuerwerksspektakel macht fast allen Tieren zu schaffen. Haustierbesitzer kennen das Problem, mit nur einem oder zwei Vierbeinern zu Hause, aber wie sieht es mit den hunderten Tieren in den Tierheimen rund um Silvester aus? In einem Gespräch mit der MOPO erzählte uns Sven Fraaß, Pressesprecher des Hamburger Tierschutzvereins in Hamm, von der „Höllenfahrt namens Silvester“.
Angst, Stress und Herzinfarkt
Viele Tiere, so Fraaß, gerieten durch die Böllerei in Stress oder gar Panik. Es drohten Verletzungsgefahren durch Fluchtversuche, oder panisches Hin- und Herlaufen und -fliegen. Sowie Versuche, sich irgendwo durchzuquetschen. Durchfälle, verursacht durch Stress, seien auch keine Seltenheit und Tiere, die an Epilepsie erkrankt seien, litten häufiger an Krampfanfällen in dieser Zeit. Es lasse sich jedes Jahr aufs Neue erkennen, dass einige Menschen keine Rücksicht auf Tiere nehmen. „Da drängt sich schon der Verdacht auf, dass das mit Absicht geschieht und Hundegebell sogar noch ein Anreiz ist.“
Ernsthafte Erkrankungen oder gar Todesfälle durch die Böllerei seien im Hamburger Tierschutzverein glücklicherweise nur Ausnahmen. Dennoch gebe es immer wieder Tiere, die durch den verursachten Stress, gefährliche Symptome aufweisen. Vergangenes Jahr habe eine Katze Blut gespuckt, vermutlich eine geplatzte Kapillare durch erhöhten Blutdruck. Das Problem trat vorher und nachher nicht wieder auf, sodass es auf die Angst zurückgeführt werden könne.
Silvesternacht: So gehen die Tierschützer vor
Aber die Nacht würde nicht so glimpflich vonstattengehen, wenn man nicht einige vorbeugende Maßnahmen ergreife: Ziel sei es, die Außeneinwirkungen des Feuerwerks, sowohl akustisch als auch optisch, so gering wie möglich zu halten, so Fraaß. Dies ginge durch verschlossene Türen, Luken und abgedunkelte Räume. Ein laufendes Radio sorge ebenfalls für Beruhigung.

Die Tiere, die einen Auslauf am Rande des Tierheims bewohnen, würden für diese Zeit umgesetzt. „Das minimiert die Gefahr durch versehentlich oder gar mutwillig in die Tierunterkünfte abgefeuerte Feuerwerkskörper.“ Zudem dürften besonders stressanfällige Tiere mit ihren Bezugspflegern nach Hause gehen. Im Notfall würden nach tierärztlicher Absprache auch Beruhigungsmittel verabreicht.
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Auch an den Tagen nach Silvester würden viele Tiere noch an dem Stress leiden, dem sie ausgesetzt waren. Nervöses oder misstrauisches Verhalten mache den Umgang mit ihnen schwieriger oder gar gefährlich. „Andere haben noch Durchfall und nicht alle fressen gut“, verrät Sven Fraaß im Gespräch.
Durch panische Angst entlaufen jedes Jahr viele Tiere – einige gelangen als Fundtier zur Polizei und manche ins Tierheim. Ohne Chip ist die Rückführung zum Besitzer dann oft schwer.
Böllerverbot wird begrüßt
Die Idee von einem generellen Verbot privater Feuerwerke begrüßt der Hamburger Tierschutzverein sehr. „Bannmeilen um Tierheime und Zoos und private Vorsichtsmaßnahmen würden nämlich nicht ausreichen, da Hunde schließlich jeden Tag spazieren müssen und auch Wildtiere in Panik geraten …“, so Fraaß. „Ein Kompromiss wären organisierte Feuerwerke an wenigen öffentlichen Stellen. Diese sollten zudem einen Fokus auf Optik und nicht auf Lautstärke legen.“ (nai)
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