Eingang neben einem Imbiss: Hier liegt Hamburgs geheimer Riesenbunker
Rund 44.000 Menschen hasten täglich durch den 1983 eröffneten S-Bahnhof Harburg Rathaus, keiner nimmt Notiz von der unscheinbaren Stahltür neben dem verlassenen Imbiss „Schlemmerpunkt im Untergrund“. Doch hinter der Tür verbirgt sich ein düsteres Geheimnis: Es ist ein Zugang zu Hamburgs größtem Bunker, erbaut im Kalten Krieg, der 5000 Personen Schutz bieten könnte. Die MOPO durfte sich umgucken.
Auf einer breiten Treppe gehen wir in die Tiefe und stehen vor dicken Stahltüren mit der Aufschrift „Schleuse 2/3“. Hier befindet sich ein Kontrollraum, in dem der „Bunkerwart“ im Ernstfall durch eine Panzerglasscheibe den Schleusenraum beobachten kann. 1983 mit Eröffnung des Bahnhofs ging auch der Bunker nach einigen Jahren Bauzeit in Betrieb – allerdings nur theoretisch. Denn: Er wurde zum Glück nie gebraucht!
Versteckter Bunker am S-Bahnhof Harburg Rathaus
Wer das Innere des Schutzraums betritt, passiert zunächst eine Krankenstation, für die in den 80ern im Kriegsfall jedoch kein Personal vorgesehen war. Medikamente, Verbandszeug und OP-Material waren aber vorhanden. 16 Patienten hätten hier in Etagenbetten versorgt werden können.
Weiter geht es für die MOPO-Reporter vorbei an Dutzenden Toilettenkabinen. Diese haben keine Türen, sondern nur Vorhänge. Der Gedanke dahinter: Im Falle von Freitod-Versuchen hätten die Menschen schnell behandelt werden sollen. Deswegen gibt es hier auch keine Spiegel aus Glas, sondern nur polierte Blechplatten über den Waschbecken. Wasser hätte im Ernstfall aus einem Tiefbrunnen gewonnen werden können. Die Luft konnte mit Sand- und Aktivkohlefiltern gereinigt werden. Die Luftansaugung wäre über eine Litfaßsäule am Harburger Ring erfolgt. Strom wäre durch riesige Dieselgeneratoren erzeugt worden.
Doch spätestens nach etwa 30 Tagen wären die eingelagerten 50.000 Liter Dieseltreibstoff verbraucht gewesen, hätten alle den stromlosen Bunker verlassen müssen. Auch die Lebensmittelvorräte wären dann aufgebraucht gewesen. Diese bestanden aus vielen Konserven, aber auch „Überlebensrationen“. Dabei handelte es sich um eine Art Astronautennahrung, welche man langsam im Mund zergehen lassen sollte. Auch für Todesfälle im Bunker-Bahnhof war gesorgt. Pro 50 Personen lag ein Leichensack bereit.
Es wurde Monate dauern, den Schutzraum wieder nutzbar zu machen
Aber wo sollten die vielen Menschen sich eigentlich aufhalten und schlafen? Ganz einfach – mitten im Bahnhof! Im Ernstfall wären drei S-Bahnen eingefahren, und in den Waggons und auf den Bahnsteigen hätten 2000 Klappbetten aufgestellt werden können. Der Bunkerwart hätte sechs jeweils rund 20 Tonnen schwere und 50 Zentimeter dicke Stahltore an Gleisen und Bahnhofszugängen herabgelassen und ihn so luftdicht verschlossen. Ein letzter Test im Jahr 2001 ergab allerdings, dass keine Luftdichtigkeit mehr herzustellen war.
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Es würde heute daher Monate dauern, den riesigen Schutzraum wieder nutzbar zu machen, so der Verein „Hamburger Unterwelten“. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um die sogenannte Zivilschutz-Mehrzweckanlage und öffnen in Kooperation mit dem Archäologischen Museum (dort läuft aktuell eine Ausstellung „Lost Places“) den Bunker erstmals für die Öffentlichkeit. Doch die 855 Tickets waren im Nu weg. Die „Hamburger Unterwelten“ hoffen aber, bald ganzjährig Führungen anbieten zu können.