Fahrtüchtigkeits-Check: 40 Prozent der Senioren müssen den Lappen abgeben
Es gibt gleich zwei Seniorenbeauftragte. Und 100 Beamte, die spezielle Tests zur Fahrtüchtigkeit durchführen (auch unser 65 Jahre alter Reporter machte eine Seniorenfahrprüfung – mit ernüchterndem Ergebnis). Für Hamburgs Polizei sind Senioren im Straßenverkehr ein großes Thema. Dabei ist erklärtes Ziel, durch Prävention den Älteren eine „lange und selbstbestimmte Teilnahme am Straßenverkehr“ zu ermöglichen. Doch bei einigen mussten die Beamten auch streng sein …
Die Seniorenbeauftragten in Uniform spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie „touren“ durch Seniorenheime und laden zu Veranstaltungen ein. In lockerer Form wollen die geschulten Schupos den Senioren ein besseres Gefühl für ihr Fahrvermögen vermitteln.
Die älteren Menschen sollen ihre Grenzen erkennen und vielleicht auch selbst merken, wenn es besser ist, den Wagen endgültig stehen zu lassen oder vielleicht nur noch im vertrauten Umfeld und nicht mehr bei Dunkelheit zu fahren.
Ab 80 sind die Fahrer zu 75 Prozent schuld am Unfall
Unfälle sollen durch Aufklärung verhindert werden – und das ist nötig. Bei sechs von zehn Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Senioren (Ü65) am Steuer ist in Hamburg der ältere Mensch der Unfallverursacher. Ab 80 Jahren sind die Fahrer sogar zu fast 75 Prozent auch schuld am Unfall.
Um diese Entwicklung wenigstens zu verlangsamen, führen aktuell 100 speziell geschulte Beamte den „Standardisierten Fahrtüchtigkeitstest” (SFT) durch. Bedeutet: Sehtest, Überprüfung des Gleichgewichtssinns, der Beweglichkeit und anderer Fähigkeiten, die beim Autofahren wichtig sind. So wird beispielsweise der Hacke-Spitze-Stand durchführt. Warum? Um zu checken, ob man noch genug Kraft im Fußgelenk hat, denn die ist bei einer Gefahrenbremsung zwingend nötig.
108 Führerscheine eingezogen
Im Jahr 2024 hat die Polizei in Hamburg 252 SFT-Tests bei Senioren durchgeführt. Noch vor Ort wurde 77 Senioren zur „Gefahrenabwehr“ der Führerschein abgenommen.
Im Rahmen eines Strafverfahrens kam es zu weiteren 31 Führerscheinentzügen. 2023 waren nach 271 SFT-Tests 160 Führerscheine von der Polizei sichergestellt worden.
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Eines ist aber bei diesen Zahlen wichtig: Der SFT-Test wird nie grundlos oder routinemäßig durchgeführt. Lediglich nach einem Unfall, bei gravierenden Fahrfehlern oder bei Verhaltensauffälligkeiten bei einer Verkehrskontrolle kommen die SFT-Spezialisten zum Einsatz.