Hamburg kämpft gegen Müllberge: Welche Änderungen der BUND für die Stadt fordert
Hamburg kämpft mit wachsenden Müllbergen – und der BUND will handeln. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor dem Rathaus machte der Umweltverband am Donnerstag klar: Der Senat muss dringend Maßnahmen gegen Einwegverpackungen ergreifen. Schon kleine Änderungen im täglichen Konsumverhalten könnten die Umwelt deutlich entlasten.
Mit der Übergabe von 1500 Unterschriften im Rahmen einer Petition für eine kommunale Verpackungssteuer an Alina Schefler vom Bürgerbüro der Senatskanzlei vor dem Rathaus setzte der BUND Hamburg ein erstes Zeichen. Der Verband will damit den Druck auf den Senat erhöhen.
Projektleiter Jürgen Mumme spart im Gespräch mit der MOPO nicht mit Kritik: Hamburg schaue dem Problem seit Jahren zu, während der Müll weiter zunimmt. „Das Problem sind eindeutig Einwegverpackungen – und der allergrößte Teil davon ist Plastik“, sagt Mumme. „Markenanalysen zeigen ganz klar, woher der Müll kommt. Es geht genau um diese Wegwerfverpackungen. Deshalb setzen wir bei der Verpackungssteuer an.“
Müll: To-go-Becher sind großes Problem
Täglich gehen in Hamburg mehr als 170.000 Einweg-Kaffeebecher über die Theke. Nach einmaligem Gebrauch landen sie im Müll oder verschmutzen Parks und Gewässer. Laut Stadtreinigung und Umweltverbänden bestehen 10 bis 15 Prozent des Volumens öffentlicher Mülleimer allein aus To-go-Verpackungen – ein enormer Kostenfaktor. „Diese Verpackungen werden letztlich von allen bezahlt, selbst von denen, die sich umweltfreundlich verhalten“, sagt Mumme. „Das ist keine Kostengerechtigkeit. Wer den Müll verursacht, sollte auch zahlen.“

Bürger:innen sollen Signal an Senat senden
Die Übergabe wurde bewusst öffentlich inszeniert, damit die Botschaft auch Passant:innen im vorweihnachtlichen Trubel erreicht. „Wir möchten, dass Hamburg eine Verpackungssteuer einführt“, so Mumme. Die Stadt Tübingen in Baden-Württemberg zeige seit Jahren, wie gut das funktioniere: Dort zahlen Betriebe für Einweg-To-go-Verpackungen eine Steuer und müssen Mehrweg ohne Aufpreis anbieten. „Einweg lohnt sich weniger, der Müll sinkt – und die Einnahmen fließen in Umweltmaßnahmen“, sagt er. „Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Hamburg sollte vorangehen. Wir fordern den Senat zum Handeln auf.“
Mehrweg statt Pappe – aber ohne Extrakosten
Obwohl viele Betriebe Mehrwegoptionen anbieten, bleiben Papp- und Plastikverpackungen dominierend. Für Mumme liegt das an fehlenden Anreizen – nicht am Verhalten der Hamburger:innen: „Freiwillig passiert das wahrscheinlich nicht. Es braucht einen finanziellen Anreiz“, sagt er. „Wer Mehrweg nutzt, hat keine Mehrkosten. Wer Wegwerfprodukte wählt, zahlt – das ist fair.“ Den Vorwurf, eine Verpackungssteuer würde sozial schwächere Menschen benachteiligen, weist er entschieden zurück: „Das ist eine Nebelkerze. Da wird versucht, Soziales gegen Ökologisches auszuspielen“, so Mumme. „Man kann eigene Becher mitbringen oder Mehrwegbehälter nutzen – dafür entstehen keine Mehrkosten.“
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Für den BUND Hamburg ist die Rechnung einfach: „Wer sich ökologisch verhält, spart der Stadt Kosten. Heute zahlen wir alle für das Wegwerfen mit.“ Wie der Senat auf den Vorstoß reagieren wird, bleibt abzuwarten.
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