In diesen Hamburger Supermarkt kommen Singles auch zum Flirten

Die Edeka-Filiale Niemerszein an der Oster­straße 120 (Archivbild).
Die Edeka-Filiale Niemerszein an der Oster­straße 120 (Archivbild).

Der Beitrag Warum es bei Edeka so häufig funkt erschien zuerst auf Eimsbütteler Nachrichten.

Liebe geht durch den Magen – und manchmal funkt es schon vor dem Kühlregal. Über Singles im Supermarkt und Amor an Kasse acht.

Manche Menschen spielen Lotto, ­andere hoffen, die ­große Liebe zu­fällig zu ­treffen – in der U-Bahn, beim Sport oder an der Super­markt­kasse. Hoffnungs­lose Romantiker, sagen Studien. Warum nicht, sagen sich die Singles bei Edeka Niemerszein an der Oster­straße 120. Eimsbüttel zählt zu den Single-Hochburgen in Hamburg – und einkaufen müssen sie schließlich alle.

An Kasse acht hat’s fünfmal gefunkt

Dagmar Prüter weiß, dass dieser Optimismus aufgehen kann. Sie ist 83 Jahre alt und sitzt seit über 20 Jahren an Kasse acht des Eck-Edekas. Mindestens fünf Liebespaare gehen auf ihr Konto – oder auf das Konto ihres Kassenbands. Wirklich verkuppelt habe sie die Paare nicht. Aber mit Sicherheit spielt es eine Rolle, dass es an ihrer Kasse menschelt wie kaum woanders. Ein flotter Spruch, ein freundliches Lächeln, ein offenes Ohr.

„Wenn ich mit den Kunden spreche, kommen auch sie untereinander ins Gespräch“, erzählt Prüter. Es wird gequatscht, gelacht – und geflirtet.

Dagmar Prüter spielt an Kasse Acht Amor.
Dagmar Prüter spielt an Kasse Acht Amor.

Ein Gespräch ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Vor einigen Jahren flüsterte ihr eine Kundin über das Band hinweg zu: „Daggi, der Mann, der an vierter Stelle steht – wenn es mit dem klappt, lad’ ich dich zur Hochzeit ein.“ Wenig später kamen die beiden zu zweit an ihre Kasse: „Wir heiraten!“ Dagmar Prüter war eingeladen.

Obwohl sie selbst nach ihrer Schei­dung das Kapitel Liebe abgeschlossen hat, freut sie sich über das Glück ihrer Kunden. Ihren Stamm­kunden-Brautpaaren schenkt sie zur Hochzeit ein selbst gesticktes Bild – mit einer Rose, den Initialen des Paares und dem Hochzeitsdatum.

Singletreff im Supermarkt

Vor einigen Jahren lud sie zum „Singletreff im Supermarkt” ein. Rich­tig gezündet habe die Aktion nicht. Ob sich darüber letztlich Paare gefunden haben, weiß Prüter nicht. Sie lässt die Dinge seitdem lieber wieder laufen und bringt die Leute per Zufall zusammen.

Nachdem sie in letzter Zeit vor al­lem vormittags gearbeitet hat, über­nimmt sie nun auch wieder ei­ne Spät­schicht bis 20 Uhr am Frei­tag­abend. Vielleicht die ideale Uhrzeit, um ­Liebes­paar Num­mer sechs an Kas­se acht zu­sam­men­zuführen?

Neue App hilft Edeka-Singles auf die Sprünge

Und wenn Dagmar Prüter nicht an Kasse acht sitzt? Seit einigen Mo­na­ten gibt es für Singles, die sich zwischen den Super­markt­regalen bei Niemers­zein entdecken, eine weitere Mög­lichkeit, in Kontakt zu treten. „Angefangen hat es mit dem Wunsch, dass alle wieder weniger aufs Handy und öfter hochgucken: in den Raum, in offene Gesichter statt auf Online-Profile”, sagt Linn Kuhlmann. Sie hat die App „Meet First” ent­wickelt. Interessierte können sich über die Plattform ein Profil erstellen und an ausgewählten Orten in Hamburg einchecken. So landen sie in einer Teilnehmerliste und können sich nach dem ersten Offline-Treffen online verknüpfen.

Bislang ist das vor allem an öffentlichen Orten, zum Beispiel im Stadtpark oder an der Alster und in Bars wie dem Baby Goat House im Grindel möglich. Aber auch bei Edeka Niemerszein an der Osterstraße.

Stadtbekannter Single-Edeka

FürKuhlmann war klar, dieser Edeka passt ins Konzept. Zum einen, weil ihre Schwester Dagmar Prüter kennt, zum anderen, weil in der Um­gebung viele Menschen wohnen, die zur Zielgruppe von „Meet First” passen: Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, Singles, neu Hinzugezogene.

Der Eck-Supermarkt sei außerdem ein stadtbekannter Single-Edeka, sagt Linn Kuhlmann. Mit der Plattform „Meet First” will sie es den Singles ermöglichen, nach dem ersten Kontakt im Supermarkt in Verbindung zu bleiben. Wie oft sich bisher wirklich Edeka-Besucher gematcht haben, weiß Kuhl­mann nicht. Die Analyse und Technik der App befinde sich noch im Ausbau. Für sie ist die Anzahl der Matches jedoch auch zweitrangig. Vielmehr gehe es darum, den Blick zu öffnen – für neue Kontakte jeder Art, nicht nur für die große Liebe.­