Er versorgte Hamburgs Koks-Kartell mit Waffen

Guido W. rüstete Hamburgs Unterwelt mit Waffen aus. Noch heute sollen viele im Umlauf sein.
Guido W. rüstete Hamburgs Unterwelt mit Waffen aus. Noch heute sollen viele im Umlauf sein.

Immer häufiger trägt Hamburgs Unterwelt ihre Konflikte mit Maschinenpistolen oder Gewehren aus, immer öfter finden Polizisten bei Einsätzen illegale Waffen. Einer, der die Gangster mit der begehrten Ware beliefert hat: Guido W., der in einem Bunker im beschaulichen Langenhorn ein riesiges illegales Arsenal – samt Kriegswaffen – versteckte, bis er vor zwei Jahren aufflog. Er wurde verurteilt. Das Problem ist damit jedoch nicht gelöst: Laut Experten soll ein Großteil seiner Waffen noch immer auf Hamburgs Straßen in Umlauf sein.

Von 2019 bis 2021 rüstete W. von seinem Bunker aus Hamburgs Unterwelt auf. Zu seinen Kunden gehörte auch Koks-König Mehmet S., Boss eines Hamburger Drogen-Kartells. Im März 2021 stellte die Polizei bei einer Razzia gegen Guido W. etliche seiner Waffen sicher.

Guido W. (*1967) war so etwas wie der Pistolen-Pate Hamburgs. Sein Arsenal war gigantisch: Allein die Liste der sichergestellten Waffen, Waffenteile und der Munition, die der MOPO vorliegt, umfasst knapp vier Seiten. Der frühere Sportschütze besaß unter anderem Maschinenpistolen der Marken Ceska Samopal, Skorpion, Thompson, sowie eine sowjetische Maschinenpistole PPSch-41. Und das sei nur ein Teil der Waffen, die Guido W. zugeschrieben werden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der Großteil befinde sich nach wie vor in Umlauf.

Hamburg: Waffenhändler versorgt Unterwelt mit Kriegswaffen

Allein im Frühjahr 2020 lieferte ein Komplize dem Waffenhändler etwa 30 Maschinenpistolen des Modells Skorpion, zehn bis 15 Maschinenpistolen des Modells Uzi und fünf Pistolen des Herstellers Sig Sauer sowie Munition zu seinem Bunker in Langenhorn. Bei den Maschinenpistolen Skorpion und Ceska Samopal handelt es sich um Kriegswaffen.

Guido W. (r.) wurde bei der Razzia in Langenhorn von der Polizei festnommen.
Guido W. (r.) wurde bei einer Razzia in Langenhorn von der Polizei festgenommen.

Guido W. verkaufte an diverse Abnehmer. Seine Kunden nannte er „der Gute“, „der Reiche“ oder „der Schwätzer“. Auch seinen Waffen, die er auf dem Hamburger Schwarzmarkt anbot, gab er Namen: „Pumpi“ für Pumpguns, „Mücken“ für halbautomatische Selbstladepistolen des Typs Mosquito, „Tiere“ für Repetiergewehre. Das zeigen Chatverläufe, die der MOPO vorliegen.

Quickborn: Waffenhändler verkauft Pistolen an Drogen-Boss

Einer seiner prominentesten Käufer: Hamburgs Koks-König Mehmet S. (42). Im Frühsommer 2020 besuchte der Waffenhändler den Kartell-Boss mehrfach in dessen Wohnhaus in Quickborn und verkaufte ihm unter anderem halbautomatische Schusswaffen samt Magazin und Schalldämpfer. Zuvor testete Mehmet S. die Waffen in einem schallisolierten Raum in seinem Haus und in seinem Garten, wo er eine Glasflasche zerschoss.

Drogen-Boss Mehmet S. wird dem Hamburger Netzwerk „Haus Drei“ zugerechnet. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Drogen-Boss Mehmet S. wird dem Hamburger Netzwerk „Haus Drei“ zugerechnet. Er wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Wie die „Bild“ berichtete, soll Guido W. auch Waffen an die Hells Angels verkauft haben. Von einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg heißt es dagegen, entsprechende Lieferungen und Verkäufe seien ihnen nicht bekannt.

Nach MOPO-Informationen agierte der Waffenhändler bloß im Dunstkreis der Rocker. Zwar sollen sich einzelne Mitglieder mit den Waffen eingedeckt haben – so soll in einem Bordell am Hammer Deich eine Maschinenpistole gefunden worden sein, die Guido W. zuzurechnen sei – jedoch sei der Waffenhändler den Rockern letztendlich zu unvorsichtig gewesen. Man habe Sorge gehabt, durch Kontakt zu ihm in den Fokus von Ermittlungen zu geraten, heißt es.

Hamburg: Erfasste Fälle von Schusswaffen-Einsatz steigen

In Hamburg und im Norden werden bei Einsätzen immer wieder illegale Waffen gefunden – zuletzt im November. „Die aktuellen Razzien gegen den Handel mit illegalen Waffen könnten ein richtiges und wichtiges Zeichen für die dahinterstehenden Strukturen organisierter Kriminalität sein“, sagte Jan Reinecke, Landeschef beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), zur MOPO. Er kritisiert, dass Waffen bislang meist lediglich als „Beifang“ bei Festnahmen und Hausdurchsuchungen aufgrund anderer Delikte festgestellt werden. Der Hamburger Kriminalpolizei fehle es an Ressourcen, den organisierten Waffenhandel effektiv und nachhaltig zu verfolgen.

Das könnte Sie auch interessieren: Kidnapping, Schüsse, Streit mit Kolumbianern: Aufstieg und Fall eines Koks-Kartells

Die Zahl der erfassten Fälle mit einer Schusswaffe ist in Hamburg zuletzt gestiegen. So registrierte die Polizei im ersten Halbjahr 2022 insgesamt 130 Fälle, wo mit einer Schusswaffe gedroht oder geschossen wurde. Im selben Zeitraum 2023 waren es bereits 157. Genaue Angaben zu illegalen Waffen in Hamburg kann die Polizei aufgrund des großen Dunkelfeldes nicht machen.