Dumping-Kette in der Schanze: Sind sich die Hipster zu fein für billigen Kaffee?

Mit einer fetten Baustelle vor der Tür ist das Cafe an diesem Tag besonders gebeutelt.
Mit einer fetten Baustelle vor der Tür ist das Cafe an diesem Tag besonders gebeutelt.

Selten hat die Eröffnung eines Cafés in Hamburg für so große Befürchtungen gesorgt wie die von „Lap Coffee“ in der Sternschanze. Mit Espresso für 1,50 Euro, Cappuccino oder Filterkaffee für 2,50 Euro setzt der Laden Preismaßstäbe, an die kleine, inhabergeführte Cafés sich unmöglich anpassen können. Linken Gruppen gefiel das gar nicht: Sie kündigten an, das Schaufenster zerstören zu wollen. Doch auch eineinhalb Monate nach dem Start Mitte September ist der große „Lap“-Schock ausgeblieben: Anders als in Berlin, wo es mittlerweile 15 Filialen gibt, scheint die Billig-Kette hier nicht so viel Anklang zu finden. Sind sich die Hamburger zu fein für billigen Kaffee? Und wie schmeckt es denn überhaupt?

Sie setzen auf möglichst günstige Preise, schnelle Bedienung, Einwegbecher und eine milliardenschwere Investorenfirma. Damit ihr Billigkonzept aufgeht, verzichten die Macher von „Lap Coffee“ (steht für „Life Among People“) außerdem auf eine gemütliche Inneneinrichtung und jeglichen Schnickschnack. In der Filiale am Schulterblatt gibt es, im Gegensatz zu einigen der Berliner Läden, immerhin einige Sitzplätze: Metallhocker und Bänke mit dünnem blauen Vlies, dazu blaue Plastikstühle.

Für insgesamt acht Euro bekommen die beiden MOPO-Reporter einen Chai Latte, einen Cappuccino und ein Pain au Chocolat. Der Tee ist sehr aromatisch, dafür ist der Kaffee milchig und das Gebäckstück ausgesprochen klein, trocken und eher ein „Pain au“, denn der Schokoladenanteil ist verschwindend gering.

Trotz „Lap Coffee“: keine Veränderung in der Nachfrage

Während des Besuchs der MOPO betritt genau eine Kundin den Laden, einer sitzt schon drin. Allerdings ist dieser Dienstagvormittag auch nicht repräsentativ, denn vor der Tür gibt es nun eine große Baustelle. Mitarbeiter von insgesamt fünf Cafés in der Umgebung von „Lap Coffee“ bestätigen, dass sich die Befürchtungen vor der Eröffnung nicht bestätigt haben. Es habe keine Veränderungen in der Nachfrage gegeben, berichten alle übereinstimmend. Rund um das neue Café kosten alle Produkte über einen Euro mehr, ein normaler Kaffee zum Beispiel fast überall mehr als 4,50 Euro, Matcha ist häufig sogar deutlich teurer.

Eine Inhaberin hat ihr Café genau wie „Lap Coffee“ am 13. September eröffnet. „Mein Bruder hat mir mit seinen Berichten aus Berlin wirklich Angst gemacht. Dort leiden lokale Läden seit der Gründung 2023 wirklich sehr unter der Kette. Aber die Filiale in der Sternschanze habe ich noch nie voll gesehen, obwohl ich oft daran vorbeigehe. Die meisten Menschen hier wollen doch Qualität, vermute ich. Und sie bleiben ihren Stamm-Cafés treu.“

Kaffeevollautomat, Fertig-Matcha und Billig-Preise

Auf Diskussions-Plattformen wie Reddit beschweren sich auch Berliner über „Lap Coffee“: „Draußen vor einer Tür Schlange stehen, um einen (meiner Meinung nach qualitativ schlechten) Kaffee aus einem Knopfdruckautomaten zu bekommen, um 50 Cent zu sparen, werde ich nie verstehen“ oder „Ich kotz‘ echt bei dem ganzen Plastikmüll mit „Life Among People“ Branding auf der Straße. So ironisch“, heißt es da. „Lap Coffee“ nutzt nur Einwegbecher, wirbt aber mit Rabatt für Menschen, die ihren eigenen Mehrwegbecher mitbringen.

Weitere Punkte, die die Hamburger möglicherweise von der Café-Kette zurückschrecken lassen: Sie verzichtet gänzlich auf Siebträgermaschinen, nutzt nur Fertig-Matcha und für die beschriebenen günstigen Preise gibt es bei vielen Produkten nur einen kleinen Becher, die großen Portionen kosten mehr.

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Bei aller Kritik: Dass die angedrohten Anschläge von linken Gruppen auf die Schaufenster ausgeblieben sind, ist eine positive Nachricht. Offenbar kommt die Kette auch so nicht so gut an bei den Schanzenbewohnern, wie sie es sich vielleicht erhofft hätte – und wurde damit auch nicht zu der Gefahr, die viele lokale Café-Besitzer im Vorhinein befürchtet hatten.