Ein Gigant fast ganz aus Holz: Hamburgs spannendstes Hochhaus
Holz statt Beton: Das „Roots“ in der HafenCity wird Deutschlands höchstes Holzhochhaus. Das Gebäude soll schicke Wohnungen, ein Wildtier-Museum und Gastronomie beherbergen. Die MOPO hat Fabian von Köppen, Bauherr beim Immobilienentwickler „Garbe“ auf der Baustelle getroffen und mit ihm darüber gesprochen, warum er zu Beginn manchmal ans Aufhören dachte und Holz für ihn der Baustoff der Zukunft ist.
Wer das „Roots“ (zu Deutsch: Wurzeln) von unten bis oben betrachten will, muss schon den Kopf in den Nacken legen. Die finale Höhe von 19 Geschossen auf 65 Metern hat das Gebäude mit dem Treppenturm erreicht, nun geht es an den Ausbau der Innenräume. Mit Bauhelm, Warnweste und Sicherheitsschuhen ausgestattet, treten wir ein.
„Roots” in Hamburg: Viele Hürden zum Start
Vom Sockel bis zum zweiten Obergeschoss ist noch nicht viel Holz zu sehen, hier besteht der Turm aus Stahlbeton. Unter anderem zieht in diesen Bereich das Museum der Deutschen Wildtierstiftung ein. „Die Decken und die Wände des Roots sind ab dem dritten Stockwerk komplett aus Holz. Nur das Treppenhaus im Kern ist aus statischen Gründen und wegen aktueller Brandschutzvorschriften aus Beton“, erklärt von Köppen. Nicht die einzige Vorschrift, die er beachten musste.
Zu Beginn des Projekts haben sie bei der Firma „Garbe“ manchmal ans Aufhören gedacht, weil es so viele Hürden gab. Es ging um Schallschutz, Brandschutz und den Schutz des Holzes vor Feuchtigkeit. „Für den optimalen Schallschutz haben wir Tests an einem zweigeschossigen Modell in Originalgröße durchgeführt, bei denen etwa Turnschuhe in einer Waschmaschine geschleudert wurden“, sagt von Köppen. „Auch sämtliche Brandversuche haben wir an diesem Modell durchgeführt. Wenn Holz dick genug ist, ist es schwer entflammbar, denn Holz verkohlt im Brandfall und schützt sich selbst.“
Wohnen mit Blick über die HafenCity
Und die Feuchtigkeit? Die bis zu zwölf Meter breiten Holzelemente kommen komplett mit Fenstern und Türen in Folie verpackt an, damit sie gegen die Witterung geschützt sind. „Erst wenn sie verarbeitet werden, werden sie ausgepackt“, sagt von Köppen. Zur Montage der Teile, braucht es nur relativ wenige Arbeiter, ein Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.
Um Schimmel müssen sich die künftigen Bewohner auch keine großen Sorgen machen. Vollholz kann Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und auch wieder abgeben, daher kondensiert das Wasser nicht an den Wänden. Wir stehen inzwischen im vierten Stock – in einer Eigentumswohnung mit Blick bis zur Elbphilharmonie. Hier das Wohnzimmer, dort das Bad: Im Inneren lässt sich erahnen wie die insgesamt 181 Wohnungen einmal aussehen sollen.
Es gibt 128 Eigentumswohnungen mit einem Durchschnittspreis von 10.000 Euro pro Quadratmeter und 53 geförderte Wohnungen mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von rund sieben Euro auf dem ersten Förderweg. Die Größen: Zwischen 48 und 145 Quadratmetern. Bis auf 17 Eigentumswohnungen sind schon alle weg, sagt von Köppen. Die geförderten Wohnungen werden im Herbst vermietet.
Bauherr: „Beton ist dagegen ein Klimakiller“
Die Holzelemente in ihrer rohen Form sind hauptsächlich von außen sichtbar. Auf der Baustelle riecht es tatsächlich ein wenig nach Wald, hauptsächlich aber noch nach Staub. In den Wohnungen sind die Wände verkleidet, nur die Decke hat ihre typische Maserung behalten. 5500 Kubikmeter Holz stecken in dem Hochhaus. Hauptsächlich Fichte, Kiefer und Buche aus Österreich und Deutschland.
„Mit dem Holzbau sind wir ökologisch ganz vorne mit dabei.“ Von Köppen ist überzeugt: „Für den Wohnungsbau ist es die umweltfreundlichste Methode, die es derzeit gibt.“ Holz speichert CO₂, sagt er. „Wenn wir es nicht verfeuern, sondern für langlebige Produkte, wie Häuser, einsetzen, wird der Atmosphäre CO₂ entzogen.“ Zudem sei Holz ein heimischer Baustoff. „Beton ist in der Herstellung dagegen ein echter Klimakiller.“
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Die Flächen für die Deutsche Wildtier Stiftung sollen noch in diesem Jahr übergeben werden. „Ebenso werden planmäßig die geförderten Wohnungen bezogen“, sagt von Köppen. Gegen Ende des ersten Quartals 2024 soll das „Roots” komplett fertig sein. Rund 140 Millionen Euro kostet der Turm insgesamt – etwa zwölf Prozent mehr als ein konventionelles Beton-Haus. Das liege laut von Köppen aber nicht am Material, sondern an den vielen Bauvorschriften. Längst arbeitet er schon am nächsten Holz-Projekt, das sich vor allem auf den geförderten Wohnungsbau konzentriert.