Hamburg
Frauen belästigt? Vorwürfe an renommierter Kunst-Hochschule
Bei der Abschlussfeier der HFBK wurden nach Missbrauchsvorwürfen Reden abgesagt. Die Hochschule beauftragte eine Anwaltskanzlei mit einer Untersuchung.
Es ist der Höhepunkt und Abschluss des Studiums an der renommierten Hochschule für Bildende Künste (HFBK) – die feierliche „Graduate Show“. Doch an diesem 9. Juli war alles anders: Im Publikum wurden ein Spruchband gezeigt und Flyer verteilt. Der Tenor: „keine Toleranz für sexuellen Missbrauch“. Ähnliche Forderungen fanden sich auch in Toilettenräumen der Hochschule auf der Uhlenhorst. Was ist da los an der Lehranstalt, die immerhin auf eine beinahe 260-jährige Geschichte zurückblickt?
Feierliche Reden von Professoren, Preisvergabe an die Besten des Studiums und eine Ausstellung der bemerkenswerten Arbeiten der Hamburger Kunststudenten – so endete ein Studium an der HFBK seit Jahrzehnten. Doch dieses Mal kam es zum Eklat. Die Reden fielen aus. Die offizielle Begründung: „Die außergewöhnliche Vielfalt und Zahl der Arbeiten haben uns dazu bewogen, den Eröffnungsabend ohne offizielle Reden etwas anders zu gestalten.“
Machtmissbrauchsvorwürfe gegen Dozenten der HFBK
Stattdessen zeigte die Hochschul-Leitung an der Wand des Gebäudes ein riesiges Banner mit der Aufschrift „No Speeches, Just Art“ („Keine Reden, nur Kunst“). So ganz freiwillig hat sich die Hochschule um den Präsidenten Martin Köttering (62) aber wohl nicht zu diesem einmaligen Schritt entschlossen.
Ganz offenbar hatte die Leitung die nur allzu begründete Befürchtung, dass feierliche Reden durch Protestrufe unterbrochen werden könnten. Denn es gärt an der Hochschule. Das zeigt auch der Text eines Flyers, der während der Abschlussveranstaltung kursierte. Darin steht, dass man sich bereits 2025 an die Hochschulleitung gewandt hätte. Doch Personen, die aggressive sexuelle Belästigungen begangen hätten, müssten an der Hochschule keine Konsequenzen befürchten.
Der Name des Dozenten, dem auch explizit Machtmissbrauch vorgeworfen wurde, ist auf den Zetteln nicht genannt worden. Doch an der Hochschule weiß jeder, um wen es gehen soll. Es gilt die Unschuldsvermutung, eine staatsanwaltliche Ermittlung gibt es bisher nicht.
Beschwerdestelle sammelte Aussagen
Die HFBK bestätigte der MOPO, dass im Januar eine Beschwerde gegen einen Dozenten eingegangen ist. Eine Sprecherin erklärte: „Die Hochschule hat daraufhin unverzüglich Maßnahmen zum Schutz und zur Unterstützung der beteiligten Studierenden ergriffen. Den Studierenden der betreffenden Klasse wurden alternative Betreuungssituationen angeboten.“ Nach MOPO-Informationen haben tatsächlich Studenten aufgrund der Vorwürfe gegen den Dozenten die Klasse des Mannes verlassen.
Die Beschwerdestelle der HFBK sammelte Aussagen von Studenten zum Verhalten des Dozenten. Auch die hauseigene Psychosoziale Beratungsstelle wurde eingeschaltet. Schließlich beauftragte man sogar eine auf das sensible Themenfeld spezialisierte Anwaltskanzlei damit, das von der Hochschule angewandte Verfahren zu überprüfen.
Den Anwälten sind dafür angeblich alle Zeugenaussagen der Studierenden zur Verfügung gestellt worden. Laut Hochschule wurde von den Juristen nach eingehender Prüfung schließlich festgestellt, dass „keine belastbaren Feststellungen vorliegen, die eine personalrechtliche Sanktion rechtfertigen würden.“
Auf konkrete Nachfragen bekam die MOPO von der Hochschulleitung keine Antwort. Daher bleibt auch offen, ob der Betroffene aktuell weiter unterrichtet. Der Dozent selbst reagierte auf eine MOPO-Anfrage nicht.
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