Sie überlebte den Holocaust: Esther Bejarano, ein Foto aus 2013.

Sie überlebte den Holocaust: Esther Bejarano, ein Foto aus dem Jahr 2013. Foto: picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON

Eine Straße für die Kämpferin gegen Rassismus

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Die Bergiusstraße in Ottensen bekommt einen neuen Namen. Zu Ehren des Geburtstags der 2021 verstorbenen Holocaustüberlebenden Esther Bejarano. Lesen Sie hier, welche Bedeutung diese Änderung historisch gesehen hat und wie es zu der Entscheidung kam.

Bereits im Mai 2024 hatte die Linke den Vorschlag gemacht, den Namen der Bergiusstraße in Ottensen zu Ehren der 2021 verstorbenen Esther Bejarano zu ändern. Nun hat die SPD den Vorschlag wieder aufgenommen, wie das „Abendblatt“ berichtet. Fraktionen der Grünen, SPD, Linken, Volt und FDP beantragen jetzt gemeinsam und stellen damit bereits die Mehrheit der Bezirksversammlung. Am Donnerstag, dem 26. März, soll die Entscheidung offiziell gemacht werden.

Wer war Esther Bejarano?

Esther Bejarano, geboren 1924 in Saarlouis als Esther Loewy, stammte aus einer jüdischen Familie. Während des Holocausts wurden ihre Eltern und ihre Schwester von den Nationalsozialisten ermordet. Sie selbst überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, wo sie Zwangsarbeit leisten musste. Nach der Befreiung lebte sie zunächst in Israel, bevor sie 1960 nach Hamburg zog.

Die Holocaustüberlebende setzte sich zeitlebens für Erinnerungskultur und gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Verbrechen ein. Sie engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), deren Ehrenvorsitzende sie später wurde. Besonders seit den 1980er-Jahren kämpfte sie öffentlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Häufig sprach sie als Zeitzeugin in Schulen und nutzte auch Musik, um jüngere Generationen zu erreichen. Für ihr Engagement erhielt sie 2012 das Bundesverdienstkreuz. Bis ins hohe Alter stand sie als Musikerin auf der Bühne. Esther Bejarano starb am 10. Juli 2021: Ihr Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf in Hamburg.

Mehr als eine Ehrung: Historische Bedeutung

Die Bedeutung der Umbenennung geht über die Ehrung der Auschwitz-Überlebenden hinaus. Der bisherige Namensgeber der Bergiusstraße ist der Chemiker Friedrich Bergius (1884–1949).

Bergius stellte sein wissenschaftliches Renommee in den Dienst des NS-Regimes. Er bekannte sich öffentlich zur nationalsozialistischen Diktatur, arbeitete eng mit NS-Behörden zusammen und lieferte dem Reichssicherheitshauptamt Informationen über ausländische Wissenschaftler, wie der Historiker David Templin in seinem Abschlussbericht zur NS-Belastung von Straßennamen in Hamburg darlegt. Belege für eine formale Mitgliedschaft in der NSDAP führt Templin zwar nicht an, doch sein aktives Zusammenwirken mit den Machtstrukturen des Regimes zeigt, dass Bergius weit mehr war als ein bloßer Mitläufer.

Änderung des Straßennamens geplant

SPD-Fraktionschefin Anna Vogel sagte dem „Abendblatt“: „Wir haben die entsprechenden Instanzen im Vorfeld einbezogen”. Daher gilt eine Zustimmung der Kulturbehörde als sicher. Nach dem Plan der Fraktionen soll die Änderung des Straßennamens am 15. Dezember 2026 – dem 102. Geburtstag von Esther Bejarano – im Rahmen eines Festakts offiziell vollzogen werden.

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Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen rechtzeitig informiert werden. Die notwendigen Änderungen von Ausweisen und anderen Dokumenten sollen von den Behörden kostenfrei vorgenommen werden. Genau dieser bürokratische Aufwand war in der vergangenen Debatte ein zentrales Gegenargument gegen eine Umbenennung der Bergiusstraße. Laut Vogel sei der neue Antrag auch deshalb erst jetzt vorgelegt worden, weil man diese Frage zuvor klären wollte. Bereits 2015 hatte die CDU vorgeschlagen, Esther Bejarano stattdessen eine neu entstehende Straße zu widmen.

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