Drogendeal geht schief: Wie Hamburger Hafenarbeiter in die Fänge der Mafia gerieten

Hafen Hamburg
Der Hamburger Hafen ist ein großer Drogenumschlagplatz. (Symbolfoto)

Die beiden angeklagten Hamburger Hafenmitarbeiter waren leichte Opfer für die Drogenbosse: privat in Schwierigkeiten, von der Frau verlassen, finanziell überfordert, psychisch labil. So stimmten sie den unbekannten Auftraggebern zu, sagten ja zum angeblich schnellen Geld – und sitzen nun vor Gericht. Der Vorwurf: Drogenhandel. Es geht um falsche Versprechungen, einen brutalen Überfall, den florierenden Drogenhandel im Hafen und unglaubliche 750 Kilogramm Kokain in einem Container aus Südamerika, die auf mysteriöse Weise verschwanden.

Die Drogenhändler wurden Orhan S. beim Kaffee vorgestellt. Er hatte Kollegen und Bekannten von seiner schwierigen privaten Situation erzählt, da kamen die Herren, die dem angeschlagenen HHLA-Operator (also jemand, der Sicherheitsvorkehrungen überwacht) „wildeste Versprechungen“ machten, gerade recht. Der 45-Jährige brauchte Geld für den Unterhalt der Kinder. Außerdem leide er so stark unter der Trennung von seiner Familie, dass er Alkohol, Medikamente und Drogen konsumiere und Schulden aufgebaut hatte.

Da schien der Auftrag, einen aus Südamerika kommenden Container auf dem Betriebsgelände des Containerterminals in Altenwerder nur einmal „umzustellen“, absolut unproblematisch. 15.000 Euro sollte er für den Einsatz bekommen.

Kokain-Schmuggel in Hamburg: Viel Geld für wenig Aufwand

Ein ähnliches Angebot hatte auch Hafen-Kollege Orhan B. (38) von der vermutlich gleichen Gruppe erhalten. Er sollte in den frühen Morgenstunden des 13. Januar 2021 eine fremde Person mit auf das Hafengelände nehmen und den von S. umgestellten Container öffnen, ebenfalls für 15.000 Euro.

750 Kilo Kokain sollten in dem Container sein, 471 Kilo davon waren für die Hamburger Bande bestimmt. Doch als B., mit dem Unbekannten neben sich, den Container aufmachte, war dieser bereits leer. Die Ermittlerinnen und Ermittler gehen davon aus, dass die Drogen schon vorher entnommen wurden, von ihnen fehlt jede Spur. S. und B. erhielten jeweils einen Abschlag von 5000 Euro.

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Besonders übel: Um sicherzustellen, dass in der Tatnacht auch wirklich der von der Dealer-Bande bestochene Operator für die Container zuständig war, soll der zweite Schichthabende auf dem Weg zur Arbeit abgefangen und zusammengeschlagen worden sein. Mit einer fingierten Polizeikontrolle brachten die Kriminellen den ahnungslosen Hafen-Kollegen zum Halten, schlugen auf ihn ein und klauten seine Autoschlüssel, um zu verhindern, dass er den Vorgang im Hafen unterbrechen könnte.

Große Kampagne und „Allianz sicherer Hafen“ soll Mitarbeitende schützen

Auch Politik und Polizei beobachten den florierenden Drogenhandel im Hamburger Hafen mit großer Sorge. Deshalb richteten sich die Behörden mit einer großen Präventionskampagne an die Beschäftigten im Hafen. Ende Mai 2024 warnte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Hafen-Mitarbeiter eindringlich davor, sich mit Drogenschmugglern und der organisierten Kriminalität einzulassen. „Haltet Euch fern von dieser Art von Kriminalität, gebt Hinweise, wenn Ihr etwas mitbekommt, es schützt Euch selbst, es schützt unseren Hafen und es schützt unsere Stadtgesellschaft“, sagte Tschentscher damals.

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Um den Gefahren durch die international organisierte Drogenkriminalität auf allen Ebenen zu begegnen, haben sich Sicherheitsbehörden und die Hafenwirtschaft bereits im vergangenen Oktober zu einer „Allianz sicherer Hafen“ zusammengeschlossen. Gleichzeitig verfolgen Polizei, Zoll und Bundeskriminalamt in dem EU-geförderten Projekt „Infiltration der Nordseehäfen durch Strukturen der Organisierten Kriminalität“ (INOK) auch präventive Ansätze. Dazu zählen neben der 2024 vorgestellten Awareness-Kampagne auch ein Hinweisgeberportal, über das anonym Hinweise gegeben werden können.

Beide Angeklagten bereuen ihre Taten

All diese Hilfsangebote haben die beiden Angeklagten offenbar nicht genutzt. In ihren jeweiligen Einlassungen zu den Vorwürfen erklärten beide Männer ihre Reue und dass die Geschäftsbeziehung zu den Drogen-Dealern, die gesondert verfolgt werden, ein großer Fehler war. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.