Die Fabrik in Ottensen
  • Die Fabrik in Ottensen: Kulturzentrum mit exzellentem Ruf
  • Foto: / Florian Quandt

Razzia bei „Fabrik“-Chefin: Schampus auf Stiftungskosten?

Schwere Vorwürfe gegen die Chefin der Kultur-Institution Fabrik in Ottensen: Ulrike Lorenz steht unter dem Verdacht, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Bei einer Razzia wurden Räume in der Fabrik sowie die Privatwohnung von Lorenz durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt, wie das „Abendblatt“ berichtet. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue aufgenommen.

Laut der Recherchen des „Abendblatts“ soll Lorenz auf Grund eines anonymen Schreibens im Herbst 2020 ins Visier der Ermittler geraten sein. Darin werde der Vorwurf erhoben, die Chefin des Kulturzentrums lasse sich private Ausgaben von der gemeinnützigen Fabrik-Stiftung und deren Tochterunternehmen erstatten. In einem Anwaltsschreiben, das der MOPO vorliegt, weist Lorenz alle Anschuldigungen entschieden zurück.

Die Razzia fand am vergangenen Mittwoch statt: „Im Zuge der Sachverhaltsaufklärung hat die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt, der am letzten Mittwoch vollstreckt wurde“, bestätigt Liddy Oechtering, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf MOPO-Nachfrage. Sie betont: „Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang.“

Fabrik: Ermittlungen noch am Anfang

Das „Abendblatt“ berichtet, dass Lorenz unter anderem Wandfarben, Zugtickets für Privatreisen, Champagner, teure Plätze im Millerntorstadion und hochwertige Kopfhörer über die Stiftung und Tochterunternehmen abgerechnet haben soll. Sogar die Selbstbeteiligung nach einem Blechschaden sei eingereicht worden.

Weitere Verdachtsmomente beziehen sich auf die Spenden von Konzertbesuchern, die die Chefin für sich verwendet haben könnte.

Fabrik Altona: Staatsanwaltschaft führt Razzia durch

Die Hamburger Kulturbehörde zeigt sich besorgt, immerhin fördert Hamburg die Stiftung mit 549.000 Euro jährlich. Man nehme die Hinweise „sehr ernst“ und überprüfe derzeit sämtliche Verwendungsnachweise der Jahre 2013 bis 2019.

„Auf Grundlage der bisherigen Prüfung haben wir mit der Geschäftsführerin, dem für die Aufsicht zuständigen Aufsichtsrat und der Stiftungsaufsicht erste Gespräche geführt und werden über weitere Schritte entscheiden“, so Behördensprecher Enno Isermann zu MOPO.

Kultursenator Carsten Brosda (SPD) erklärt dem „Abendblatt“, dass die Stadt ihre Zuschüsse zurückverlangen könnte, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Die Untreue-Ermittlungen kommen für den bundesweit renommierten Veranstaltungsort an der Barnerstraße zur Unzeit: Gerade feiert die „Fabrik“ ihren 50. Geburtstag, blickt auf legendäre Konzerte von U2 (1981), den Toten Hosen, Chet Baker, Alice Cooper und zahlreichen anderen Musikgrößen zurück.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp