Eine echte Erfolgsstory! Vom Flüchtlingsjungen im Problemviertel zum Polizisten

Maani Pouladian (24) Bundespolizist
Maani Pouladian (24) aus Jenfeld kam als Flüchtling aus Afghanistan und ist heute Bundespolizist am Flughafen Hamburg.

Hellblaues Hemd, dunkle Einsatzweste, und das Polizei-Emblem auf dem Ärmel. Wenn Maani Pouladian (24) auf Streife durch die Hamburger Flughafenterminals läuft, ist er stolz, die Uniform der Bundespolizei zu tragen. Viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen haben den einstigen Flüchtling aus Afghanistan an dieses Ziel gebracht. Aber: Ohne die Unterstützung der „Arche“ in Jenfeld wäre es vielleicht trotzdem nichts geworden.

Gerade erst hat der junge Mann aus Jenfeld seine Ausbildung zum Polizeimeister der Bundespolizei beendet. Und es war nicht einfach für den Abiturienten. „Wenn du aus Jenfeld kommst, musst du viel mehr leisten, um im Leben etwas zu erreichen“, sagt er bei einem Besuch in seinem zweiten Wohnzimmer, dem Kinderhaus „Arche“ an der Görlitzer Straße, wo er viele Jahre als Jugendlicher nachmittags gebüffelt, Fußball gespielt und auch heiß über politische Themen wie Fragen der Integration oder Religion diskutiert hat.

„Arche“ in Jenfeld: Hamburger Kinderhaus fördert intensiv

Für Jenfeld und für einen Flüchtling eine steile Karriere, Maani gilt in der „Arche“ als ein „Leuchtturm“ für andere Jugendliche. So wird der junge Mann, der immer noch in „seinem“ Stadtteil wohnt und hier aus dem Umfeld auch nicht weg möchte, manchmal scherzhaft und vielleicht etwas neidisch gefragt: „Bist du Bulle geworden? Jagst du jetzt Verbrecher hier in Jenfeld?“ Aber Stress hat er deswegen nicht. „Wenn mein Beruf Thema ist, dann werde ich eigentlich vor allem nach Verkehrssachen gefragt. Was man darf oder nicht und was dann droht“, sagt er lächelnd.

Maani Pouladian und Tobias Lucht
Maani Pouladian und Tobias Lucht im Sportraum der „Arche“.

Wie „Arche“-Leiter Tobias Lucht (44) erzählt, jobben viele junge Leute hier selbst nach dem Abitur erst mal in dem Turnschuh-Laden „Foot Locker“ in Billstedt, „und das machen einige nach drei Jahren immer noch.“ Maani sei ein Vorbild, das zeige, „dass es Alternativen dazu gibt, Döner-Verkäufer zu werden oder von Stütze zu leben.“ Obwohl seine Mutter sich gewünscht hätte, dass er einen weniger gefährlichen Beruf ergriffen hätte. „Sie war in Afghanistan Lehrerin“, sagt Maani, „das wäre ihr lieber gewesen.“

Tobias Lucht: Junge Muslime suchen nach Orientierung

Leider ist es in Stadtteilen wie Jenfeld nicht die schlimmste Alternative, ewig nur zu jobben. Gerade für junge Männer. Denn da lauern auch Straffälligkeit oder Extremismus. „Junge Muslime suchen nach Identität, sie fragen sich, wo sie dazugehören und was sie übernehmen wollen und was nicht“, schildert Lucht. Er erinnert sich noch gut, wie sich 2014 eine ganze Gruppe von Jugendlichen radikalisierte und in den Dschihad zog. „Einer von ihnen starb.“

Jetzt, wo der Nahost-Konflikt wieder entflammt ist, kommen kleine muslimische Kinder in die Einrichtungen mit Äußerungen wie „Wir hassen Israel. Israel muss weg“, oder „Hitler auf 1, er hat viele Juden getötet“. Die Betreuer sind gefragt, bei den Kindern Verständnis für das Leid auf beiden Seiten zu wecken, so Lucht. Langfristig gehe es um die Frage, wie man es schaffe, Radikalisierungen zu vermeiden. Dabei suchen die Betreuer der „Arche“ auch den Kontakt in die Familien, zum Kulturverein, zum Imam und der Moschee.

Maani hat in seiner Kindheit ganz viel Fußball gespielt.
Fußball spielen bei der Arche, das hat Maani (l.) als Kind täglich mit Begeisterung gemacht.

Auch der ehrgeizige, fleißige Maani war in seiner Jugend nicht so ganz ohne. „Ich war mit zehn, elf Jahren schon in der Pubertät und ein echter Rabauke“, sagt er, will aber lieber nicht ins Detail gehen. Nur soviel: Seine Mutter holte sich sehr oft Rat bei Tobias Lucht in der „Arche“, weil sie nicht weiter wusste. Gemeinsam meisterten sie die schwierige Situation und Maani biss sich dann bis zum Abitur durch.

„Du brauchst viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz“, sagt er selbst. Und das half ihm auch jetzt bei der Polizeiausbildung. Die in Hamburg immerhin jeder Fünfte frühzeitig schmeißt. „Aber ich wollte ja auch von klein auf Polizist werden“, erklärt er seinen Ehrgeiz. Der offenbar auch in der Familie liegt. Eine seiner jüngeren Schwestern studiert jetzt sogar und ist dafür nach Berlin gezogen.

Maani und seine beiden Schwestern sind als kleine Kinder mit der Mutter nach Hamburg gekommen. Zunächst war sein Vater 1999 aus Afghanistan geflüchtet, weil er als Tadschike dort zu einer unterdrückten Minderheit gehört. 2013 hat Maani die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. „Einrichtungen wie die „Arche“ können den Unterschied machen“, sagt Maani heute und ist sehr dankbar, dass „Tobi“, wie er Lucht noch vertrauensvoll nennt, da war, als er Unterstützung brauchte.

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Für Tobias Lucht, der seit Gründung der „Arche“ 2006 zum Team gehört, ist die Arbeit nicht einfacher geworden in der ganzen Zeit. Denn allein seit 2015 sind um die Einrichtung herum fünf Flüchtlingseinrichtungen entstanden. Mit etwa 3500 Bewohnern, darunter fast ausschließlich Familien mit Kindern. Und sie alle brauchen Unterstützung. Seitdem sind mehrere Container auf dem „Arche“-Gelände aufgestellt worden, weil der Platz nicht mehr reicht. Trotzdem finanziert sich die „Arche“ weiterhin zum allergrößten Teil über Spenden. Von der Stadt werden nur kleinere Summen beigesteuert.

Dabei zeigen Lebensläufe wie der von Maani, was alles möglich ist und wie gut viele einstige Flüchtlinge mittlerweile integriert sind. Viel deutscher können Träume nicht sein, als die von Maani Pouladian. Aber es sind eben auch afghanische Träume: „Mir könnte genau jetzt am besten die große Liebe über den Weg laufen, ich wäre bereit“, sagt er. Und dann? „Dann hätte ich gern ein eigenes Haus, und die ganze Familie grillt im Garten.“

Hellblaues Hemd, dunkle Einsatzweste, und das Polizei-Emblem auf dem Ärmel. Wenn Maani Pouladian (24) auf Streife durch die Hamburger Flughafenterminals läuft, ist er stolz, die Uniform der Bundespolizei zu tragen. Viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen haben den einstigen Flüchtling aus Afghanistan an dieses Ziel gebracht. Aber: Ohne die Unterstützung der „Arche“ in Jenfeld wäre es vielleicht trotzdem nichts geworden.