Im Norden

Frischer Wind auf Lühesand: Neuer Campingplatzbetreiber, neues Konzept

Philipp Köhnken ist der neue Betreiber des Campingplatzes auf der Elbinsel Lühesand.

Noch keine Pläne für die Sommerferien? Die Elbinsel Lühesand vor den Toren Hamburgs startet nach einem Betreiberwechsel mit neuem Konzept in die Saison – als Familieninsel. Es gibt noch Plätze!

Stille. Weite. Keine Autos. Nur Vogelgezwitscher, Sand, Wiesen und ein bisschen Wildnis. Wer die Elbinsel Lühesand betritt, hat das Gefühl, eine Reise in eine andere Region der Erde unternommen zu haben. Dabei liegt das Eiland nur 40 Minuten von Hamburg entfernt. Wer noch keine Pläne für die Sommerferien hat, ist hier willkommen. Der neue Betreiber des Campingplatzes hat noch Plätze. Aber nur für Menschen, die Einsamkeit lieben!

Fast hundert Jahre lag Lühesand mit seinem Campingplatz fest in der Hand der einheimischen Familie Blohm, die selbst in dem einzigen Haus auf der Insel lebte.

Familieninsel Lühesand: Neue Betreiber des Campingplatzes startet mit neuem Konzept in die Saison

Dann begann das Ringen um die Nachfolge. Denn Holger Blohm (67) wollte sich zur Ruhe setzen. Seine Kinder haben andere Berufe. Die Lösung lag im wahrsten Sinne des Wortes nahe: Eine andere Campingplatz-Dynastie zeigte Interesse – die Köhnkes vom Stover Strand. Sie übernahmen den in die Jahre gekommenen Campingplatz und starten nun mit neuem Konzept in die erste Saison. 

Tipis auf einer Wiese auf dem Campingplatz Elbinsel Lühesand unter blauem Himmel.
Auch diese Tipis können auf dem Campingplatz Lühesand gebucht werden.

Die Veränderungen sind sichtbar: Die alten Klapphäuser sind weg, das Blohmsche Wohnhaus wurde von Grund auf modernisiert. Eine frische Holzverkleidung ziert die Fassade. Auf der Terrasse wachsen Olivenbäume. Draußen verbreiten Pagodenzelte auf einer riesigen Sandfläche und Hängematten zwischen den Bäumen Beachclub-Atmosphäre.

Mit Remmidemmi hat das allerdings rein gar nichts zu tun. Betreiber Philipp Köhnken, der aus der Winsener Marsch stammt, ist nichts wichtiger, als die Ruhe auf der autofreien Insel zu bewahren. Eine Ruhe, die auch die Camper spüren sollen: Wohnanhänger, Wohnmobile und Zelte stehen nicht, wie sonst üblich, wie die Ölsardinen nebeneinander. Die Abstände sind teilweise so groß, dass man sich noch nicht einmal sehen muss, geschweige denn hören.

Keine Autos, viel Natur: Auf der Elbinsel Lühesand gibt es Seeadler und Rehe zu sehen

„Mir geht es um die Nähe zur Natur“, sagt Köhnken. „Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Familien.“ Dafür hat er, der selbst dreifacher Vater ist, ein ungewöhnliches Preiskonzept entwickelt: Je mehr Kinder eine Familie hat, desto mehr sinkt der Preis (Kosten fürs Zelt: 10 Euro plus 8 bzw. 4 Euro je Erwachsener oder Kind, Wohnmobile: 30 Euro pro Nacht inklusive aller Personen bei einem Mindestaufenthalt von drei Nächten).

Es gibt Liegestühle, in denen die Eltern chillen können, während ihre Kinder im Sand spielen oder auf einer der Hüpfburgen hopsen. Weil das Baden in der Elbe nicht gestattet ist, soll es ab kommendem Jahr einen Swimmingpool geben. Wer Abenteuer erleben will, kann sich auf die Spur von Seeadlern, Kegelrobben oder Rehen begeben. Die haben aktuell sogar Kitze!

Die drei Schüler Joris (17), Johannes (16) und Lennardt (17), die seit vier Tagen auf Lühesand campen, hatten das Glück, eins zu Gesicht zu bekommen. „Es stand hier heute Morgen einfach so auf der Wiese vor unserem Zelt“, erzählt Joris.

Robinson-Crusoe-Feeling vor den Toren Hamburgs: Zelte und Wohnmobile stehen weit auseinander und geben den Besuchern viel Freiheit

Für die drei Freunde aus Buxtehude ist der Aufenthalt eine ganz neue Erfahrung. Eine mit Ansage. Denn der Ausflug ist Teil einer Projektwoche mit dem Titel „Discovery week“, bei der die Schüler etwas unternehmen sollten, was sie noch nie gemacht haben. Für Joris, Johannes und Lennardt war das Zelten.

Joris, Johannes und Lennardt stehen und sitzen vor einem Zelt am Elbufer auf dem Campingplatz Lühesand.
Die drei Freunde Joris (17), Johannes (16) und Lennardt (17) aus Buxtehude zelten im Rahmen einer Projektwoche auf der Elbinsel Lühesand.

„Tagsüber angeln wir und grillen. Wenn es dunkel ist, machen wir eine Nachtwanderung“, berichtet Lennardt. „Es fühlt sich an wie Urlaub“, sagt Johannes. Dazu trägt auch der Anblick der großen Schiffe, die auf dem Weg von Hamburg in Richtung Nordsee an der Insel vorbeiziehen, bei.

Die drei Jungs haben Schubkarren hochkant ans Ufer gestellt und sie so zu Liegestühlen umfunktioniert, um die Schiffe beobachten zu können. „Heimweh haben wir nicht“, lachen sie. Eher Fernweh.

Einsamkeit und Sonnenuntergänge: Auf der Elbinsel Lühesand fühlt man sich in andere Welten versetzt

Fernweh hatte auch das Betriebsleiter-Ehepaar Melli und Manni Gronau, das aus Berlin stammt, was man nicht nur an den vielen Piercings und Tätowierungen erahnen mag, sondern auch deutlich am Dialekt hört. „Unsere Kinder sind aus dem Haus. Da war es Zeit für etwas Neues“, sagt Melli Gronau, die früher als Erzieherin gearbeitet hat und jetzt fest auf der Insel lebt.

„Wir genießen die Ruhe am Abend, den Sonnenuntergang, die Einsamkeit“, ergänzt ihr Mann, der 20 Jahre lang im Außendienst tätig und nur unterwegs war. Jetzt lernt er von Holger Blohm den Fährbetrieb, damit er in Zukunft die Camper vom Festland in Grünendeich auf die Insel bringen kann.

Vor allem aber freuen sich die Gronaus über die Atmosphäre unter den Gästen. „Hier gibt es nie Stress. Die Leute sind entspannt und einfach nur glücklich, hier zu sein.“

Stille. Weite. Keine Autos. Nur Vogelgezwitscher, Sand, Wiesen und ein bisschen Wildnis. Wer die Elbinsel Lühesand betritt, hat das Gefühl, eine Reise in eine andere Region der Erde unternommen zu haben. Dabei liegt das Eiland nur 40 Minuten von Hamburg entfernt. Wer noch keine Pläne für die Sommerferien hat, ist hier willkommen. Der neue Betreiber des Campingplatzes hat noch Plätze. Aber nur für Menschen, die Einsamkeit lieben!

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