Extrem-Miete auf dem Kiez: Bußgeld für Eigentümer, aber …

In diesem Haus an der Detlev-Bremer-Straße auf St. Pauli wird eine frisch sanierte Wohnung angeboten.
In diesem Haus an der Detlev-Bremer-Straße auf St. Pauli wird eine frisch sanierte Wohnung angeboten.

Die Wohnung an der Detlev-Bremer-Straße ist auf den ersten Blick der Traum vieler Hamburger Wohnungssuchender: schicker Altbau-Charme, 4,5 Zimmer, Holzfußboden – und das mitten auf St. Pauli. Die Miete hat es (leider wie so oft) in sich, doch das dürfte in diesem speziellen Gebiet eigentlich gar nicht sein. Deswegen hat sich inzwischen sogar der Bezirk Hamburg-Mitte eingeschaltet, es gibt aber eine schlechte Nachricht.

Als „außergewöhnliche 4,5-Zimmer-Altbauwohnung“ wurde das 135-Quadratmeter-Objekt auf der Plattform „Immonet“ angepriesen. In der Annonce war von „einem unverbaubaren Blick“ auf das Millerntor-Stadion, „urbanem Lebensgefühl pur“ und einem „beeindruckenden Raumgefühl“ die Rede. Die Wohnung sei „aufwendig und hochwertig“ komplett saniert worden. Das Fazit des Anbieters: „Eine stilvolle, großzügige Altbauwohnung in absoluter Toplage – ideal für Menschen, die das Besondere suchen und Wert auf Qualität, Charakter und Lage legen.“

St. Pauli: Extrem-Miete trotz sozialer Erhaltungsverordnung

Besonders war allerdings auch der Preis: 2700 Euro kalt sollte die Wohnung demnach monatlich kosten, also knapp 20 Euro pro Quadratmeter. Warm würden noch einmal 200 Euro hinzukommen. Das mag auf dem überhitzten Hamburger Wohnungsmarkt vielleicht gar keine große Überraschung mehr sein – allerdings liegt die Detlev-Bremer-Straße auf St. Pauli in einem Gebiet mit sogenannter „sozialer Erhaltungsverordnung“.

Die Wohnung auf St. Pauli kostet im Monat 2700 Euro Kaltmiete.
Die Wohnung auf St. Pauli kostet im Monat 2700 Euro Kaltmiete.

Dieses politische Instrument soll vereinfacht erklärt verhindern, dass durch Luxussanierungen ärmere Menschen aus den Vierteln verdrängt werden. Eigentümer müssen sich in diesen Gebieten deshalb aufwendigere Sanierungen, die später zu hohen Preisen führen können, vom Bezirksamt genehmigen lassen.

Doch das ist laut dem Bezirk Hamburg-Mitte in der Detlev-Bremer-Straße eben nicht passiert. Deshalb wurde inzwischen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, wie aus einer Anfrage der Linken-Fraktion hervorgeht. Wie hoch das Bußgeld sein wird, steht demnach noch nicht fest.

Bußgeld für Vermieter, aber…

Allerdings: „Ordnungsgemäße Zustände“ müssen in der Wohnung nicht mehr hergestellt werden, geht aus der Anfrage hervor. Natürlich ist es schwer, eine sanierte Wohnung wieder zu „entsanieren“ – trotzdem bedeutet das, dass das Apartment jetzt eben eine luxussanierte Unterkunft mit „urbanem Lebensgefühl pur” bleibt – zu entsprechenden Preisen.

„Der Schutz der sozialen Erhaltungsverordnungen verpufft völlig, wenn gierige Vermieter:innen mit verbotenen Luxusmodernisierungen die Mieten in die Höhe treiben können”, kritisiert Heike Sudmann von den Linken. „Wie kann es verhältnismäßig sein, wenn die ordnungsgemäßen Zustände nicht wiederhergestellt werden müssen und der Vermieter höchstens ein Bußgeld erhält, das er aus der Portokasse, besser gesagt aus den Luxusmieten, locker bezahlen kann?”

Die Wohnung an der Detlev-Bremer-Straße ist auf den ersten Blick der Traum vieler Hamburger Wohnungssuchender: schicker Altbau-Charme, 4,5 Zimmer, Holzfußboden – und das mitten auf St. Pauli. Die Miete hat es (leider wie so oft) in sich, doch das dürfte in diesem speziellen Gebiet eigentlich gar nicht sein. Deswegen hat sich inzwischen sogar der Bezirk Hamburg-Mitte eingeschaltet, es gibt aber eine schlechte Nachricht.