Frau Brandt und ihr Kampf gegen den schlechten Ruf von Nagelstudios
Die Kundin reckt die Arme nach vorne. Hinter dem Plexiglas sitzt Undine Brandt. Die Knie der beiden berühren sich fast. Brandt betreibt eines von 585 Hamburger Nagelstudios. Ihre Qualität ist Kunden auch höhere Preise wert. Aber die Branche kriselt. Mehr Studios öffnen, doch Hygienemängel und Schwarzarbeit werden zum Problem.
Brandt ist seit 25 Jahren im Beruf, betreibt in Blankenese ein eigenes Studio. Sie lege großen Wert auf Qualität und Hygiene, sei auch deshalb etwas teurer. Dennoch werde sie häufig mit der Billig-Konkurrenz in einen Topf geworfen.
„Nägel sind Luxus, dafür muss man etwas mehr bezahlen“, sagt Terri Malon, Geschäftsführerin des „Verbandes Nagel Designer Deutschland“. Sie vertritt etwa 700 Nageldesigner. Zuletzt traten 150 vietnamesische Naildesigner bei. Sie machen derzeit einen Großteil der Studios aus – auch in Hamburg. Häufig erreichen Malon Beschwerden über mangelhafte Hygiene: wiederverwendete Einmalwerkzeuge, keine gewaschenen Hände, nicht desinfizierte Arbeitsplätze.
Keine Beratung, keine Kommunikation – dafür Dreck
Für ein Harburger Studio hagelte es zuletzt schlechte Bewertungen: Kunden beklagten Sauberkeit und Qualität. Ich, die MOPO-Reporterin, will mich selbst davon überzeugen, mache einen Termin. Eine Beratung gibt es nicht. Unter meinem Sessel liegen noch Nägel. Auch an der Tapete baumelt ein Nagel. Hände waschen muss ich nicht.
Nageldesign ist kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. „Jeder darf am Menschen arbeiten – ob er es kann oder nicht“, so Malon. Hygiene sollte ein Aushängeschild sein. Doch die Unkenntnis von Regeln sei oft eklatant. Für Nagelstudios gibt es keine eigenen Vorschriften und nur anlassbezogene Kontrollen, erklärt die Industrie- und Handelskammer (IHK).
Nagelprodukte unterliegen zwar gesetzlichen Richtlinien. Beim Fachamt Verbraucherschutz beschwerten sich 2024 aber Verbraucher über kosmetische Mittel ohne deutsche Kennzeichnung. Auch Hinweise wegen fehlender Gewerbeanmeldungen oder mangelnder Preisauszeichnungen gab es. 2024 kontrollierten Behörden in Hamburg 15 Nagelstudios. In diesem Jahr bisher zwei.
Je länger ich in meinem Studio sitze, desto weniger rieche ich. Meine Nageldesignerin ist flink an der Feile. Wortlos greift sie meine Finger. Die Feile ist ausgeblichen und etwas stumpf. Eine dünne Staubschicht bedeckt den Schrank neben mir, undefinierbare Flecken zieren die Oberfläche.
Meine Nägel sind nach einer Stunde fertig. Mit Karte kann ich nicht bezahlen. Ich reiche einen Schein, er landet in einer Schublade. Einen Kassenbon erhalte ich nicht. 40 Euro kosten meine neuen Nägel – sie sollen fünf Wochen überleben.
Schwarzarbeit in Nagelstudios
2023 kontrollierte der Zoll 19 Nagelstudios in Hamburg und nahm Arbeitnehmer wegen Verdachts des illegalen Aufenthalts und des Arbeitens ohne Arbeitsgenehmigung fest – auch Ausweismissbrauch wurde festgestellt.
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Zurück im Studio von Undine Brandt. „Wer heute noch zu mir kommt, der ist vorher immer in einem Studio gewesen, in dem er nicht zufrieden war, wo er vielleicht nur auf den Preis geachtet hat“, sagt Brandt. Die Erzählung einer Kundin ist ihr präsent: Sie hatte stark verletzte Fingernägel und man habe ihr im Billig-Studio Geld versprochen – wenn sie keine Anzeige erstattet.