Exklusiv: Verkehrssenator schafft zum ersten Mal Ziel beim Radwege-Ausbau in Hamburg

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) an der Esplanade
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) an der Esplanade. Hier wurde für Radfahrer unter anderem eine Protected Bikelane errichtet – also ein vom Autoverkehr mithilfe von Barrieren getrennter Radweg.

Hamburgs grüner Verkehrssenator Anjes Tjarks will Hamburg zur Fahrradstadt machen. Zum ersten Mal hat er im vergangenen Jahr sein selbstgestecktes Ziel bei den Radwegen erreicht, wie der MOPO exklusiv vorliegende Zahlen zeigen – und das trotz eines holprigen Starts. Die MOPO zeigt, welche Projekte jetzt Fahrt aufnehmen und wo Hamburgs Radler profitieren.

Laut rot-grünem Koalitionsvertrag sollen jedes Jahr 60 bis 80 Kilometer Radwege neu gebaut oder saniert werden. In ihrem Wahlprogramm 2020 hatten die Grünen sogar perspektivisch 100 Kilometer versprochen.

In den vergangenen Jahren schrammte Tjarks allerdings regelmäßig knapp am Ziel vorbei: 2021 wurden 56 Kilometer erreicht, 2022 insgesamt 53 Kilometer und 2023 waren es 57 Kilometer. 2020 lag die Zahl zwar bereits bei 62 Kilometern – in diesem Jahr kam Tjarks allerdings erst Anfang Juni offiziell in das Amt des Verkehrssenators, die Verkehrsbehörde war bis dahin noch Teil des Wirtschaftsressorts.

So viele Kilometer Radweg wurden im Jahr 2024 gebaut

Wie der MOPO jetzt exklusiv vorliegt, betrug die Zahl im Jahr 2024 insgesamt 65 Kilometer und liegt damit knapp über der Zielmarke. „73 Prozent der neu gebauten und sanierten Radwege sind vom Autoverkehr getrennt“, heißt es in der Mitteilung der Behörde. Das bedeute mehr Sicherheit und Komfort. Zudem seien alte Planungen, zum Beispiel die „Radstreifen in Mittellage“ (RiM), nachträglich geändert worden.

RiMs, auch Fahrradweichen genannt, sind Radwege zwischen der Geradeaus- und Rechtsabbiegespur der Autos und sorgen bei Radfahrern oft für ein unsicheres Gefühl. 2021 wurde auf einer solchen Fahrradweiche ein Radfahrer von einem Lkw-Fahrer überfahren, der rechts abbiegen wollte. Der 47-Jährige starb. Bereits 2020 hatte die Verkehrsbehörde mit dem „Radentscheid Hamburg“ die Vereinbarung getroffen, keine neuen RiMs zu planen und die verbliebenen rot einzufärben. Letzteres geht allerdings nur schleichend voran.

Insgesamt wurden seit Beginn der Legislatur knapp 300 Kilometer Radwege neu gebaut oder saniert, das ist fast drei Mal so viel wie in der Legislaturperiode von 2011 bis 2015. „Die neu gebauten oder sanierten Radwege sind ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Mobilitätswende in Hamburg“, so Senator Tjarks.

Dabei sah es noch im Juni danach aus, als ob die Behörde ihr Ziel im Jahr 2024 wieder nicht erreichen würde: Im ersten Halbjahr wurden laut eines Senatsberichts gerade einmal 14 Kilometer fertiggestellt. Bis August stieg die Zahl dann auf 22.

Die Königstraße wurde im ersten Abschnitt zur „Straße der Zukunft“ umgebaut. Das bedeutet abgetrennte Rad- und Gehwege sowie neue Grünflächen.
Die Königstraße wurde im ersten Abschnitt zur „Straße der Zukunft“ umgebaut. Das bedeutet abgetrennte Rad- und Gehwege sowie neue Grünflächen.

Einer der längsten Radwege wurde mit 2,2 Kilometern im vergangenen Jahr in der Königstraße in Altona-Altstadt gebaut. Dort sind die teils schon im Jahr 2021 auf früheren Parkplätzen eingerichteten Radwege jetzt zusätzlich mit Barrieren von den Autos getrennt. Gleichzeitig wurden auch die Fahrbahn und die Gehwege saniert.

Das sind einige der gebauten oder sanierten Radwege im Überblick

Bezirk Hamburg Mitte: Ludwig-Erhard-Straße vom Holstenwall bis zum Rödingsmarkt (1,2 Kilometer), Fahrradstraße Hauland von Am Inselpark bis zur Unterführung unter der Peutebahn (3,7 Kilometer)

Bezirk Altona: Louise-Schroeder-Straße von der Holstenstraße bis zur Virchowstraße (1,1 Kilometer), Königstraße (2,2 Kilometer)

Bezirk Eimsbüttel: Lenhartzstraße vom Eppendorfer Baum bis zur Schottmüllerstraße (800 Meter), Weg auf dem A7-Deckel Stellingen von der Güterumgehungsbahn zur Kieler Straße (1,8 Kilometer)

Bezirk Hamburg-Nord: Wagnerstraße vom Holsteinischen Kamp bis zum Eilbekkanal (920 Meter), Barmbeker Straße von der Maria-Louisen-Straße zur Bushaltestelle Maria-Louisen-Straße Nord (400 Meter)

Bezirk Wandsbek: Farmsener Weg/Karlshöhe von der Saseler Chaussee bis zum Carsten Reimers-Ring (2 Kilometer), Am Neumarkt von der Efftingestraße bis zur Luetkensallee (1,8 Kilometer)

Bezirk Bergedorf: Oberer Landweg von der Kurt-A.Körber-Chaussee bis zum Nettelnburger Landweg (1,5 Kilometer) oder Fersenweg vom Kirchwerder Landweg bis zum Kirchenheerweg (6,5 Kilometer)

Bezirk Harburg: Georg-Heyken-Straße von der Waltershofer Straße zur A7 Anschlussstelle Hausbruch (1,4 Kilometer), Denickestraße von der Weusthoffstraße zur Triftstraße (1,7 Kilometer)

Hamburgs grüner Verkehrssenator Anjes Tjarks will Hamburg zur Fahrradstadt machen. Zum ersten Mal hat er im vergangenen Jahr sein selbstgestecktes Ziel bei den Radwegen erreicht, wie der MOPO exklusiv vorliegende Zahlen zeigen – und das trotz eines holprigen Starts. Die MOPO zeigt, welche Projekte jetzt Fahrt aufnehmen und wo Hamburgs Radler profitieren.