Drohnen-Boote im Hamburger Hafen: Welche Rolle Blohm + Voss spielt

Das Boot K3 Scout Medium der Hersteller Kraken und Rheinmetall fährt ferngesteuert im Hamburger Hafen.
Das Drohnenboot K3 Scout Medium der Hersteller Kraken und Rheinmetall fährt ferngesteuert im Hamburger Hafen.

Im Hamburger Hafen wurden Anfang der Woche erstmals Drohnenboote öffentlich präsentiert – mit dabei: Vertreter der Traditionswerft Blohm + Voss und des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Letzterer übernimmt die Werft und plant, künftig maritime Drohnen dort zu bauen. Das Ereignis macht deutlich, dass die Rüstungsindustrie in Hamburg eine größere Rolle spielt, als bisher öffentlich wahrgenommen.

Wie groß die Branche tatsächlich ist, lässt sich nur schwer einschätzen. „Derzeit gehen wir davon aus, dass in Hamburg rund 100 Unternehmen aller Größenordnungen der Verteidigungsindustrie zugeordnet werden können. Nach wie vor ist dieses Bild aber nicht sehr präzise, weil die Verteidigungsindustrie in Deutschland jahrzehntelang nicht im Vordergrund stand“, sagt Peter Feder, Sprecher der Handelskammer, der MOPO. Der Senat erklärte 2023 auf Anfrage der Linken, statistische Daten lägen nicht vor. Damit fehlen auch belastbare Angaben dazu, wie viel die Stadt an der Branche verdient und wie viele Arbeitsplätze daran hängen.

Rüstungsindustrie in Hamburg: Deshalb ist sie so schwer zu fassen

Das hat mehrere Gründe: Viele Unternehmen hielten sich aus Image- oder Sicherheitsgründen lange bedeckt. Zudem produzieren zahlreiche Firmen sogenannte Dual-Use-Technologie, also Geräte und Systeme, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar sind. Das erschwert es, die Branche in Hamburg klar zu fassen.

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Der Rüstungsatlas der Linken von 2011 ist zwar veraltet und wird derzeit überarbeitet, zeigt jedoch, wie vielseitig die Branche in Hamburg aufgestellt ist: von Elektronikfirmen über spezialisierte Zulieferer bis hin zur Luftfahrtbranche. Blohm + Voss steht seit Langem für den Kernbereich der Branche: maritime Industrie, Schiffstechnologie und Schiffbau.

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„Diese Kompetenzen im eigenen Land zu haben, war immer bedeutsam – diese Bedeutung wird uns in diesen Zeiten neu vor Augen geführt“, sagt Melanie Leonhard (SPD) der MOPO. Es gehe nicht nur um Verteidigungsfähigkeit, sondern auch um industrielle Fähigkeiten am Standort: „Wir wollen dazu in der Lage sein, bestimmte Technologie selbst entwickeln und umsetzen zu können, statt in große Abhängigkeiten zu geraten.” Die Wirtschaftssenatorin bewertet die Planungen am Standort Blohm + Voss als Chance für den Hafen und sieht darin Potenziale für Arbeitsplätze, Technologie und Industrie.

Zeitenwende: Die Branche steht auf Wachstum

Das Wachstum der Branche zeigt sich exemplarisch an Rheinmetall: Der Konzern boomt und übernimmt das Marineunternehmen NVL – inklusive Blohm + Voss – und plant größere Investitionen im Marinebereich. Die Übernahme von vier Werften in Norddeutschland wird voraussichtlich mehr als 1,5 Milliarden Euro kosten. „Ich glaube, dass es erhebliches Potenzial gibt für die Werften in Deutschland – auch für den Standort hier in Hamburg“, sagte jüngst Chef Armin Papperger.

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Auch Zulieferer profitieren vom Aufschwung. Vincorion aus Wedel, Hersteller von Generatoren und Mechatronik für Flugabwehrsysteme, erzielte zuletzt rund 240 Millionen Euro Umsatz, wächst seit 2023 durchschnittlich um 22 Prozent pro Jahr und hat einen Auftragsbestand von etwa 1,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen plant nun den Gang an die Börse.

Zukünftig könnten noch mehr Hamburger Unternehmen in die Militärsparte expandieren. Die Branche genießt mittlerweile größere gesellschaftliche Akzeptanz, und durch steigende Rüstungsetats in Europa fließt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten viel Geld – besonders attraktiv, wenn zivile Aufträge zurückgehen. „Wir bemerken ein wachsendes Interesse der Wirtschaft, was sogenannte Dual-Use-Güter angeht. Gerade in Hamburg haben wir dafür ein enormes Potenzial“, sagt Handelskammer-Sprecher Feder.

Hamburg als Drehkreuz: Welche Verantwortung hat die Stadt?

Der Ausbau der Rüstungsindustrie bleibt aber auch umstritten. Friedensinitiativen kritisieren seit Jahren Waffenexporte über den Hamburger Hafen und warnen vor einer zunehmenden Militarisierung der Wirtschaft. Die MOPO fragte Wirtschaftssenatorin Leonhard nach der Verantwortung der Stadt für die Produktion und den weltweiten Versand. Die Behörde antwortete, dass die Ausfuhrkontrolle Aufgabe des Bundes sei.

„Gerade der Bereich um Rüstungsproduktion und -export muss eng staatlich kontrolliert werden“, kritisiert David Stoop (Linke). „Diesen Sorgfaltspflichten wird sowohl auf Hamburg-Ebene als auch vom Bund nicht ausreichend nachgekommen.“

So sind die Drohnenboote bei Blohm + Voss mehr als nur ein neues Produkt. Sie zeigen, dass die Rüstungsindustrie in Hamburg in eine neue Phase eintritt.