„Eine Form des Terrors”: Dubai zwischen Angriff und Alltag

Eddie und seine Frau in der Tiefgarage, während sie die Warnungen abwarten
Eddie und seine Frau warten mit Nachbarn in der Tiefgarage, während sie die Warnungen abwarten.

Als die MOPO Eddie in Dubai erreicht, kommt der 49-Jährige gerade aus der Tiefgarage. Es gab wieder Alarm. Raketenwarnung aufs Handy, Hund Shiro geschnappt, runter. Danach erst mal Mittag essen. So sieht der Alltag des Angestellten einer Hamburger Firma derzeit aus. Seine Identität ist der MOPO bekannt, öffentlich bleibt er aus Sicherheitsgründen aber anonym. Seit elf Jahren lebt er mit seiner Frau in Dubai. Nun bestimmt der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran den Tagesablauf in der Wolkenkratzer-Metropole am Persischen Golf.

Etwa eine Minute dauere es, bis er und seine Frau im Fall einer Warnung in die Tiefgarage gehen, sagt er. Die wichtigsten Sachen liegen griffbereit, der Ablauf ist nach fast einer Woche eingespielt.

„Die ersten 24 Stunden waren am schlimmsten“, berichtet Eddie. Die ersten Explosionen, die Unsicherheit, die schlaflose Nacht. In der Nacht von Samstag auf Sonntag blieben sie bis etwa vier Uhr morgens unten. „Es war krass, die ersten Explosionen zu hören und für sich zu akzeptieren: Wir werden jetzt praktisch als Druckmittel genutzt.“ Für Eddie ist klar: Der Iran wolle mit Angriffen auf das internationale Dubai Druck auf die USA und den Westen ausüben.

Dubai: So läuft der Raketenalarm ab

Für Eddie und seine Frau spielt sich das Leben seit Tagen auf engem Raum in der Wohnung ab. Von den Fenstern halten sie sich fern. Vor die Tür gehen sie nur kurz mit Shiro vor den Wohnblock. Weiter nicht. Einkäufe lassen sie sich liefern.

Besonders belastend für Eddie: die ständige Anspannung, die permanente Alarmbereitschaft, das Warten auf den nächsten Alarm. „Man fragt sich ständig, ob man etwas hört oder was das für ein Geräusch ist“, erzählt er. Der Körper sei voller Adrenalin. Nach den besonders langen Alarmphasen am Wochenende müssen sie inzwischen noch ein- bis zweimal am Tag Schutz suchen. Das ständige Auf und Ab zermürbe Körper und Geist. „Das ist eine Form von Terror“, sagt Eddie. Anfangs versuchten er und seine Frau noch zu arbeiten, konzentrieren konnten sie sich aber kaum. Nun fühlt er sich vor allem erschöpft.

So reagieren die Menschen in Dubai auf den Iran-Krieg

Und die Stimmung bei dem Rest der Bevölkerung? Insgesamt angespannt-ruhig, sagt Eddie. Die Menschen reagierten aber sehr unterschiedlich, auch hier zeigt sich die Internationalität Dubais und die sehr unterschiedlichen Erfahrungen, die Menschen mit Krieg haben. Während einige in die Wüste oder andere Emirate geflohen seien, lägen andere noch am Pool des benachbarten Hotels. Wieder andere sind tief erschüttert, wenn es wie beim Fairmont-Hotel auf der künstlichen Insel „The Palm” doch zu Explosionen kommt. Eine Freundin von ihm habe am Telefon kurze Zeit nahezu gezittert, erzählt er der MOPO. Sie wohnt ganz in der Nähe des Luxushotels.

Die Warnmeldungen an die Bevölkerung – und Hund Shiro als Hintergrundbild.
Die Warnmeldungen an die Bevölkerung – und Hund Shiro als Hintergrundbild.

Das Absurde an der Lage in Dubai: Unter dem Raketenabwehrsystem läuft der Alltag theoretisch weiter. Infrastruktur und Dienstleistungen funktionieren, dafür sorge die Regierung der Vereinigten Emirate. „Die Regierung setzt ihren Fokus darauf, dass alles funktioniert“, sagt Eddie. „Wasser, Elektrizität, Services.“ Man könne theoretisch weiterarbeiten, mit dem Fahrrad ins Restaurant fahren oder in die Mall gehen. „Nur, dass man zwischendurch in einer Tiefgarage Schutz suchen muss.“

Will Eddie Dubai verlassen?

Aber ist dieses Bild der Normalität wirklich echt? Die Regierung soll mit der Androhung von hohen Strafen gegen die Teilung von Informationen zum Angriff des Irans vorgehen. Bilder von Drohnen oder Raketen zu zeigen, sei verboten, sagt auch Eddie. Er geht davon aus, dass die Regierung sehr „strategisch” kommuniziert, Influencer-Beiträge in den sozialen Medien wirken auf ihn koordiniert. Trotzdem bescheinigt er den Behörden ein souveränes Krisenmanagement – wie auch schon während der Corona-Pandemie. Warnsystem und Versorgung funktionierten. Auch dass die Zahlen der Angriffe und abgewehrten Drohnen und Raketen laufend veröffentlicht werden, vermittle vielen Menschen das Gefühl, geschützt zu werden.

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Dubai verlassen? Eddie und seine Frau haben zwar ein Hotel in einem anderen Emirat gebucht. Derzeit fühle er sich in Dubai aber noch am sichersten. Auch ihr Hund Shiro hält sie dort. „Wir haben einen Hund und werden ihn nicht einfach hierlassen“, sagt er. Seit elf Jahren ist Dubai ihr Lebensmittelpunkt. Vorerst bleibt das so.