E-Scooter-Bilanz: Diese Hamburger steigen am liebsten auf die Roller
Kaum ein anderes Verkehrsmittel erregt die Gemüter in Hamburg so stark wie E-Scooter: Seit 2019 rollen sie durch die Stadt, gerne auf Gehwegen. Und werden – achtlos abgestellt – zu gefährlichen Stolperfallen. Der Anbieter „Voi“ hat jetzt ausgewertet, wer seine Nutzer in Hamburg überhaupt sind und zu welchen Anlässen sie auf die elektrischen Flitzer steigen.
Vor vier Jahren waren gerade einmal ein paar tausend E-Scooter in Hamburg unterwegs, inzwischen gibt es circa 21.000 Roller von sechs unterschiedlichen Anbietern. Einer davon ist das schwedische Unternehmen „Voi“, das laut eigener Aussage auf „sein bisher erfolgreichstes Betriebsjahr in der Hansestadt“ zurückblickt. Zunächst hatte „Nahverkehr Hamburg“ berichtet.
So viele E-Scooter-Fahrten wurden in Hamburg zurückgelegt
Demnach haben im Jahr 2023 circa 180.000 Voi-Nutzer insgesamt 3,9 Millionen Fahrten und 5,7 Millionen Kilometer in Hamburg zurückgelegt. Das entspricht ungefähr 770.000 Mal der Laufstrecke um die Außenalster. In ganz Deutschland waren es 27 Millionen Fahrten und 44 Millionen Kilometer.
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Laut internen Auswertungen von „Voi“, die der MOPO vorliegen, ist die Mehrheit der E-Scooter-Nutzer männlich – auch Hamburg bildet da keine Ausnahme: Der Anteil der Männer liegt in der Hansestadt bei etwa 72 Prozent, der der Frauen bei 28 Prozent. Im Bundesdurchschnitt ist die Verteilung 75 zu 25 Prozent – auch andere europäische Länder liegen auf ähnlichem Niveau. Nur in Norwegen und Finnland ist es ein wenig ausgewogener und liegt bei etwa 60 zu 40 Prozent.
Woran liegt das? Laut „Voi“ wurde diese Frage in den vergangenen Jahren zwar erforscht – eine klare Antwort gebe es aber nicht. Eine Vermutung sei das unterschiedliche Sicherheitsempfinden von Männern und Frauen – Städte mit breiten Radwegen, wie zum Beispiel Helsinki oder Oslo, hätten ausgeglichenere Ergebnisse bei den Geschlechtern.
Der Eindruck, dass E-Scooter hauptsächlich von jüngeren Hamburgern genutzt werden, bestätigt sich in den „Voi“-Statistiken: 76 Prozent aller Nutzer sind demnach unter 45 Jahre, das ist etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt, von 79 Prozent. Die zahlenmäßig größte Altersgruppe der Nutzer in der Hansestadt ist die der 25-34-Jährigen.
Wenn die Hamburger einen E-Scooter ausleihen, nutzen sie ihn am häufigsten für soziale Anlässe, zum Beispiel um mit Freunden essen oder ins Kino zu gehen. Das passt zu den Nutzungszahlen, die vor allem am Nachmittag und frühen Abend ansteigen. Die „Rush-Hour“ ist demnach zwischen 16 und 20 Uhr. Danach folgen mit weitem Abstand Wege zur Schule, Uni, Arbeit oder zu Terminen. Erst dahinter kommen Spaßfahrten, die laut dem Unternehmen in allen Städten weltweit zurückgegangen seien.
Das Auto ersetzen die Scooter übrigens nur sehr selten: Gerade einmal elf Prozent der „Voi“-Nutzer gaben an, dass das bei ihnen der Fall gewesen sei. „Voi“ betont allerdings, dass die allermeisten E-Scooter-Nutzer den ÖPNV mit E-Scootern kombinierten – in Hamburg sind es 75 Prozent aller Nutzer.
E-Scooter in Hamburg – eine Ergänzung zum ÖPNV?
Auch Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) hatte bereits gesagt, dass er den E-Scooter als Ergänzung für die „letzte Meile“ sehe – also den Weg von der Haltestelle bis nach Hause. Trotzdem sollten sie natürlich nicht den öffentlichen Raum blockieren. Genau das bemängelten allerdings Befragte einer ADAC-Umfrage von 2023: Demnach störten sich 73 Prozent an achtlos abgestellten Scootern und 76 Prozent an der „rücksichtslosen Fahrweise“.
Hamburg versucht bereits, gegen die E-Scooter-Flut anzukämpfen. Inzwischen gibt es in einigen Bezirken, wie zum Beispiel in Altona, extra Stellplätze, auf die die Nutzer die Fahrzeuge stellen müssen, ehe sie ihre Fahrt über die App beenden können. Seit Oktober 2021 wird bei Missachtung ein Knöllchen zwischen 20 und 40 Euro fällig. 7735 Verstöße registrierte die Polizei im Jahr 2022.
Die Zahlen von „Voi“ stammen aus einer Nutzerbefragung, insgesamt wurden weltweit 8645 Nutzer befragt, in Deutschland waren es 2355 und in Hamburg lag die Zahl bei 381.