Dieser Trendsport soll Hamburg erobern – die MOPO hat’s getestet
Ein neuer Trendsport will Hamburg erobern: Pickleball vereint Elemente aus Tennis, Tischtennis und Badminton. Der Sport ist in den USA sehr beliebt, in Hamburg kann ihn nun vom 6. bis zum 9. Juni in der „Active City Arena“ auf dem Heiligengeistfeld jeder ausprobieren. Ich, die MOPO-Reporterin, habe den Test gewagt. Ist der Ballsport tatsächlich so einfach, wie mir Pickleball-Trainer Paul Maurer (50) verspricht? Am Ende weiß ich, was Schmerzen in den Oberschenkeln sind – und was es mit dem Wort Dinken auf sich hat.
Mit einem breiten Lächeln empfängt mich Pickleball-Trainer Paul Maurer am Eingang der Tennis- und Paddle-Plätze des SC Condor in Farmsen-Berne. Hier gibt es die einzigen Outdoor-Pickleball-Plätze in ganz Hamburg, erzählt er mir. Insgesamt kann man an acht Standorten in der Stadt die Holzkelle schwingen. In Amerika feiern bereits mehrere Millionen Menschen den Sport, seitdem er 1965 in Washington erfunden wurde – und es werden immer mehr. Der ungewöhnliche Name ist eine Referenz zu den spontan zusammengestellten Mannschaften, die in sogenannten „Pickle Boats“ bei Ruderwettbewerben an den Start gingen.
Auf dem Platz angekommen, drückt mir der Trainer direkt mein Sportgerät in die Hand. Es ähnelt einem Tischtennisschläger, er ist nur größer und eckig. Der Ball hat Löcher und besteht aus leichtem Plastik. Vier Pickleball-Plätze passen auf diese Fläche, die mal ein Tennisplatz gewesen zu sein scheint. Paul Maurer ist mit seiner ganzen Familie hier, seine Frau und drei Kinder spielen auf dem Feld neben uns. „Das liebe ich an dem Sport“, erklärt er, „Er ist für Groß und Klein zugänglich“. Tatsächlich tummeln sich auf den Plätzen ältere Menschen und Kinder. Pickleball-Trainer ist der Vater ehrenamtlich, eigentlich arbeitet er als Sales Manager. Im Oktober 2024 gründete er den Hamburger Pickleball Verband e.V., nachdem er den Sport zufällig ausprobiert hatte. Zum Beispiel mithilfe von „Active City“ probiere er nun, Pickleball weiter in Hamburg zu etablieren.
Mehrmals schießt der Ball weit über mein Ziel hinaus
Wir starten unser Training damit, dass er mir den Aufschlag zeigt. Beim Badminton im Sportunterricht habe ich ähnlich aufgeschlagen: Ball auf Hüfthöhe, in die Knie gehen, von unten mit dem Schläger den Ball kräftig über das Feld schlagen. Ich schlage ein bisschen zu stark: Der Platz ist vergleichsweise klein und mehrmals schießt der Ball weit über mein Ziel hinaus.
Das restliche Spiel findet eher in der Mitte des Feldes statt. Wir spielen im Doppel, also zwei gegen zwei. „Wir dinken jetzt ein bisschen“, ruft der Trainer zu mir hinüber. Ich bleibe verwirrt stehen. Was soll das denn bitte bedeuten? „Dinken“, heißt schneller Schlagabtausch des Balles in der Mitte des Feldes. Dabei muss man ihn immer einmal aufkommen lassen, der vorderste Bereich des Feldes darf nicht betreten werden. Im hinteren Bereich darf man den Ball auch direkt zurückschlagen – das nenne man dann „Volley“.
Nachdem wir – meiner Meinung nach ziemlich kurz – geübt haben, will Paul Maurer nun Punkte zählen. Mit uns spielen zwei seiner Kollegen, die (wie er) schon geübte Spieler sind. „Ich entschuldige mich schonmal im Voraus!“, ruft mir mein Gegenspieler zu. Na toll – er erwartet wohl eine komplette Blamage meinerseits. Es folgen ein paar vergeigte Aufschläge und verpasste Bälle. Dann schaffe ich es mit voller Konzentration aber doch, tatsächlich zwei mickrige Punkte zu machen. Oft fliegt der Ball allerdings auch links und rechts an mir vorbei, während ich noch dabei bin, Arme und Beine zu koordinieren.
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Das Match geht wie beim Tischtennis bis zu elf Punkten mit zwei Punkten Abstand. Wir verlieren haushoch, erzielen nur vier Punkte. Paul Maurer versichert mir trotzdem, dass ich es gut gemacht hätte. „Da ist auf jeden Fall Potenzial“, sagt er und gibt mir einen Handschlag. Vielleicht möchte er nur freundlich sein, ich fühle mich trotzdem bestätigt. Schwierig ist der Sport aber wirklich nicht – die schnellen Erfolge motivieren zum Weiterspielen, auch wenn die Oberschenkel am nächsten Tag schmerzen. Ich bin mir sicher: Nur ein paar Trainingsstunden mehr und ich könnte locker mithalten.