E-Autos: Für Hamburgs Mieter keine gute Idee

Ein E-Auto an einer Ladesäule in Hamburg (Archivbild).
Ein E-Auto an einer Ladesäule in Hamburg (Archivbild).

Am Steuer eines E-Autos sitzt in Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hauseigentümer. Oder ein Wohnungseigentümer. Jedenfalls kein Mieter – zu diesem Ergebnis kommt das „E-Barometer“ der HUK-Versicherung. Auch in Hamburg sind elektrische Autos für Mieter und „Freiluftparker“ immer noch umständlicher und teurer als für Leute, die in den eigenen vier Wänden wohnen.

Eine lange Wohnstraße in Sülldorf, viele Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen – und genau eine Ladesäule. Die ist nun schon Mitte Januar außer Betrieb, wie die Hamburger Energiewerke auf MOPO-Nachfrage einräumen. Repariert werden soll sie im März. Als Begründung für den langen Ausfall werden „Tiefbauarbeiten im öffentlichen Raum“ angeführt. Diese eine, verhüllte Ladesäule (Aufschrift: „Ein Herz für ungeladene Gäste“) wirft ein Schlaglicht auf einen Umstand, der gefühlt schon länger bekannt ist und jetzt durch Zahlen untermauert wird: Wer kein Eigenheim samt Wallbox (also eine private Ladestation) hat, für den kann ein E-Auto nervig sein, selbst bei gutem Willen.

Dabei ist die Quote von E-Autofahrern, die zur Miete wohnen, in Hamburg relativ hoch: Sie liegt bei 36 Prozent, während 64 Prozent der E-Autos von Hauseigentümern gefahren werden. Bundesweit gilt: 81 Prozent der E-Autos sind im Besitz von Leuten, die in den eigenen vier Wänden wohnen, und nur 19 Prozent gehören Mietern. Eine Ausnahme ist Stuttgart, wo jedes zweite E-Auto von Mietern gefahren wird.

E-Autos: Bei Hamburger Hauseigentümern beliebt

Fast 60 Prozent der Großstädter finden E-Autos „gut“ oder „sehr gut“ – auf dem Land liegt die Zustimmung nur bei 45 Prozent, so die Studie der HUK. Dass die Städter trotzdem weniger auf E-Mobilität umsteigen, liegt an den vielen Mietern in den Städten – in Hamburg zum Beispiel stellen sie 80 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Verhüllte Ladesäule
Seit Wochen defekt: Die einzige Ladesäule in einem Sülldorfer Wohnquartier

So zeigt das HUK-E-Barometer: Besitzer eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung haben exakt dreimal so häufig ein privates E-Auto wie diejenigen ohne Wohneigentum. In Hamburg liegt die E-Auto-Quote bei Hauseigentümern bei 5,3 Prozent, bei Mietern aber nur bei 1,8 Prozent – also ziemlich genau bei einem Drittel des Wertes von Hauseigentümern.

Ohne Wallbox gucken Hamburger E-Autofahrer in die Röhre

Wer nicht einfach zu Hause den Stecker in die Wallbox stecken und günstigen Haushaltsstrom in seinen Autoakku fließen lassen kann, oder das Glück hat, sein Auto beim Job aufladen zu können, der guckt in Hamburg ziemlich in die Röhre: Es gibt weiterhin zu wenige Ladestationen in Wohnquartieren, und wenn einmal Säulen aufgestellt werden, gibt es oftmals auch noch Protest, weil dadurch „normale“ Parkplätze wegfallen.

Zu wenige Ladesäulen für Freiluft-Parker

Die HUK-Statistiker haben sich auch die Abstellmöglichkeit fürs Privatauto angesehen. Ergebnis: Wer einen Carport oder einen Garagen-Stellplatz besitzt, hat im Bundesschnitt fast drei Viertel häufiger ein privates E-Auto als derjenige, der sein Auto auf der Straße abstellen muss (4,1 Prozent Besitzquote zu 2,4 Prozent).

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Dr. Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-COBURG zuständig für die Kfz-Versicherung: „Wenn sich in den Großstädten Deutschlands die Lademöglichkeiten auch für Freiluftparker verbessern, könnte das also nochmal deutliche Zuwächse beim Hochlauf der Elektromobilität bringen – denn hier besteht noch erhebliches Potenzial.“ In Hamburg, das wird jeder bestätigen, der einmal in Bonn oder Köln eine öffentliche Ladesäule gesucht hat, gibt es mit 3400 Ladepunkten schon relativ viele Lademöglichkeiten. Rund 2000 davon betreiben die Hamburger Energiewerke. Wie viele davon an einem durchschnittlichen Tag defekt sind, ist ein Betriebsgeheimnis.