Fast jeder dritte Hamburger hat Angst vor dem sozialen Abstieg
Fast jeder dritte Hamburger hat Angst davor, sozial abzusteigen – und die Unsicherheit greift zunehmend in der Mitte der Gesellschaft um sich. Das zeigt eine neue Umfrage.
Der SoVD (Sozialverband Deutschland) Hamburg berichtet über die Studie, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des SoVD durchgeführt hat. Demnach machen sich in Hamburg 13,9 Prozent „sehr große“ Sorgen um ihren sozialen Status, weitere 21,2 Prozent „große“ Sorgen. Viele befürchten finanzielle Einbußen, weniger Infrastruktur im Umfeld, weniger soziale Teilhabe oder steigende Einsamkeit.
So schauen jüngere Hamburger in die Zukunft
Besonders stark ist die Verunsicherung laut SoVD in jüngeren Altersgruppen: „Bei den 16- bis knapp 50-Jährigen sieht fast die Hälfte der Befragten ihren sozialen Status als unsicher an.“ Hier habe ganz offensichtlich ein Vertrauensverlust stattgefunden: „Das muss die Politik ernstnehmen!“, warnt SoVD-Hamburg-Chef Klaus Wicher.
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Besonders auffällig: Die Angst betrifft längst nicht mehr nur Menschen mit ohnehin knappen Einkommen. Laut SoVD sehen sich knapp 56 Prozent der Arbeiterschaft, aber auch 40 Prozent der Angestellten von einem sozialen Abstieg bedroht. Und selbst in Positionen, die eigentlich als sicher gelten, wächst die Sorge deutlich: „Interessant ist, dass dies inzwischen weitere Teile des Mittelstands erreicht, denn 40,6 Prozent der leitenden Angestellten teilt diese Sorgen!“, sagt Wicher.
Als Gründe nennt der SoVD unter anderem die Veränderung der Arbeitswelt und steigende Lebenshaltungskosten: „KI verändert die Arbeitswelt rasant, viele Jobs werden in naher Zukunft verschwinden. Die Mieten sind hoch, Inflation macht unser Leben, gerade in Hamburg, immer teurer.“
Sozialer Abstieg: Auch Familien machen sich Sorgen
Auch Familien und Alleinlebende sehen ihre gesellschaftliche Teilhabe gefährdet: Fast die Hälfte aller Familien sowie rund 36 Prozent der Alleinlebenden machten sich Sorgen, heißt es. „Es ist offensichtlich, dass sich gerade Eltern mit Kindern, auch in Hamburg, nicht genügend unterstützt fühlen. Dabei sind Kinder unsere Zukunft, hier könnte die Stadt mit einem Familiengeld neues Vertrauen schaffen. Das fängt übrigens schon damit an, dass man die Geburtsurkunde des eigenen Kindes in einem vertretbaren Zeitraum erhält.“
Zur Umfrage: Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat im Auftrag des SoVD vom 29. bis 31. Januar 2026 online 5000 Bürger und Bürgerinnen ab 16 Jahren befragt. Laut SoVD sind die Ergebnisse auf Ebene der Bundesländer repräsentativ. Der statistische Fehler liegt bei 6,2 Prozentpunkten. (nf)
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