Er saß 15 Jahre im Knast, jetzt hilft er straffällig gewordenen Jugendlichen
Die Bluttat von Flottbek – immer noch diskutiert die Stadt darüber. Ein 15-Jähriger hatte einen 13-jährigen Schüler vor der Stadtteilschule Flottbek mit einem Messer lebensgefährlich verletzt – der Junge überlebte mit Glück. Seither werden Forderungen nach härteren Strafen laut, die Deutsche Polizeigewerkschaft will sogar die Strafmündigkeit auf zwölf herabsetzen, denn insbesondere bei den unter 14-Jährigen nimmt die Gewalttätigkeit überproportional zu. Jetzt aber kommt Widerspruch: Statt die Strafen zu verschärfen, müsse die Prävention ausgeweitet werden. Das sagt auch Teyfik Sahin – der 15 Jahre wegen Mordes im Knast saß und heute Jugendlichen hilft, damit sie nicht auf die schiefe Bahn kommen.
Von härteren Strafen hält das Deutsche Jugendinstitut (DJI) wenig. Die Fachleute verweisen darauf, dass es für eine Absenkung der Strafmündigkeit keine belastbare empirische Grundlage gibt. Kinder handelten oft impulsiv und spontan; eine abschreckende Wirkung des Strafrechts sei bei ihnen deshalb kaum zu erwarten. Das DJI warnt zudem vor Freiheitsentzug und Strafverschärfung. Solche Maßnahmen führen bei jungen Menschen oft nicht zu weniger, sondern zu neuer Straffälligkeit und können ihre Entwicklung zusätzlich belasten. Helfen könne deshalb vor allem Prävention: also frühes Eingreifen, feste Beziehungen, Erziehung, Jugendhilfe und Unterstützung in Familie, Schule und Freizeit.
Verein kümmert sich um straffällige Jugendliche – Chef saß selbst im Knast
- Deutsch (Deutschland)
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