Ein Monat 9-Euro-Ticket: Warum es eine große Hoffnung nicht erfüllt

Seit Einführung des Neun-Euro-Tickets wird es am Hamburger Hauptbahnhof oft noch voller als sonst.
Seit Einführung des 9-Euro-Tickets wird es am Hamburger Hauptbahnhof oft noch voller als sonst.

Sagenhafte 935.000 9-Euro-Tickets hat der HVV bisher verkauft – ein großer Erfolg! Tatsächlich scheint es, als habe die Billigfahrkarte einen regelrechten „Boom“ im Öffentlichen Nahverkehr ausgelöst. So sehr, dass es am Hamburger Hauptbahnhof teilweise zu übervollen Gleisen und Zügen kommt. Eine große Hoffnung kann das Neun-Euro-Ticket allerdings nicht erfüllen.

Langes Wochenende, perfektes Wetter und eine günstige Möglichkeit, schnell mal ans Meer zu fahren. Das Anfang Juni eingeführte 9-Euro-Ticket hatte gleich am ersten Wochenende zu Pfingsten seine große Bewährungsprobe. Und die verlief eher schlecht als recht: Die Bahnsteige am Hamburger Hauptbahnhof in Richtung Ostsee waren proppenvoll – und auch in Regionalzügen drängten sich die Reisenden. Einige blieben sogar an den Gleisen zurück.

9-Euro-Ticket: Die Fahrgäste sind zurück im HVV

Anjes Tjarks (Grüne) fasste die Lage dennoch positiv zusammen. „Die Fahrgäste sind wieder da“, sagte der Verkehrssenator. Seit dem Start des 9-Euro-Tickets sei die Fahrgastzahl im HVV auf den Wert vom Juni 2019 gestiegen. „Das 9-Euro-Ticket kann für viele der Einstieg in den Umstieg sein und wir halten die Maßnahme für ein wichtiges Signal, um nachhaltige Mobilität zu stärken und zugleich die Menschen finanziell zu entlasten“, sagte Tjarks damals.

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Familien-Ausflüge an Nord- und Ostsee, endlich mal wieder Verwandte oder Freunde besuchen – überraschend wirkt sich das Ticket aber auch auf die Einkaufsstraßen in Hamburg aus. Dort schellten die Passantenzahlen nach oben. Zunächst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet. Laserscanner der Firma „Hystreet.com“ registrierten am Samstag, 11. Juni, knapp 1500 Besucher mehr in der Spitalerstraße als noch Ende Mai.

9-Euro-Ticket: Hamburgs Innenstadt ist wieder voller

Hamburgs City Managerin, Brigitte Engler, bestätigt die Beobachtungen. „Wir sehen, dass inzwischen viele Touristen und Tagesgäste in unserer Stadt sind“, sagt sie der MOPO. Daneben ist das 9-Euro-Ticket aber vor allem für Empfänger des Sozialrabatts in Hamburg eine Erleichterung. Statt wie üblich lediglich 23 Euro Rabatt zu bekommen, können sie damit umsonst fahren.

Das Billigticket bringt eine große soziale Entlastung mit sich – aber auch eine für die Umwelt? Tatsächlich zeigen Daten des Navianbieters „Tom Tom“, die dem „Spiegel“ vorliegen, dass noch genauso viele Autos auf Hamburgs Straßen unterwegs sind, wie vor dem 9-Euro-Ticket. Und das, obwohl die Spritpreise auf einem unvermindert hohen Niveau liegen.

9-Euro-Ticket: Kein Umstiegsanreiz für Autofahrer?

„Das Auto bleibt für viele immer noch das Verkehrsmittel Nummer 1“, sagt ADAC-Sprecher Christian Hieff. „Ja, der Preis ist ein wichtiger Hebel, aber es muss eben auch das Angebot stimmen.“ Der ÖPNV sei schon vor dem 9-Euro-Ticket oftmals günstiger als das Auto gewesen – aber meistens eben auch zeitaufwendiger.

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„Vor allem junge Familien ziehen aufgrund der hohen Mietpreise aus Hamburg raus. Dann müssen sie schauen, wie sie von da aus zum Arbeiten in die Stadt kommen. Ohne das Auto geht da meistens nichts“, so Hieff. Hamburg sei aber auf einem guten Weg. „Wenn der Hamburg-Takt bis 2030 Realität ist, also wenn überall in der Stadt alle fünf Minuten ein Verkehrsmittel bereit steht, dann können wir noch einmal darüber reden, wie wir die Leute vom Auto in die Züge bekommen.“

Das 9-Euro-Ticket: Als Entlastung also top – als Umweltschützer ein Flop? Es zeigt sich jedenfalls, dass nicht einmal der günstigste Ticketpreis und die teuerste Zapfsäule Autofahrer wirklich dauerhaft zum Umstieg anregen. Trotzdem könnte die hohe 9-Euro-Nachfrage den HVV nachhaltig prägen, denn immer mehr Fahrgastverbände fordern ein Nachfolgemodell ab September. Auch die Grünen sprachen sich dafür aus, Finanzminister Christian Lindner (FDP), erteilte dem allerdings bislang eine Absage.