Erst Leerstand, jetzt Brandstiftung: Erbitterter Streit um Haus in Szeneviertel
In der Nacht zum 23. Januar rasen die Einsatzkräfte der Feuerwehr ins Karolinenviertel: In dem seit Jahren leerstehenden Mehrfamilienhaus in der Glashüttenstraße ist ein Feuer ausgebrochen. Wegen der starken Rauchentwicklung müssen die Anwohner der angrenzenden Gebäude ihre Wohnungen zeitweise verlassen. Jetzt kommt raus: Um das denkmalgeschützte unbewohnte Haus schwelt seit Jahren hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf.
An der Fassade prangen Graffiti, die unteren Fenster sind mit Holzplatten verklebt und im zweiten Obergeschoss, wo das Feuer ausbrach, sind die Scheiben kaputt. Das markante Gebäude in der Glashüttenstraße ist bei den Anwohnern nur allzu gut bekannt. Schon fast sechs Jahre ist es her, dass die ehemaligen Mieter ausziehen mussten.
St. Pauli: Bezirk gab 2020 grünes Licht für Abriss-Pläne
Denn damals, im Jahr 2020, hatte das Bezirksamt Hamburg-Mitte dem Eigentümer grünes Licht gegeben, das Vorderhaus durch einen Neubau zu ersetzen und den angeschlossenen Hinterbau zu sanieren. Einzige Bedingung: Die Mieter sollten laut Bezirkssprecherin Elsa Scholz „sozialverträglich“ in anderen Wohnungen untergebracht werden, was auch passiert sei.
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Doch dann schaltete sich das Denkmalschutzamt plötzlich ein und legte sein Veto für den Abriss des Vorderhauses ein. Das Wohnensemble soll zwischen 1862 und 1865 von Bauherr Franz Christian Nicolaisen errichtet worden sein und zählt laut dem Denkmalverein zu den frühesten erhaltenen Bauten im Karolinenviertel. Den Zweiten Weltkrieg überstand es demnach nahezu unbeschadet, seit 2013 steht es unter Denkmalschutz.
Gegen die Entscheidung des Denkmalschutzamtes hat der Eigentümer laut Bezirkssprecherin Scholz wiederum Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht Hamburg eingelegt. Darüber sei bis heute noch nicht entschieden – deshalb herrscht an der Szeneviertel-Adresse seit Jahren Stillstand. Es habe allerdings Beschwerden wegen des Leerstandes gegeben, auch im Quartiersbeirat war das immer mal wieder Thema.
Investor hat Neubau-Pläne für denkmalgeschütztes Haus
Aufgrund des geplanten Neubaus sei der Leerstand aber gestattet gewesen, erklärt die Bezirkssprecherin. Auch das Hinterhaus sei in schlechtem baulichen Zustand und deshalb nicht bewohnbar. Dessen Sanierung wäre wiederum an den vorderen Neubau gekoppelt. Diese ominösen Neubau-Pläne finden sich auch heute noch auf der Seite des Investors „AAA Real Estate“: Demnach sollen dort einmal 15 Wohnungen entstehen, die die „klassische Architektur“ mit „modernen Bautechniken“ verknüpfen. Eine MOPO-Anfrage ließ der Investor unbeantwortet.
Für die Stadt und den Bezirk sei das denkmalgeschützte unbewohnte Wohnhaus jedenfalls „ein Armutszeugnis“, kritisiert Antonia Ivankovic von den Linken in Hamburg-Mitte. „Hinzu kommt, dass ein Gebäude, das so lange leer steht, natürlich eine Gefahrenquelle für die umliegende Nachbarschaft werden kann.“
So wie eben am 23. Januar, als das Feuer ausbrach und Anwohner ihre Wohnungen kurzfristig verlassen mussten. Die Ermittler des Landeskriminalamtes gehen nach aktuellem Stand von Brandstiftung aus. In Kürze findet laut der Bezirkssprecherin ein Ortstermin statt, um zu prüfen, ob das Gebäude nach dem Brand zusätzlich gesichert werden muss.