Fast unbemerkt: Hamburgs Tierheim ist massiv geschrumpft – das ist der Grund

Janet Bernhardt schaut sich die Arbeiten am neuen Katzenhaus an.
Janet Bernhardt schaut sich die Arbeiten am neuen Katzenhaus an.

Wer momentan aus einer Notlage heraus in Hamburg eine Katze abgeben muss, der wird unerwartet Probleme bekommen: Im Tierheim Süderstraße ist wieder Aufnahmestopp, auch für Reptilien. Die Gründe haben viel mit einer alten Mülldeponie zu tun, mit Personalmangel und mit einem „Geschenk“ der Stadt, das sich als nutzlos erwiesen hat.

Im Fernsehen laufen oft Reportagen aus dem Berliner Tierheim. Der ambitionierte helle Neubau ist zwar mittlerweile 20 Jahre alt, aber immer noch wegweisend, großzügig und modern. Zurzeit wird dort die Hundekrankenstation erweitert und umgebaut, die Katzenquarantäne war 2023 dran.

Sieht man sich die Lage im Hamburger Tierheim an der Süderstraße an, dann ist das ein absolutes Kontrastprogramm: ein wirres System aus dunklen alten Gebäuden mit neueren Anbauten. „Wir haben nicht ein einziges voll funktionierendes Gebäude auf dem Gelände“, sagt Janet Bernhardt, die Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins (HTV), der das Tierheim betreibt.

Tiefe Risse ziehen sich durch die Außenwand des Hundehauses.
Die HTV-Vorsitzende Janet Bernhardt zeigt: Tiefe Risse ziehen sich durch die Außenwand des Hundehauses.

Schlichte alte Flachdachgebäude aus den 60er und 70er Jahren mit tiefen Setzrissen in den Außenmauern – arbeiten möchte man dort eigentlich nicht, denn auch in den Gebäuden kommen ständig neue Risse an den Wänden hinzu. „Ich gucke täglich, was ich Neues entdecken kann“, so eine Mitarbeiterin.

Gebäude mussten in der Vergangenheit auch bereits aus Sicherheitsgründen von einem Tag auf den anderen gesperrt werden. „Akut einsturzgefährdet“, hieß es dann. Zwei Anbauten sind mittlerweile abgerissen, zuletzt kam jetzt auch noch der Abriss eines Behandlungsraums hinzu.

Tierheim Süderstraße: erneut Aufnahmestopp für Katzen

Die sogenannte Hundesozialstation, in der vor allem sichergestellte Hunde untergebracht sind, sieht schon von außen erschreckend aus. Ein tiefer, teils handbreiter Riss zieht sich im Bodenbereich über mehrere Meter und das Gebäude ist mindestens 60 Zentimeter abgesackt. Im Innern verläuft der geflieste Boden in Wellen und auch die Decke hat mächtig Schlagseite. Bernhardt: „Dadurch verzieht sich auch das Metall der Hundezwinger immer wieder, die Türen müssen regelmäßig darauf kontrolliert werden.“ Das erzeuge auch erhöhte Kosten, etwa für Handwerksarbeiten.

Zwinger sacken ab, weil der Boden immer schiefer wird.
Eigentlich auf gleicher Höhe, aber… Zwinger sacken ab und Türen schließen nicht mehr, weil der Boden immer schiefer wird.

„Ich rechne täglich damit, dass das Telefon klingelt und ein neuer Bereich gesperrt werden muss“, erzählt sie. Denn der Untergrund, auf dem das Tierheim erbaut wurde, ist eine Mülldeponie. „Deshalb arbeitet da auch alles und es tun sich neue Löcher auf, besonders nach Starkregen.“ Bei neuen Anbauten gibt es extra Vorschriften für eine Bodenaußenbelüftung, damit neu entstandene Gase aus dem Untergrund gezielt austreten können. Selbst die wenige Jahre alten Anbauten haben schon wieder Risse.

Im Tierheim des HTV wird das Katzenhaus neu gebaut

Derzeit wird das alte Katzenhaus saniert, es ist bereits seit Juli 2021 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt. Doch die Kosten explodieren, auch wegen des schwierigen Untergrundes. „Wir haben teilweise Löcher unter dem Fliesenboden gefunden, die waren 80 Zentimeter tief“, schildert Bernhard. „Wir müssen jetzt alles auf Pfählen gründen.“ Der Zuschuss von 390.000 Euro von der Stadt sollte einmal die Hälfte der Kosten decken, mittlerweile geht der HTV von Kosten in Höhe von einer Million aus.

Hund in einem Zwinger des Tierheims Süderstraße in Hamburg.
Hund in einem Zwinger des Tierheims Süderstraße in Hamburg.

Das alles bekommen die Hamburger in der Regel nicht mit, bis sie eine Katze oder einen Hund abgeben müssen. Denn allein durch die Sperrung und Sanierung des alten Katzenhauses fallen 150 Plätze für Samtpfoten seit Jahren weg. Plus Quarantäne-Räume und OP-Säle, die nun vorübergehend in der alten Hausmeister-Wohnung eingerichtet wurden. „Mit jedem Abriss und jeder Sperrung wird es enger bei uns“, so Bernhardt.

Die Stadt stellte dem HTV zwar eine Wiese zur Verfügung – doch die Hoffnung, dort ein neues Hundehaus errichten zu können, zerschlug sich schnell. Denn wie sich herausstellte, darf dort nicht gebaut werden, es fehlt eine Lärmschutzmauer an den angrenzenden Bahngleisen. „Und eine Containerlösung erwies sich als zu teuer“, so Bernhard. So wird auch der Bau eines neuen Hundehauses mit jahrelangen Platzverlusten einhergehen.

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Da aktuell allein im Sommer vor den Ferien bereits rund 100 Katzen aufgenommen werden mussten, von denen wohl viele ausgesetzt wurden, sind die Plätze trotz regelmäßiger Tiervermittlung im Prinzip alle besetzt. Jedenfalls für Tiere von Privatpersonen. Fundtiere, Verwahrtiere (die ihren Besitzern weggenommen wurden) und Isolationstiere müssen weiterhin aufgenommen werden, denn dafür zahlt die Stadt, da sie gesetzlich verpflichtet ist, diese Unterbringung zu gewährleisten.

Die Verträge über diese Tiere wurden Ende 2024 neu aufgelegt. Seitdem bekommt das Tierheim mehr als fünf Millionen Euro pro Jahr, deutlich mehr als in früheren Zeiten. Das war auch dringend nötig, denn laut Bernhardt sind unter anderem die Löhne der Mitarbeiter endlich erhöht worden, nachdem sich da 17 Jahre lang nichts getan hatte. „Trotzdem haben wir offene Stellen in allen Bereichen: Tierärzte, Fachkräfte und Hilfskräfte.“