„Erschreckend”: Zahl der Obdachlosen in Hamburg verdoppelt – das ist der Grund
In Hamburg leben fast doppelt so viele Obdachlose wie vor sechs Jahren. Das geht aus dem zweiten Wohnungslosenbericht des Bundes hervor, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Die Diakonie zeigt sich darüber „erschrocken“. Die Hamburger Sozialbehörde ist wenig überrascht und erklärt nun, worin sie den Hauptauslöser sieht und was sie jetzt vom Bund braucht.
Knapp 3800 Menschen lebten Anfang vergangenen Jahres laut des Berichts auf Hamburgs Straßen. Damit haben sich die Zahlen im Vergleich zur letzten Obdachlosenzählung der Stadt fast verdoppelt. Im Jahr 2018 wurden 1910 Obdachlose in der Stadt gezählt, inklusive der Menschen im Winternotprogramm.
Zusätzlich leben laut des aktuellen Berichts in Hamburg 1685 sogenannte verdeckte Wohnungslose, die bei Familie und Bekannten unterkommen. In der Sozialbehörde wundert man sich nicht über die Zahlen: „Wir haben eine deutlich gestiegene Zahl der Obdachlosen erwartet. Das sieht man im Straßenbild und anhand der Auslastung der Einrichtungen“, sagte Staatsrätin Petra Lotzkat.
Mehr Obdachlose in Hamburg
Worüber man allerdings staunt, ist die Verteilung der Nationalitäten. Laut des Berichts habe etwa die Hälfte der Obdachlosen in Hamburg die deutsche Staatsangehörigkeit. „Wir teilen nicht die Annahme, dass nur die Hälfte der Obdachlosen zugewandert sind. Nach unseren Erfahrungen sind bis zu 80 Prozent zugewandert“, so Lotzkat weiter. „Das ist entscheidend, da wir Menschen nur umfassend helfen und in ein Dach über dem Kopf vermitteln können, wenn sie einen Anspruch auf Leistungen in Deutschland haben.“
Der Unterschied könnte zustande gekommen sein, weil die Grundlage des Berichts eine Stichprobenbefragung im Februar 2024 war. Anschließend haben die Wissenschaftler die Ergebnisse hochgerechnet.
Zuwanderer finden keine Arbeit
Hauptursache für die aktuell hohen Zahlen ist laut der Sozialbehörde, dass vor allem aus osteuropäischen EU-Staaten viele Menschen nach Hamburg kommen, um Arbeit zu finden. Das scheitere in rund zehn Prozent aller Fälle. Oft seien sie nicht leistungsberechtigt. „Wir setzen auf eine gute Rückkehrberatung und intensivieren auch die Kontakte zu den Herkunftsländern, bräuchten hier aber noch mehr Unterstützung des Bundes“, sagt Lotzkat. Im vergangenen Jahr konnte Hamburg rund 400 Menschen bei der Rückkehr in ihr Heimatland unterstützen.
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Von den hohen Zahlen „erschrocken” zeigte sich Dirk Hauer, Sozialexperte der Diakonie. „Schon am Wochenende droht wiederholt Nachtfrost und das Leben der Menschen, die auf der Straße schlafen, ist in Gefahr. Als Sofortmaßnahme muss daher das Winternotprogramm ganztägig geöffnet werden“, forderte Hauer. Ferner müsse die SAGA dringend höhere Wohnungskontingente zur Verfügung stellen, damit die Fachstellen für Wohnungsnotfälle obdachlose Menschen und Familien versorgen können.