Dieses Riesen-Tor soll Hamburgs City retten

Das massive Flutschutztor an der Haltestelle Rathaus kann bei steigenden Wassermengen innerhalb von einer Minute geschlossen werden.
Eins der Flutschutztore rund um die Haltestellen Jungfernstieg und Rathaus

Längere Hitzeperioden, heftigere Regenfälle, steigende Sturmflutgefahr – all das war in dieser Woche Thema beim Extremwetterkongress an der HafenCity Universität. Tatsächlich wird die Klimakrise auch für Hamburgs U-Bahnen zum Risiko. Wie gut ist die Hochbahn darauf vorbereitet? Die MOPO hat mit Betriebsleiter Sven Möller gesprochen und erfahren, welche Linie besonders verwundbar ist.

Neun Tonnen Stahl sollen Hamburg vor einer möglichen Katastrophe retten. Zwischen den U4-Haltestellen „Überseequartier“ und „HafenCity Universität“ befinden sich zwei gigantische Flutschutztore, die die Tunnelröhre im Notfall innerhalb von einer Minute verschließen. Denn die Linie U4, die den Osten der Stadt mit der HafenCity verbindet, verläuft auf diesem Streckenabschnitt unter der Elbe.

Hochwasser in Hamburg: Flutschutztore in den U-Bahn-Schächten

„Im Fall eines Lochs im Bauwerk und gleichzeitigem Elb-Hochwasser würde uns das Wasser von dort aus bis in die Innenstadt laufen und große Teile unseres Netzes lahmlegen“, erklärt Sven Möller, der seit sieben Jahren Bereichsleiter des U-Bahn-Betriebs bei der Hochbahn ist. Genau dieses Szenario sollen die Schutztore verhindern, die von der Leitstelle aus der Ferne gesteuert werden können.

Weitere neun von diesen Stahltoren gibt es bereits seit den 70er Jahren rund um die Haltestellen Jungfernstieg und Rathaus. „Denn in Hamburg kann ja nicht nur die Elbe, sondern auch die Alster überlaufen“, fährt Möller fort. Auf Höhe des Alsteranlegers gebe es zudem noch sogenannte Dammbalkensperren. Sollte Wasser aus der Alster eindringen, können diese Sperren rund um den Eingangsbereich die Zugänge zur Haltestelle verschließen und so ebenfalls die Innenstadt vor einer Flutkatastrophe bewahren.

Eine Frau geht die Treppen zur U-Bahn-Station Rathaus hinunter.
Eine Frau geht die Treppen zur U-Bahn-Station Rathaus hinunter.

Diese Dammbalken sind auch auf anderen Linien im U-Bahn-Netz verbaut, die laut Möller aber „sicher hinter der Hauptdeichlinie“ liegen. Auch die neue U-Bahn-Linie U5, die einmal Bramfeld im Osten mit Osdorf und Lurup im Westen verbinden soll, unterläuft in ihrem ersten östlichen Abschnitt lediglich mehrere kleinere Kanäle.

Hamburg sieht sich für Extremwetterlagen gut gewappnet

Auf die immer häufigeren Starkregen-Ereignisse sieht sich Hamburg allgemein gut vorbereitet, zuständig dafür ist die Innenbehörde unter Senator Andy Grote (SPD). Dessen Staatsrat ist auch Leiter der Katastrophenabwehr und hat bei möglichen Evakuierungsanordnungen die Entscheidungshoheit. Zurzeit sind etwa 45 Prozent der Stadtfläche bei Sturmfluten bedroht, dazu gehören vor allem die elbnahen Gebiete wie Wilhelmsburg oder die Veddel sowie Finkenwerder und Harburg.

Wenn eine Sturmflut droht, werden die Hamburgerinnen und Hamburger durch Böllerschüsse, Sirenen und Lautsprecher gewarnt. Ab einem gewissen Wasserpegel tagt zudem der Zentrale Krisenstab, in dem neben Polizei, Deichwacht, Feuerwehr und Innenbehörde auch ein Vertreter der Hochbahn sitzt. „Da wird dann entschieden, ob unser Betrieb gegebenenfalls eingestellt werden muss“, sagt Sven Möller. Eine festgelegte Obergrenze im Hochwasserstand, ab der keine U-Bahnen mehr fahren können, gebe es hingegen nicht.

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Genutzt werden mussten die massiven Flutschutztore in den Tiefen der U-Bahn-Tunnel übrigens noch nie, bislang hielt die Hamburger U-Bahn jedem Hochwasser stand. Sogar bei der schwersten Flut in Hamburgs Geschichte im Jahr 1962 waren die Züge von allen öffentlichen Verkehrsmitteln am wenigsten betroffen. Nur an einigen Haltestellen wie beim Rathaus kam es damals zu kleineren Überschwemmungen und Stromausfällen.