Es kamen nicht nur Ärzte – so viele Geflüchtete haben in Hamburg Arbeit gefunden

Eine junge Frau aus Jamaika macht eine Ausbildung zur Fachverkäuferin in einer Bäckerei (Symbolbild).
Eine junge Frau aus Jamaika macht eine Ausbildung zur Fachverkäuferin in einer Bäckerei (Symbolbild).

Deutschland ächzt unter dem Arbeitskräftemangel. In so gut wie allen Branchen gibt es unbesetzte Stellen und das war eine Chance für viele Geflüchtete. Bei denen, die vor etwa zehn Jahren kamen, liegt laut aktueller Arbeitsmarktzahlen die Beschäftigungsquote bei 64 Prozent. Und damit fast gleichauf mit dem Niveau der Gesamtbevölkerung, die bei 70 Prozent liegt. Hamburg steht besonders gut da.

Allein der Blick auf Menschen aus Syrien und Afghanistan zeigt laut Agentur für Arbeit den Erfolg: Waren vor zehn Jahren 2600 Afghanen in Hamburg beschäftigt, so sind es heute 9400. Bei Menschen aus Syrien stieg die Beschäftigung von 211 Personen auf 6300.

Die Arbeitsagentur fasst für ihre Statistik acht zentrale Herkunftsländer aus der Zeit von vor zehn Jahren zusammen (Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan, Eritrea, Nigeria und Somalia). Von ihnen sind heute insgesamt etwas mehr als 27.000 Menschen in Hamburg berufstätig.

Flüchtlinge in Ausbildung: Zahl der Frauen nimmt zu

Bisher gehen noch deutlich weniger Frauen einer Arbeit nach, nur etwa halb so viele, wie bei den Männern. Was daran liegen kann, dass in den Herkunftsländern Berufstätigkeit nicht zum Rollenbild der Frauen gehört. Aber häufig auch einfach der Tatsache geschuldet ist, dass die Frauen zu Hause bleiben, so lang die Kinder klein sind. Währenddessen haben sie auch nicht so viel Zeit, Sprachkurse und Ausbildungen zu machen.

An der Zahl der Auszubildenden ist aber zu erkennen, dass sich die Lage bei jungen Frauen, die noch keine Kinder haben, klar verändert. Von den aktuell 2342 Auszubildenden sind 1386 Männer (59 %) und 956 Frauen (40,8 %).

In Hamburg: Viele Geflüchtete haben Arbeit

Bei der Art der Beschäftigung sagt die Agentur für Arbeit, dass die Geflüchteten mittlerweile in allen Branchen angekommen sind. Sie sind auch nicht primär nur minderqualifiziert als Helfer beschäftigt. So sind aktuell 65 Prozent der 27.000 beschäftigten Geflüchteten aus 2015 als Fachkräfte, Spezialisten und Experten im Einsatz. Und was die Helfer betreffe – auch die würden dringend gebraucht.

Dieser Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hat seine Zeit gekostet. So waren nicht alle hochqualifizierte Ärzte, die da nach Hamburg geflüchtet sind – und auch die haben gebraucht, bis sie loslegen konnten. Der Start sei laut Arbeitsagentur zunächst schwierig gewesen. Die Sprache, das Leben in den Wohnunterkünften. Die meisten hatten keinerlei Dokumente wie Zeugnisse oder Lebensläufe dabei. Das alles musste nachträglich geregelt werden. Ebenso die Sprachkurse, die Kinderbetreuung, das habe Zeit gekostet, bis es geregelt war. Und auch die Ämter waren nicht vorbereitet, es gab viele Infoblätter noch nicht in allen Sprachen, die Übersetzungsprogramme lagen nicht vor.

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Dann zeigte sich auch, dass viele Männer zunächst schnell arbeiten wollten, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. Eine Ausbildung zu machen stand nicht ganz oben auf der Agenda. Das hat sich im Laufe der Jahre alles verändert.

Laut bundesweiten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt die Beschäftigungsquote geflüchteter Männer heute mit 76 Prozent sogar vier Prozentpunkte höher als beim Durchschnitt der männlichen Bevölkerung in Deutschland.