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Familienprotest im Grindel: Wir wollen unseren Spielplatz behalten!

Ein Junge hält ein Schild in die Höhe. Darauf steht: „Wir brauchen unseren Spielplatz!“
Jan F. spielt häufig nach der Schule auf dem Spielplatz, doch der soll jetzt erst mal abgebaut werden. Hier demonstriert er mit dem Schild „Wir brauchen unseren Spielplatz!“

Juli (12) und Lea B. (9) sitzen auf dem Boden ihres Spielplatzes und malen mit Kreide auf ein weißes Banner. Die Schwestern wollen gemeinsam mit anderen Kindern und Eltern um den Erhalt des Spielplatzes in der Hallerstraße kämpfen. Die Hamburger Energiewerke möchten den Platz für 2,5 Jahre abbauen. Baucontainer sollen stattdessen hier stehen. Dagegen wehren sich die Anwohner.

„Ich habe hier meine Freundin kennengelernt. Die wohnt da oben“, sagt Lea und zeigt auf das Hochhaus hinter sich. Am liebsten spielt die 9-Jährige das selbst ausgedachte Spiel Kletter-Ticken auf dem Spielplatz. Ihre große Schwester Juli hat hier früher Turnen geübt. Jetzt, wo die beiden Mädchen angefangen haben, zur Schule zu gehen, kommen sie zwar weniger her, doch der Platz bedeutet ihnen viel. Und sie sind traurig, dass er geschlossen werden soll. „Das war so kurzfristig“, findet Juli, während sie mit Kreide das Banner weitermalt.

Familien aus den Wohnhäusern der Hallerstraße protestieren für den Erhalt ihres Spielplatzes.
Familien aus den Wohnhäusern der Hallerstraße protestieren für den Erhalt ihres Spielplatzes.

Die Zettel, die auf die Baustelle hinweisen, wurden erst am Freitag, dem 12. September, aufgehängt, berichten Eltern. Kaum Zeit, um Widerstand zu organisieren. Am 15. September haben sich dennoch Kinder und Eltern zusammengefunden, um gegen die Schließung zu demonstrieren. Heiko Wandrey ist seit morgens um 10 Uhr dabei. Gemeinsam mit anderen Eltern hat er den Spielplatz blockiert, als die Bagger kamen. „Ziviler Ungehorsam“, sagt er dazu. „Wir mussten uns zwischendurch abwechseln, weil manche Termine im Homeoffice wahrnehmen mussten.“

Das steckt hinter der Baustelle am Grindel

Der Grund für die Baustelle ist der Ausbau des Fernwärmenetzes. Eine zentrale Rolle würde dabei die sogenannte Spange Haferweg-Grindel spielen. „Sie transportiert künftig klimaneutrale Wärme aus dem Energiepark Hafen in Richtung Eimsbüttel und Eppendorf“, teilten die Hamburger Energiewerke der MOPO auf Nachfrage mit. „Wir verstehen das Anliegen der Anwohnenden sehr gut. Deshalb haben wir im Vorfeld den Trassenverlauf und den Platz für die Baustelleneinrichtung sorgfältig geprüft.“

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Man habe am 10. September eine öffentliche Infoveranstaltung zu der Baustelle abgehalten. „Dass viele Anwohnende dennoch erst sehr kurzfristig von dem Spielplatzrückbau erfahren haben, bedauern wir ausdrücklich“, so die Hamburger Energiewerke.

Eine Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass es aus baulichen, Umwelt- und Denkmalschutzgründen keine Alternative zu der Fläche des Spielplatzes gebe. „Das zuständige Bezirksamt hat daher eine Genehmigung für den Leitungsbau erteilt. Für die kommenden zweieinhalb Jahre wird es dort neben den Leitungsbauarbeiten auch eine Baustelleneinrichtungsfläche geben.“ Man prüfe aber noch alternative Spielangebote und die Verlagerung eines Teils der Baufläche.

Petition erhält in weniger als 24 Stunden fast 300 Stimmen

Seit knapp 20 Jahren wohnt Heiko Wandrey in der Siedlung, seine Kinder gingen beide auf den Spielplatz. „Und es ist nicht nur ein Spielplatz“, erzählt er. „Hier treffen sich Erwachsene zum Reden oder Trainieren. Eine inzwischen verstorbene Nachbarin ist noch in ihren Neunzigern jeden Tag hierhergekommen, war ein Teil des Ganzen.“

Heiko M. steht vor dem Klettergerüst des Spielplatzes.
Heiko Wandrey wohnt seit rund 20 Jahren an der Hallerstraße. Seine Kinder spielten früher auf dem Spielplatz.

„Ich habe heute mehrfach mit den Hamburger Energiewerken telefoniert“, sagt er. Der 51-Jährige habe die Werke über die aktuelle Situation am Spielplatz in Kenntnis gesetzt. „Ich habe gefragt, wofür die Baucontainer genutzt werden sollen und man meinte dann: Personal. Daraufhin habe ich sie erst einmal auf die leer stehende Fläche dort drüben hingewiesen“, sagt er und deutet auf dasselbe Gebäude, auf das Lea bereits gezeigt hat. Im Erdgeschoss sei ein Textilgeschäft gewesen, das nun leer stehe.

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Gemeinsam mit Claire Diraison und Michael Hager hat er die Nachbarn für den Protest zusammengetrommelt. Sogar eine Petition haben sie am Sonntag noch gestartet und eine Anfrage über „FragdenStaat.de“ an die Hamburger Energiewerke geschickt.

Die Petition hat mittlerweile fast 300 Stimmen gesammelt. In den Kommentaren beschweren sich Nutzer über die Baustelle. So schreibt ein Nutzer: „Die Stadt Hamburg, die Eigentümer der Energiewerke ist, besitzt hier eine unglaubliche Arroganz.“ Ein anderer sagt: „Die Hamburger Energiewerke gehen sehr rücksichtslos mit uns Grindelhausbewohnern um.“

Juli (12) und Lea B. (9) sitzen auf dem Boden ihres Spielplatzes und malen mit Kreide auf ein weißes Banner. Die Schwestern wollen gemeinsam mit anderen Kindern und Eltern um den Erhalt des Spielplatzes in der Hallerstraße kämpfen. Die Hamburger Energiewerke möchten den Platz für 2,5 Jahre abbauen. Baucontainer sollen stattdessen hier stehen. Dagegen wehren sich die Anwohner.