Welche Hamburger Kultmarken mittlerweile internationalen Unternehmen gehören
Hamburg gilt seit jeher als Tor zur Welt – das zeigt auch ein Blick auf die Geschichte bekannter Hamburger Firmen. Marken wie „Jil Sander“, „Langnese“ und „Montblanc“ haben ihren Ursprung in der Hansestadt, sind aber im Laufe der Zeit in den Besitz globaler Unternehmen gewechselt. Nun gibt es aber eine Ausnahme.
Das „Alsterhaus“ gehört zu Hamburgs Aushängeschildern – und das schon seit über 100 Jahren. 1912 eröffnete die Familie Tietz das „Warenhaus Hermann Tietz“ am Jungfernstieg. Das Sortiment reicht von französischen Hüten und maßgefertigten Kleidern über Sonnenschirme aus Seide und Orientteppiche bis hin zu Büchern. Während der NS-Zeit wird die jüdische Eigentümerfamilie enteignet und zur Flucht gezwungen. 1933 kam es zum Zwangsverkauf, 1936 zur Umbenennung in „Alsterhaus“.
Es folgten mehrere Eigentümerwechsel: 1994 übernahm „Karstadt“ den „Hertie“-Konzern. Zwölf Jahre später wurde das „Alsterhaus“ mit anderen „Karstadt“-Häusern in der „Karstadt Premium GmbH“ zusammengefasst. 2014 erfolgte die Übernahme der Mehrheitsverhältnisse der „Karstadt Premium GmbH“ durch die „Signa Holding GmbH“ rund um René Benko. Mehrere Häuser – darunter das „Alsterhaus“ – werden in „The KaDeWe Group“ umbenannt. 2015 übernimmt die „Central Group“ gemeinsam mit „La Rinascente“ die Mehrheit mit 50,1 Prozent. Seit 2024 betreibt die Central Group das Geschäft vollständig.
Die Kultmarke „Jil Sander“ gehört heute zur internationalen „OTB Fashion Group“
Über siebzig Boutiquen des Luxus-Mode-Labels „Jil Sander“ verteilen sich auf der ganzen Welt – darunter in Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in der Schweiz. Doch nur wenige wissen, wo die Marke ihren Ursprung hat: Sander gründete ihr Label 1968 in Hamburg, ihre erste Boutique eröffnete sie in der Milchstraße.
Rasch baute die Designerin ihr Unternehmen international aus, verkaufte 1999 an Prada und verließ das Unternehmen kurz darauf – ohne öffentliche Erklärung. 2008 übernahm die japanische „Onward Holdings“ das Luxus-Label. 2021 folgt der nächste Eigentümer: „Jil Sander“ wechselt zur internationalen „OTB Fashion Group“ mit Sitz in Italien. Die Filiale in der Milchstraße gibt es heute nicht mehr, nun wird Sanders Luxus-Mode am Neuen Wall vertrieben.
„Langnese“: Unternehmen ging schon 1936 in den Besitz von „Unilever“
Fast jedes Kind kennt das rot-weiße „Langnese“-Herz. Doch nicht immer war das Unternehmen im Eisgeschäft tätig. „Langnese“ hat seine Wurzeln in einer 1888 vom Kaufmann Viktor Emil Heinrich Langnese gegründeten Keksfabrik. 1927 erwarb der Geschäftsmann Karl Rolf Seyferth die Markenrechte. Er brachte 1935 das erste Eis am Stiel von Dänemark nach Hamburg. Ein Jahr später übernahm der niederländisch-britische Konsumgüter-Konzern „Unilever“ den Betrieb.
Dieser wurde sogleich als „Langnese-Eiskrem GmbH“ ins Handelsregister eingetragen. Das Unternehmen wächst zu einem der größten Eishersteller Europas, und verlagert 1985 seine Produktion von Wandsbek nach Heppenheim. Zuletzt verkündete „Unilever“, bis Ende 2025 sein gesamtes Eisgeschäft in eine eigenständige Firma auszulagern – darunter auch „Langnese“.
Die „Montblanc Deutschland GmbH“ hat ihren Sitz in Hamburg
Füller, Uhren, Brieftaschen und Brillenetuis gehören heute zum Sortiment der weltweit bekannten Luxusmarke „Montblanc“. Ursprünglich jedoch konzentrierte sich das Unternehmen ganz auf Schreibgeräte. Der Hamburger Kaufmann Alfred Nehemias, der Ingenieur August Eberstein und der Schreibwarenhändler Claus Johannes Voss gründeten 1906 im Schanzenviertel die damalige „Simplo Fillerpen Company“.
Vier Jahre später brachten sie ihren ersten Füller auf den Markt. Später wechselte „Montblanc“ in den Besitz von „Vendôme“. Als die Schweizer „Richemont Group“ 1998 die Anteile der Minderheitsaktionäre von „Vendôme“ aufkaufte, ging auch „Montblanc“ in den Besitz der „Richemont Group“ über. Der Sitz der „Montblanc Deutschland GmbH“ liegt jedoch noch in Hamburg: im Hellgrundweg in der Nähe des Volksparkstadions.
Eine Kultmarke ist nun wieder ein Hamburger Unternehmen
Ein aktuelles Beispiel zeigt jedoch, dass der Weg vieler Unternehmen nicht nur aus Hamburg raus, sondern manchmal auch wieder nach Hamburg zurückführt. Anne und Stefan Lemcke gründeten 2013 das Gewürzunternehmen Ankerkraut in Hamburg. Die Gründer brachten Gewürzmischungen wie „Rührei Kräuter“, „Steak Finisher“ oder „Sour Cream & Onion“ auf den Markt. Bekanntheit erlangte das Unternehmen besonders durch die Teilnahme der Gründer an der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. 2022 übernahm der weltgrößte Lebensmittelkonzern „Nestlé“ rund 85 Prozent der Anteile an „Ankerkraut“ – in sozialen Medien löste das heftige Kritik aus.
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Vor wenigen Tagen kam dann die Nachricht: Ankerkraut geht wieder an die Gründer des Gewürzunternehmens – sie kauften ihre Anteile zurück. Nun wechselt das Unternehmen wieder komplett in Hamburger Hände.
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