Dreimal den Senat geschlagen: Diese Hamburgerin ist Tschentschers größter Quälgeist

Heike Sudman
Sie gilt als eine der erfahrensten Abgeordneten im Hamburger Rathaus: Linken-Spitzenfrau Heike Sudmann.

Wenn Heike Sudmann ans Mikro tritt, wird es meist hitzig im Plenarsaal des Hamburger Rathauses. Sie stichelt, sie bohrt nach und nimmt ihre Kontrahenten mit Genuss in die Zange. Im politischen Hamburg gilt die 64-jährige Fraktionschefin der Linken als fachlich versierte Nervensäge. Eigentlich wollte sie längst abtreten, doch für ihre Fraktion war die Frau mit der markanten Brille und dem meist gut gelaunten Auftritt unentbehrlich. Zum Leidwesen von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Denn das „Nein“ der Hamburger zu den Olympiaplänen des Senats geht maßgeblich auf Sudmanns Widerstand zurück. Und es ist nicht die erste Niederlage, die sie der Rathausspitze beibringt. Die MOPO erklärt den hartnäckigsten Quälgeist der Hamburger Politik.

„Ich sage heute nichts“, antwortete Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Olympia-Abend in der Handelskammer auf eine Frage aus dem Publikum. Dann ergänzte er mit ein wenig Zynismus in der Stimme: „Aber Frau Sudmann hat sicher viel zu erzählen.“

Linke feierte „Nein“ der Hamburger bei Olympia

Und das hatte sie auch. Bei den Linken knallten am Sonntag die Sektkorken im Akkord, denn schon früh zeigte sich: Der Vorsprung der „Nein“-Stimmen war nicht mehr einzuholen. „Ihr lieben, schlecht gelaunten Leute, wir haben die beste Laune heute Abend – wir haben nämlich gewonnen!“, sagte Sudmann euphorisch mit einem Sektglas in der Hand. Während des Wahlkampfes waren die Olympia-Gegner häufig als „Miesepeter“ bezeichnet worden.

Heike Sudmann von den Linken hatte gestern gut lachen
Heike Sudmann von den Linken hatte nach dem Olympia-Referendum gut lachen.

„Das ist eine sehr große Klatsche für den Senat“, fuhr Sudmann fort. „Wir freuen uns, dass die Hamburger:innen sich nicht haben blenden lassen von all diesen tollen Werbesprüchen, sondern gesehen haben: Olympia bringt die Stadt nicht voran.“

Heike Sudmann kämpfte bereits 2015 gegen Olympia

Es ist, als hätte man ein Déjà-vu: Bereits vor mehr als zehn Jahren, bei der ersten erfolglosen Olympia-Kampagne des Senats unter dem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), war Heike Sudmann omnipräsent. „Zu Recht haben die Hamburger:innen also Olaf Scholz in dieser Frage nicht das geforderte Vertrauen geschenkt“, sagte sie nach dem damaligen Olympia-Aus.

Eigentlich, so erzählte es Sudmann der MOPO, wollte sie bei der Bürgerschaftswahl 2025 gar nicht mehr antreten. „Aber ich rege mich immer noch über die gleichen Themen auf“, sagte sie – und entschied sich deshalb doch wieder für eine Kandidatur. Für ihre Mitstreiter war das ein Segen. Denn Sudmann ist hartnäckig – und sie legt den Finger in die Wunden. Bekannt ist sie auch für ihre zynischen und teils auch schroffen Kommentare in den Sitzungen. „Ich rede mich so leicht in Rage“, sagte sie einmal lachend.

Schon in den 90er Jahren saß Sudmann in der Bürgerschaft, von 1993 bis 1997 für die Grüne Alternative Liste. Als sich die Grünen dann für den Einsatz der Bundeswehr im Kosovo aussprachen, trat sie zusammen mit fünf weiteren Abgeordneten aus und gründete die Abspaltung „Regenbogen“. Die Partei scheiterte bei den Wahlen 2001 allerdings an der Fünf-Prozent-Hürde. Seit 2011 sitzt sie für die Linken wieder in der Bürgerschaft, ist Co-Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Verkehr, Wohnen und Stadtentwicklung.

Linke unterstützte als einzige Partei den Klimaentscheid

Nicht nur bei Olympia konnten die Linken triumphieren – auch beim Volksentscheid zur Klimaneutralität bis 2040. Als einzige Partei in der Bürgerschaft unterstützten sie im Vorfeld die Initiative, die schließlich im Oktober 2025 mit 53,2 Prozent Zustimmung einen Sieg erringen konnte. Eine weitere Klatsche für den rot-grünen Senat.

Und dann ist da ja auch noch der Elbtower, auf dessen umstrittener Baustelle in der HafenCity bereits seit zweieinhalb Jahren die Kräne ruhen. Der Bauherr, René Benkos Signa, ging insolvent, die Zukunft des 100 Meter hohen Baustumpfes war lange ungewiss, inzwischen will ein Konsortium um den Investor Dieter Becken den Turm zu Ende bauen. CDU und Linke wollten allerdings auch die Rolle des Senats bei diesem Desaster klären, Sudmann ganz vorn dabei. „Wenn es um den Elbtower geht, muss ich aufpassen, dass ich zum Senat nicht immer wieder sage: Ich hab’s euch doch gesagt“, sagte sie mal zur MOPO. Sie sei aber natürlich nicht froh darüber gewesen, Recht behalten zu haben.

Sudmann wird von der Konkurrenz als hartnäckig beschrieben

Als hartnäckig wird sie auch von der politischen Konkurrenz beschrieben. Immerhin kämpft sie seit 15 Jahren für ein Comeback der Hamburger Straßenbahn. Bei SPD und Grünen verursacht das Thema inzwischen nur noch Augenrollen. „2011 galt noch die Ansage, überhaupt keine Straßenbahn zu bauen, inzwischen sagen viele, dass es eine Ergänzung sein könnte. Steter Tropfen höhlt den Stein“, das sei ihr Motto.

Trotz all dieser Erfolge bleibt für Sudmann und ihre Partei jedoch ein Widerspruch: Die Linke setzt Themen, gewinnt Volksentscheide mit, erreicht auch Menschen weit über das eigene Lager hinaus – und verharrt bei Wahlen doch in einer vergleichsweise kleinen Rolle: Bei der Bürgerschaftswahl 2025 kam sie auf 11,2 Prozent. Das ist zwar mehr, als ihr im Vorfeld zugetraut wurde, andererseits zeigt es aber auch die Grenze ihres Einflusses. Als Korrektiv ist die Linke stark, als Regierungspartei bleibt sie für viele keine Alternative.