Hamburg
Diese Narrenkappe führt bis zurück ins Kaiserreich
Zwischen Bananenkisten lag die bunte Kopfbedeckung vom „Klimperkasten“– hanseatische Geschichte pur ...
Was für ein Fund: Eine echte Narrenkappe, grellbunt mit Glöckchen und Funkelsteinchen, lag bei einem Bananenkisten-Händler auf dem Flohmarkt in Elmshorn. Für fünf Euro wechselte sie den Besitzer. Sie fragen sich, was ich damit will? Keine Ahnung, es gibt aber skurrile Dinge auf dem Flohmarkt, die kaufe ich um ihrer selbst willen.
Doch dann erwachte mein Reporter-Instinkt und ich versuchte herauszufinden, was es mit der Hamburger Karnevalsgesellschaft auf sich hatte: Klimperkasten von 1872. Der Name stand fein gestickt auf der so liebevoll gestalteten Kappe.
Festivitäten des Vereins Klimperkasten gefielen nicht allen
Im Internet fand ich einen einzigen Artikel zu dem lustigen Verein, und der stammt vom geschätzten „Abendblatt“-Kollegen Jens Meyer-Odewald. Demnach hatten sich im Kaiserreich am 3. März 1872 ein Dutzend Hamburger zusammengefunden, um eine Vereinigung zu gründen, deren Mitglieder „im kultivierten Rahmen“ Lebenslust pflegen wollten. Zunächst nannten sich die Karnevalisten Klapperkasten, daraus wurde später Klimperkasten. Binnen weniger Wochen zählte der Verein schon 150 Mitglieder.
Es wurden wilde Karnevalsbälle gefeiert an bekannten Orten wie dem Stadttheater am Dammtor oder dem Sagebielschen Etablissement an der Drehbahn. Doch die ausufernden Festivitäten gefielen der hohen Hamburger Geistlichkeit gar nicht.
Vor ein paar Jahren löste sich der Karnevalsverein auf
Der Hauptpastor von St. Petri forderte in einem Brief an Senator Carl Friedrich Petersen, er möge den von der Gesellschaft Klimperkasten beantragten Karnevalsumzug an einem Samstag durch die Innenstadt verhindern. Der Pastor befürchtete offenbar, dass sich die Teilnehmer so volllaufen ließen, dass sie Sonntag nicht mehr zum Kirchgang fähig wären.
Das könnte Sie auch interessieren:
2020 gab es noch ganze 13 Mitglieder, die kuriose Namen wie Zeremonienkäfer, Inventarmotte oder Schirmgeist hatten. Der erste Vizepräsident wurde Erster Großonkel genannt.
Doch die Herren waren alle schon im stark vorgerückten Alter und vor ein paar Jahren löste sich Hamburgs ältester Karnevalsverein auf. Und so landete dann die Kappe eines vermutlich verstorbenen Mitglieds auf dem Flohmarkt.
Sie sind bereits M+ Abonnement?