Frist verpennt: Hamburg lässt 20 Millionen Euro verfallen – Geld weg
Hamburg lässt fast 20 Millionen Euro Fördergelder vom Bund für das Altonaer Museum verfallen. Die Stadt hatte es nicht geschafft, innerhalb von fünf Jahren einen plausiblen Antrag in Berlin zu stellen. Lesen Sie hier, was die Hamburger Kulturbehörde als Grund nannte.
2018 bezeichnete die MOPO das Altonaer Museum als das „Aschenputtel“ unter den Hamburger Museen. Das Haus war arg in die Jahre gekommen, sollte 2010 sogar dichtgemacht werden. Heftiger Protest der Altonaer verhinderte das damals. Da schien ein Geldsegen aus Berlin gerade rechtzukommen. Den hatte, wie schon oft zuvor, für Kultureinrichtungen und Erholungsorte in der Hansestadt das ungleiche Bundestagsabgeordneten-Duo Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) besorgt.
2018 gab es auf einen Schlag 68 Millionen Euro
Beide Hanseaten sind echte Lokalpatrioten, und durch ihren damaligen Sitz im Haushaltsausschuss des Bundestags saßen sie quasi an der Quelle und konnten Hamburg verwöhnen. Über die Jahre haben beide der Hansestadt wohl weit mehr als eine Milliarde Euro an Bundesgeldern verschafft.

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2018 konnten auf einen Schlag 68 Millionen verteilt werden. Gelder gingen an die Kunsthalle, die Alsterschwimmhalle, die Evangelische Stiftung Alsterdorf und sollten auch für die Umgestaltung des Öjendorfer Parks verwendet werden.
19,5 Millionen Euro davon waren für das Altonaer Museum und das angeschlossene Jenischhaus vorgesehen. Während viele kulturbeflissene Hamburger und natürlich die Museen das Duo Kahrs/Kruse liebten, sah das in den Behörden gelegentlich anders aus. Zum einen muss jedes bedachte Bundesland bei einer Zuwendung aus Berlin die gleiche Summe dazutun, und dann muss innerhalb von fünf Jahren zumindest mit einem Konzept begonnen werden.

Das benötigte Geld stand in Hamburg bereit, und man ging davon aus, dass die Umbauten bis 2022 umgesetzt werden könnten. Kahrs’ Vision: „Aus einem angejahrten Museum könnte die ,Gute Stube Altona‘ werden.“ Es blieb ein Traum, das Geld ist futsch.
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Aus der Kulturbehörde heißt es dazu: „In den vom Bund für die Vorlage der Bauanträge gesetzten Fristen war es leider nicht möglich, prüffähige Anträge zu erstellen.“ Man habe andere Maßnahmen in dieser Zeit „priorisieren“ müssen. Dabei ging es laut Behörden-Sprecher Enno Isermann unter anderem um das Museum der Arbeit, das Museum am Rothenbaum oder das Museum für Hamburgische Geschichte.
Der Kommentar zum Thema: Hamburg macht sich zum Gespött
Von Thomas Hirschbiegel
Ist Hamburgs Kultur überfinanziert? Sind unsere Museen auf dem neuesten Stand und ziehen jährlich viele Millionen Besucher an? Die Antwort lautet: Nein! Da ist es keine Übertreibung, von einem Skandal zu sprechen, wenn es die Kulturbehörde nicht hinbekommt, innerhalb von fünf Jahren nahezu 20 Millionen Euro Fördergelder für das Altonaer Museum auch nur zu beantragen.

Fünf Jahre! Woanders werden in diesem Zeitraum neue Museen gebaut. Es ist einfach blamabel, darauf hinzuweisen, dass hier diverse andere Museumsprojekte zu stemmen sind. Denn für die hat das Abgeordneten-Duo Kahrs/Kruse ebenfalls viele Millionen beschafft, und das kann man ihnen doch wohl nicht vorwerfen.
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