Fegebank fliegt das nächste Projekt um die Ohren
Kostenexplosionen, Verzögerungen, mangelnde Kontrolle: In der Umweltbehörde häufen sich offenbar Schwierigkeiten bei großen Vorhaben. Am Ende zahlen die Hamburger. Nun droht Senatorin Katharina Fegebank (Grüne) das nächste Projekt um die Ohren zu fliegen.
Die Kosten kletterten von 234 über 450 auf 534 Millionen Euro – und selbst diese Summe reicht wohl nicht mehr: Das Zentrum für Ressourcen und Energie am Volkspark (ZRE), eines der Vorzeigeprojekte der Hamburger Umweltpolitik, wird teurer und später fertig. Die Stadtreinigung baut dort eine Anlage, die Restmüll verwerten und klimaneutrale Wärme liefern soll. Doch nach einer externen Prüfung ist klar: Die bisher genehmigten 534 Millionen Euro reichen nicht aus. Das erklärte nun der Senat auf eine Schriftliche Anfrage von Sandro Kappe (CDU), die der MOPO vorliegt. Alarmierend: Eine neue Kostenschätzung oder Frist zur Fertigstellung wagt die Behörde nicht.
Umweltbehörde: Diese Projekte laufen nicht
Und das ZRE ist kein Einzelfall. Auch andere große Vorhaben im Umfeld der Umweltbehörde werden teurer oder dauern länger. Besonders VERA II, eine neue Verbrennungslinie für Klärschlamm von Hamburg Wasser, sorgte immer wieder für Aufsehen. Hamburg braucht sie wegen neuer Regeln für Klärschlamm und weil die alte Anlage saniert werden soll. Massive Kostensteigerungen von rund 100 Millionen Euro, Zeitverzögerungen und Kritik an der Organisation des Projektes hatten schließlich Konsequenzen: Im Frühjahr 2025 flogen die beiden damaligen Geschäftsführer bei Hamburg Wasser raus. Später stellten beteiligte Firmen Nachforderungen in Höhe von 36,5 Millionen Euro. Noch wird geprüft, welche davon durchkommen.
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Auch bei anderen Projekten im Umfeld der BUKEA laufen die Kosten aus dem Ruder: Das neue Gas- und Dampfkraftwerk Dradenau soll das alte Kohlekraftwerk Wedel ablösen und die Fernwärmeversorgung absichern – und ist damit ein zentrales Vorhaben der Wärmewende. Ursprünglich waren rund 450 Millionen Euro kalkuliert, inzwischen ist von rund 650 Millionen Euro die Rede. Zusätzlich sollen 74 Millionen Euro Mehrkosten wegen Verzögerungen anfallen. Eine Kostensteigerung von rund 60 Prozent.
Bei den Hamburger Energienetzen wurden sogar schlichte Gebäude zur Kostenfalle: Die gestiegenen Kosten von rund 53 auf mehr als 71 Millionen Euro beim Eingangspavillon, Parkhaus und Mehrzweckgebäude am Standort Bramfeld sorgten vor einem Jahr für Schlagzeilen – denn die Mehrkosten werden auf die Netzentgelte umgelegt.
Die Behörde gibt dafür mehrere Gründe an: Mehrkosten mit Inflation, Ukraine-Krieg, Materialpreise, Personalkosten, neue Anforderungen und Vorgaben, Probleme bei Vergabe und Planung oder komplexe Technik. Doch die Bündelung der Fälle legt ein systematisches Problem bei Planung und Kontrolle nahe.
CDU Hamburg: „Es trifft die BUKEA auffallend oft”
„Es trifft die BUKEA auffallend oft“, sagt Sandro Kappe der MOPO. „Gerade bei so großen Projekten muss man nah dran sein und strikt kontrollieren. Das haben Jens Kerstan und der ehemalige Staatsrat Michael Pollmann viel zu wenig gemacht.“ Denn ein großer Teil fällt in die Amtszeit von Ex-Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Seine Nachfolgerin Katharina Fegebank (Grüne) hat die Projekte übernommen – ist aber auch schon seit über einem Jahr im Amt. Sie muss durchgreifen, die Strukturen verändern und klären, welche weiteren Projekte zu kippen drohen.
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Dass es auch beim ZRE Managementprobleme gibt, liegt nahe. „Bei Hamburg Wasser wurde ein fehlender beziehungsweise verspäteter Lenkungskreis kritisiert. Beim ZRE wurde ein bestehender Lenkungsausschuss sogar eingestellt und durch Jour-fixes ersetzt“, so Kappe. Im Dezember wurde dem Aufsichtsrat noch bestätigt, dass Budget und Wärmelieferung eingehalten würden, aber wenige Monate später folgten externe Prüfungen, Verzögerungen und neue Kosten – das werfe „erhebliche Fragen auf.”
Fegebank: Senatorin hat Prüfung veranlasst
Die neue Chefin der Stadtreinigung (SRH) habe kurz nach Amtsantritt eine Prüfung und Schritte zur Neuausrichtung angestoßen, so die BUKEA. Das kann als indirekte Kritik am Ex-Chef verstanden werden.
„Es sind Fehler begangen worden“, ist sich Kappe sicher. „Nun muss genau geprüft werden, ob fahrlässig gehandelt wurde und ob sogar ein Haftungsfall vorliegt.“
Fegebank beauftragte eine Prüfung. „Sowohl die neue SRH-Geschäftsführung als auch die Senatorin haben sehr schnell auf die neue Informationslage reagiert und entsprechend gehandelt”, so der Behördensprecher zur MOPO. „Seit Amtsantritt hat die Behördenleitung der BUKEA einen Schwerpunkt auf das Monitoring der öffentlichen Unternehmen und ihrer Großprojekte gelegt.”
Noch ist offen, was durch die Prüfung ans Licht kommt. Eins ist aber jetzt schon klar: Am Ende zahlen die Hamburger – durch Gebühren und indirekt durch die Folgen fürs Klima, die all die Verzögerungen verursachen.