Eklat beim Marathon: „NOlympia“-Läufer abgedrängt? Das sagt der Veranstalter
Messen die Veranstalter des Marathons bei der Meinungsäußerung mit zweierlei Maß? Diese Frage stellt sich nach einem Vorfall kurz vor dem Ziel des 40. Haspa-Marathons am Sonntag. Die Initiative NOlympia wirft dem Veranstalter vor, Läufer Pawel Bechthold sei von Sicherheitskräften abgedrängt und vor dem Zieleinlauf mit einer Anti-Olympia-Fahne gestoppt worden. Der Veranstalter spricht von einem Sicherheitsrisiko – der Läufer bestreitet die Darstellung. Und dann stellt sich die Frage, wieso es parallel Pro-Olympia-Werbung gab.
Die Initiative NOlympia erhebt nach dem 40. Haspa-Marathon am Sonntag Vorwürfe gegen den Veranstalter: Der 22-jährige Pawel Bechthold habe mit einer Anti-Olympia-Fahne ins Ziel laufen wollen, sei aber von mehreren Ordnern abgedrängt und gegen die Bande gedrückt worden, heißt es in einem Beitrag in den sozialen Medien.
Hamburg: Streit um Marathon-Vorfall
Als Begründung sei ihm später vom Geschäftsführer des Marathon erklärt worden, die Veranstaltung sei unpolitisch. „Alles klar!“, kommentiert NOlympia ironisch – und verweist darauf, dass Olympia-Werbung bei der Veranstaltung aus ihrer Sicht „omnipräsent“ gewesen sei.
Tatsächlich war die Pro-Olympia-Seite bei dem Sportevent sichtbar vertreten – inklusive großem Banner auf der Laufstrecke. Auch einzelne Läufer warben offen für die Spiele: CDU-Chef Dennis Thering lief gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern seiner Fraktion in der Staffel ins Ziel – mit Trikots samt positiver Olympia-Botschaft.
Die Moderatorin Ilka Groenewold absolvierte den ersten Teil der Strecke sogar komplett im Pro-Olympia-Kostüm.
Olympia in Hamburg? Im Mai wird abgestimmt
Die MOPO hakte beim Veranstalter nach. Doch der weist die Darstellung, Bechthold sei von Ordnern abgedrängt und gegen die Bande gedrückt worden, von sich. Stattdessen sei der Teilnehmer kurz vor dem Ziel auf der Strecke stehen geblieben – offenbar, um die Veranstaltung als Bühne für seine politische Botschaft zu nutzen, so ein Sprecher. Das verstoße gegen die Hausordnung und stelle ein Sicherheitsrisiko für die anderen Läufer dar. Der Geschäftsführer habe ihn daher abgefangen. Ein Laufshirt mit einer Anti-Olympia-Botschaft wäre kein Problem gewesen, betont der Sprecher – solange der Läufer im Lauffluss geblieben wäre.
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Bechthold schildert der MOPO den Ablauf allerdings anders: „Zu keinem Zeitpunkt bin ich stehen geblieben oder habe andere Läufer behindert, bevor mir der Weg versperrt wurde“, sagt er. Er habe die Fahne am Dammtor entgegengenommen und sei zunächst unbehelligt damit weitergelaufen. Auf der Zielgeraden habe er im Lauf für ein Foto posiert. Etwa 20 Meter vor der Ziellinie bei den Messehallen sei ihm dann der Geschäftsführer entgegengekommen: Gemeinsam mit einer Sicherheitskraft habe er ihn zur Bande gedrängt. Bechthold sollte die Fahne abgeben, er weigerte sich. Schließlich hätten ihn beide Männer über die Ziellinie bugsiert.
Der MOPO liegt ein Video von Teilen der Szene vor. Darauf ist zu sehen, wie die drei Männer am Rand der Strecke stehen. Bechthold hält die Fahne zunächst hoch, dann wollen die beiden Männer sie ihm abnehmen. Schließlich ziehen sie Bechthold über die Ziellinie.
Ob sich Hamburg um die Olympischen und Paralympischen Spiele bewerben soll, ist aktuell eines der großen Streitthemen in der Stadt. Am 31. Mai wird darüber abgestimmt.