Er tat es aus Liebe!? Bizarre Petition für Hund Sam, der seinen Halter totbiss

American Bully XL Vechta
Dies ist das Foto aus der Petition für den American Bully XL, der in Vechta seinen Halter tötete.

Ein American Bully XL beißt seinen Halter tot und es gibt eine Petition, damit er nicht eingeschläfert wird? Tatsache. Diese von einer Hamburgerin initiierte Petition hat schon 62.757 Unterschriften. Die These: Es sah nur aus wie Gewalt, in Wirklichkeit war es Liebe. Sie fordern ein zweites Rechtsgutachten und dass der Hund zur Familie des Mannes zurückkehren darf. In der MOPO äußert sich dazu eine Expertin vom Hamburger Tierschutzverein.

Ein 33-Jähriger war Mitte Januar tot in einem Graben in Lohne im Kreis Vechta gefunden worden, bewacht von seinem Kampfhund, einem riesigen American Bully XL. Der Mann hatte schwere Verletzungen im Gesicht und der Hund „bewachte“ ihn und konnte erst durch die Hilfe einer Mitbewohnerin des Mannes dazu gebracht werden, die Sanitäter zu ihm zu lassen. Mittlerweile liegt das Obduktionsergebnis vor: Laut Rechtsmedizin hat der Hund den Mann getötet.

American Bully XL tötet Halter: Vechta macht Wesenstest

Trotzdem gibt es eine Petition für den Hund namens Sam, die von den Initiatoren auch nach dem Ergebnis der Rechtsmedizin nicht gestoppt wurde. Sie trägt den Namen „Für Sam“ und auf einem Foto des Hundes prangt in großen Lettern: „Was, wenn Liebe wie Gewalt aussah?“ Die These: Der Mann starb (woran auch immer) und der Hund habe nur noch auf den leblosen Körper reagiert. „Hunde stupsen, ziehen, lecken, beißen manchmal in Panik. Nicht aus Bosheit – sondern aus Verzweiflung. Aus Bindung. Aus Angst, allein zu sein. Ein Hund versteht keinen Tod. Er versteht nur: Mein Mensch reagiert nicht“, so heißt es in der Petition.

Dort wird nun ein zweites Gutachten gefordert, am besten durch den aus den Medien bekannten Berliner Gerichtsmediziner und Autor Dr. Tsokos. Laut Initiatorin der Petition besteht Kontakt zu den Angehörigen des getöteten Mannes. Sie sollen überzeugt sein, dass der Hund Sam seinen Besitzer nicht vorsätzlich oder tödlich angegriffen habe, und schätzten diesen als liebenswert ein. Der Hund habe höchstens in einer Übersprungshandlung in einer Ausnahmesituation gehandelt. Die Familie wolle ausdrücklich, dass Sam zu ihnen zurückkehre. (Anm. d.Red.: Die Behauptung konnte nicht geprüft werden)

Kampfhund aus Lohne: Petition fordert weiteres Gutachten

Derweil bereitet der Kreis Vechta eine Begutachtung durch einen Amtstierarzt vor. Danach muss der Hund einen Wesenstest bestehen. Dann könnte er in die Familie des Besitzers zurückkehren oder vermittelt werden. Wer ihn aufnehmen will, braucht aber eine Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes vom Kreis Vechta. Sollte er den Test nicht bestehen, kommt eine Resozialisierung infrage. Ist das nicht erfolgreich, wird er vermutlich eingeschläfert. Das soll durch die Petition verhindert werden.

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Viele Unterstützer der Petition berufen sich in ihrer Einschätzung auf Video-Sequenzen von der Bergung des Toten, die im NDR liefen. Darauf ist zu sehen, wie der Bully ruhig und wie unbeteiligt herumsitzt, während Polizisten und Sanitäter an ihm vorbeilaufen. Von Aggression war keine Spur zu sehen, offenbar hatte auch niemand Angst, denn dem Hund wurde nicht einmal ein Maulkorb angelegt.

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Janet Bernhardt, die Vorsitzende vom Hamburger Tierschutzverein, hat selbst jahrelang in einer Resozialisierungsabteilung für solche Hunde in der Süderstraße gearbeitet. Sie warnt davor, diese Bilder als Zeichen der Ungefährlichkeit des Hundes zu werten. „Manche Hunde erscheinen vollkommen umgänglich, aber haben trotzdem etwas, das sie plötzlich triggert.“ Und wenn die Situation vorbei sei, dann sei der Hund wieder ruhig.

Bernhardt erinnert in dem Zusammenhang an den American Pitbull namens Sugar. Die Hündin machte in Hamburg vor Jahren Schlagzeilen, weil sie im Wesenstest zunächst nicht weiter auffällig war, dann aber plötzlich beim Anblick von Kinderwagen mit Kindergeschrei sofort aggressiv wurde und sich im Kinderwagen zu verbeißen drohte.

Bernhardt weiter: „Ich kann mich zu dem konkreten Fall in Vechta nicht äußern, weil ich ihn nur aus den Medien kenne, aber grundsätzlich muss man klären, ob ein Hund womöglich krank ist und Schmerzen hat, die ihn dazu bringen, aggressiv zu reagieren.“ Außerdem könnten Hunde auch aggressiv sein, weil sie misshandelt wurden. „Man muss nun schauen, ob das Tier den Wesenstest besteht und wenn nicht, ob es resozialisiert werden kann.“ Das könne aber sehr lange dauern, teilweise Jahre.