Hamburg
Drei Läden innerhalb weniger Wochen dicht: Leerstandswelle rollt durch Ottensen
In einer der belebtesten Straßen von Ottensen haben in kurzer Zeit drei Betriebe dicht gemacht. Was ist der Grund?
Angestellte aus den umliegenden Büros gehen hier Mittag essen, Passanten holen sich ihren Kaffee, Anwohner verweilen in den Cafés: Die Bahrenfelder Straße ist eine der meistfrequentierten im Stadtteil Ottensen. Doch Pizza- und Kaffeeliebhaber schauen am nördlichen Ende der Straße aktuell in die Röhre: Gleich drei Betriebe haben dichtgemacht. Was ist da los?
Besonders die Nachricht über die Insolvenz von „Torrefaktum“ sorgte bei vielen Ottensern für Kummer: Seit 17 Jahren ein Geheimtipp unter Kaffee-Liebhabern und zwischenzeitlich als beste Deutschlands ausgezeichnet, musste die Rösterei nun ihre drei Standorte in Ottensen, Bahrenfeld und der Altstadt schließen.
Dabei hatte es bis vor zwei Wochen noch Hoffnung auf eine Übernahme und damit ein Happy End gegeben, wie Inhaber Gerhard von Ploto der MOPO sagte. Doch auf der Zielgeraden konnten sich die Vermieter und der potenzielle neue Geschäftsführer nicht einig werden. So brachen Coronahilfe-Rückzahlungen und gestiegene Kaffeepreise der Rösterei schließlich das Genick. Mehr als 20 Mitarbeiter verloren ihre Jobs.
„Copenhagen Coffee Lab“ und „Da Michele“ machen dicht – zu hohe Mieten?
Und dabei bleibt es nicht: Mit dem „Copenhagen Coffee Lab“ musste ein weiterer Kaffee-Laden in der Bahrenfelder Straße kürzlich dichtmachen. „Liebe Gäste, wir haben unser Café leider schließen müssen. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit und das entgegengebrachte Vertrauen. Wir hoffen, euch in einer anderen Filiale wieder begrüßen zu können. Euer Copenhagen Coffee Lab Team“, steht auf einem Schild an der geschlossenen Glastür.
Schließen muss auch das Café in der Poolstraße (Neustadt). Die Inhaber sagten dem „Abendblatt“: „Die beiden Filialen haben mit Verlust gearbeitet.“ Statt die Preise weiter zu erhöhen, habe man entschieden, die Geschäfte zu schließen, die am schlechtesten abschnitten, und sich auf die gut laufenden Standorte zu konzentrieren. Dem Bericht zufolge habe es auch immer wieder Einbrüche in die Geschäfte gegeben.
Das „Copenhagen Coffee Lab“ befand sich im selben Gebäude wie die Pizzeria „Da Michele“, die ebenfalls kürzlich schließen musste. Die Insolvenzverwalterin erklärt auf MOPO-Anfrage, dass die Insolvenz viele Gründe gehabt habe und verweist auf gesamtwirtschaftliche Ursachen. Auch hier habe es die Aussicht auf eine Übernahme des Betriebs durch einen anderen Interessenten gegeben, die Vermieter hätten sich schlussendlich aber dagegen entschieden. Die Insolvenzverwalterin spricht davon, dass hier bald Systemgastronomie einziehen soll. Immerhin gebe es hier Weiterbeschäftigungsoptionen für die jetzt arbeitslosen Mitarbeiter von „Da Michele“.
Aufgrund der fast zeitgleichen Schließungen vom „Copenhagen Coffee Lab“ und dem „Da Michele“ liegt die Vermutung nahe, dass die Quantum Immobilien AG, die das Gebäude an der Bahrenfelder Straße 177-181 im vergangenen Jahr übernommen hat, die Mieten erhöht hat. Darüber wird auch in einer Ottenser Facebook-Gruppe spekuliert: „Die alten Vermieter gibt’s nicht mehr. Die neuen reiben sich die Hände“, schreibt jemand.
Leerstandswelle in Ottensen: Ist das erst der Anfang?
Die Insolvenzverwalterin schreibt zu diesem Thema: „Die hiesige Insolvenz hat viele Ursachen. Allein den Vermieter kann man dabei jedoch nicht als insolvenzursächlich ausmachen. Ich habe den Vermieter als kooperativ und konstruktiv lösungsorientiert wahrgenommen. Für sich genommen passte die Miethöhe nicht zu den von der Schuldnerin zuletzt erzielten Umsätzen.“
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Die Quantum Immobilien AG streitet Mieterhöhungen im Gespräch mit der MOPO ebenfalls ab: „Wir haben die Mieten nicht erhöht“, so eine Sprecherin. „Die Schließungen sind Folge der angespannten Gesamtwirtschaft. Auch wir sind an einer Aufwertung interessiert und in Gesprächen für eine Übernahme der beiden leerstehenden Geschäfte.“ Ob es sich dabei, wie die Insolvenzverwalterin erklärt hatte, um Systemgastronomie handelt, lässt die Sprecherin offen. In den Kommentaren unter dem Facebook-Post befürchten sie schon: „,Ottensen macht Platz' und die Verlegung des Bahnhofs werden den Stadtteil noch weiter runterwirtschaften.“
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