Ernsthaft? Mini-Buden sollen Hamburgs Wohnungsnot lindern
Wenig Fläche für viel Geld: Mikroapartments sind kleine, meist möblierte Wohnungen, bei denen Vermieter oft überdurchschnittlich viel Miete verlangen – auch in Hamburg. In Wandsbek will sich die Ampel-Koalition jetzt mit eben dieser Wohnform genauer befassen – um den überhitzten Wohnungsmarkt zu entlasten. Wie passt das denn zusammen?
Vor Kurzem stimmte die Bezirkspolitik einem neuen Konzept für das Grundstück Brauhausstraße 5 in Wandsbek zu: Dort sollen künftig neben Gewerbe und einem Hotel mit 120 Zimmern auch 140 Wohneinheiten entstehen. Letztere sind demnach hauptsächlich für Ein-Personen-Haushalte oder größere Wohngemeinschaften gedacht.
Wandsbek: Können Mikroapartments eine Lösung sein?
„Das haben wir zum Anlass genommen, um uns mit dem Thema Mikroapartments allgemein auseinanderzusetzen“, kündigte Xavier Wasner (SPD) stellvertretend für die Koalition aus SPD, Grünen und FDP in der Bezirksversammlung an. „Wir denken, es lohnt sich, herauszufinden, ob und unter welchen Umständen bezahlbarer Wohnraum für eine bestimmte Klientel entstehen kann.“
Für Studierende und Berufsteinsteiger, aber auch für Pendler werde es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. „Deshalb müssen wir auch innovative Lösungen suchen und neue Wege gehen. In Hamburg ist das Konzept der Mikroapartments noch nicht so verbreitet“, so Wasner. „Diese bieten alles, was man zum Leben braucht, und sind in vielen Metropolen die Antwort auf steigende Mieten.“
Hamburg gilt als Hochburg der Single-Haushalte
Birgit Wolff vom Koalitionspartner FDP ergänzte, dass sich der Bedarf auf dem Wohnungsmarkt verändert habe: „In Wandsbek liegt der Anteil der Single-Wohnungen bei 50 Prozent – das hat deutlich zugenommen“, las sie aus ihren mitgebrachten Unterlagen vor.
„Das heißt natürlich nicht, dass wir Familien und ihre Wohnungsnot nicht mehr im Blick haben“, betonte sie. „Aber wir müssen auf die Situation reagieren.“ Tatsächlich gilt Hamburg schon länger als Single-Hochburg: Im Durchschnitt lebt in 55,4 Prozent aller Haushalte nur eine Person.
Opposition skeptisch, stimmte aber zu
Der Antrag der Ampel-Koalition sieht vor, demnächst eine Expertin/einen Experten zu dem Thema einzuladen, um sich über mögliche Vor- und Nachteile dieser Wohnform zu informieren. Die Opposition stimmte diesem Vorschlag zu, betonte aber ihre Skepsis. „Baukosten für kleinere Wohnungen sind nicht so viel niedriger als für eine große Wohnung“, argumentierte CDU-Politiker Philip Buse.
Auch Linken-Abgeordneter Thomas Iwan war nicht überzeugt: „Bei Mikroapartments gibt es ja des Öfteren spannende Angebote. Das kann man zum Beispiel in dem Studenten-Apartment-Komplex hier in der Schloßstraße beobachten“, kritisierte er. „Diese Wohnform bietet Vermietern die Möglichkeit, am Mietpreis zu drehen.“ Heraus kämen hochpreisige Angebote, die bestimmt nicht für Studenten angebracht seien.
Bei dem erwähnten Komplex handelt es sich um den Anbieter „Stuart Student Apartments“, der seit 2018 zwei Standorte in Wandsbek und Ottensen mit insgesamt 372 Zimmern unterhält. Interessierte können zwischen fünf Angeboten wählen: Das kleinste möblierte Zimmer ist in Wandsbek 16 Quadratmeter groß und kostet 795 Euro im Monat. Das entspricht circa 49 Euro pro Quadratmetern. Gemeinschaftsräume und -küchen stünden zur Verfügung – Strom, Wasser, Heizung, Internet und Reinigung sind inklusive.
Die Betreiber von „Stuart Apartments“ betonen wiederum die allgemeine wirtschaftliche Lage und die großen Herausforderungen der Immobilienwirtschaft. Angesichts der Kosten und behördlichen Vorgaben befänden sich die Mietpreise in einem „sehr angemessenen Rahmen“. Bei anderen Mitbewerbern gäbe es etwa keine Apartments unter 1000 Euro.
„Es ist uns wichtig, festzuhalten, dass wir als Betreiber (…) nicht Eigentümer der Immobilien sind. Die durch uns an den jeweiligen Eigentümer zu zahlende Miete macht bereits einen überaus hohen Anteil unserer Gesamtkosten aus“, heißt es weiter. Diese in den vergangenen Jahren gestiegene Miete „von teilweise plus 30 Prozent“ könne wiederum erst bei Abschluss von neuen Mietverträgen einberechnet werden.
„Stuart Apartments“ verteidigt die angebotenen Mietpreise
Zudem gäbe es neben den einzelnen Zimmern auch Küchen, Lounges, Lern- und sonstige Aufenthaltsräume. Das könne nicht mit einer klassischen Wohnung verglichen werden. „Im Gegensatz zu einem rein funktionalen und geförderten Studentenwohnheim bieten unsere Apartments eine deutlich höhere Ausstattungs- und Servicequalität sowie optimale Stadtlagen, die von dem überwiegenden Teil der Bewohnerschaft explizit gewünscht und nachgefragt werden.“ Der Preis spiele „nicht selten eine weniger ausgeprägte Rolle“.
In den vergangenen Jahren hat die Anzahl der möblierten Wohnungsangebote in allen Hamburger Bezirken zugenommen. Kein Wunder, diese sind für (professionelle) Vermieter sehr attraktiv: Zwar gilt auch hier die Mietpreisbremse, aber sobald dort Stuhl und Bett stehen, kann ein „Möblierungszuschlag“ verlangt werden. Dieser muss nicht extra aufgeführt werden, sodass im Dunkeln bleibt, wie hoch die eigentliche Miete ist – ein Schlupfloch im Gesetz.
Einen entsprechenden Hamburger Gesetzentwurf beschloss der Bundesrat bereits 2023. Der versauerte allerdings in der Schublade des damaligen Justizministers Marco Buschmann (FDP).
Bundesregierung will neues Gesetz für möblierte Wohnungen
Jetzt hat die Bundesregierung unter Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) den Entwurf Ende April endlich beschlossen. Dieser muss jetzt allerdings noch mal durch Bundesrat und Bundestag.
An der Brauhausstraße in Wandsbek sollen die 140 Wohnungen explizit unmöbliert und nicht zimmerweise vermietet werden, heißt es in dem Bauplan der Bezirksversammlung. Einen Lichtblick gibt es hier übrigens: Mindestens 35 Prozent sollen als Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt werden und so hoffentlich tatsächlich zur Entlastung des Mietmarktes beitragen.