Hamburg
„Disney-Bomben“ gefährden Rissener Elbhang – aber nicht wegen Explosionsgefahr
Der Bau eines Stelzenweges in Rissen scheitert an „Disney-Bomben“ im Boden. Sprengmeister Michael Hein erklärt, wo die gigantischen Sprengsätze mit dem putzigen Namen eigentlich landen sollten.
„Disney-Bomben“ haben die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg ihre bunkerbrechenden Bomben genannt, nach einem Propagandafilm des Trickfilm-Pioniers. Der niedliche Name täuscht: Das waren gigantische Sprengsätze mit Raketenschub – und mindestens sechs davon bohrten sich tief in den Elbhang bei Rissen. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, hat aber nichts mit Explosionen zu tun, sagt Michael Hein, Vize-Chef des Kampfmittelräumdienstes der Hamburger Feuerwehr.
Was die Fachleute vom Kampfmittelräumdienst normalerweise im Hamburger Boden finden, das sind Blindgänger von maximal 1000 Pfund (0,45 Tonnen). „Die sind einfach vom Himmel gefallen“, sagt Sprengmeister Michael Hein, „die so genannten ‚Disney-Bomben‘ aber haben ein Gewicht von 4500 Pfund (ca. 2 Tonnen) und hatten einen Raketenantrieb.“ Kurz vor dem Aufprall bekamen diese Sprengsätze Extra-Schub von einer Rakete. Erfunden haben diese Raketen-Bomben britische Ingenieure, eingesetzt wurden die Bunkerbrecher von der US Airforce.
Ihren Namen sollen die Riesenbomben von dem Disney-Film „Victory Through Air Power“ von 1943 haben, in dem fiktive, von Raketen angetriebene Bomben gezeigt wurden.
„Disney-Bomben“ waren für Finkenwerder bestimmt
„Die Disney-Bomben sollten eigentlich die U-Boot-Bunker in Finkenwerder treffen“, sagt Hein: „Aber mindestens sechs landeten als Fehlabwürfe auf der anderen Elbseite, bei Blankenese und im Elbhang bei Rissen.“ Andere Stadtteile waren nicht betroffen. Mit einer Aufprallgeschwindigkeit von 1600 Kilometern pro Stunde trieben die Raketen die Bomben damals ins Erdreich – gigantische Geschosse, mehr als fünf Meter lang, 230 Kilo Sprengstoff an Bord.
„Mit der enormen Beschleunigung sollten die Bomben die Bunkerdecken durchschlagen und im Inneren detonieren“, erklärt Hein. Wie tief die „Disney-Bomben“ im Elbhang liegen, ist unbekannt. Es könnten bis zu 20, 30 Meter sein. Frühere Bergungsversuche wurden bei einer Grabungstiefe von 12 Metern abgebrochen, erinnert sich Hein: „Man stößt da einfach auf massive geologische Probleme.“ Heißt: Jeder Versuch, in die Tiefe zu den bislang sechs lokalisierten Bomben vorzudringen, könnte dazu führen, dass der Elbhang wieder abrutscht.
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Das Vorhaben, Stelzen tief in den Elbhang zu rammen, solange die Sprengsätze da unten liegen, wurde nun aufgegeben: Statt schick in 15 Metern Höhe soll der Otto-Schokoll-Wanderweg nun in seiner herkömmlichen Version wiederhergestellt werden. Seit einem Erdrutsch 2016 ist der Panoramawanderweg gesperrt.
In anderen Stadtteilen wurden bislang keine „Disney-Bomben“ lokalisiert. Wurden die U-Boot-Bunker denn damals getroffen? „Eine Bombe ist damals detoniert, das weiß man“, sagt Hein: „Aber die hat die Bunkerdecke nicht durchbrochen.“
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