Hamburg
Diebsteich-Desaster? Warum der neue Fernbahnhof bislang kaum vorankommt
Die Baustelle für den neuen Fernbahnhof wirkt verwaist, die Eröffnung wurde mehrfach verschoben. Hat die Bahn das Projekt schon aufgegeben?
Mehrfach schon hat die Deutsche Bahn die Eröffnung des neuen Fernbahnhofs Diebsteich verschoben, zuletzt auf Ende 2029. Es ist ein millionenschweres Infrastrukturprojekt, doch für eine Großbaustelle ist dort schon seit vielen Monaten erstaunlich wenig los. Hat die Deutsche Bahn das Projekt schon heimlich aufgegeben? Nein, versichert der zuständige Projektleiter. Im Sommer soll das Vorhaben jetzt einen entscheidenen Schritt nach vorne machen.
Zwei verwaiste Bagger, Pfützen, Unkraut: Wer mit den S-Bahn-Linien S3 und S5 unterwegs ist, kann die Baustelle am Diebsteich live mitverfolgen – und wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Fünf Jahre ist der erste Spatenstich schon her und seit vielen Monaten wirkt die Baustelle für eins von Hamburgs größten Infrastrukturprojekten verwaist. Der Eröffnungstermin wurde zuletzt von 2027 auf Ende 2029 verschoben.
Fernbahnhof Diebsteich: Warum wird vor Ort nicht gebaut?
Dass dort 2027 keine Züge halten würden, konnte schon lange vor der offiziellen Ankündigung vermutet werden. Bislang ist ja noch nicht einmal der Ansatz eines ersten Fernbahnsteiges zu erkennen. Drei sollen es mal werden. Immerhin die S-Bahnen halten schon mal an ihrem neuen Bahnsteig, der Anfang 2025 nach viermaliger Verzögerung tatsächlich eröffnet wurde.
„Ich kann verstehen, dass man den Eindruck bekommt, dort würde nichts passieren“, sagt Maurice Scholten. Er ist Gesamtprojektleiter bei der Deutschen Bahn für den Fernbahnhof Hamburg-Altona am Diebsteich. „Das stimmt aber nicht. Das Problem ist, dass wir nicht einfach mit dem Bahnsteig-Bau loslegen können, dafür ist überhaupt nicht der nötige Platz vorhanden. Es fahren direkt im Bereich der neuen Bahnsteige Züge.“
Denn nicht nur die S3 und S5 Richtung Pinneberg beziehungsweise Elbgaustraße kommen am Diebsteich vorbei, auch alle Regios und ICEs nach Schleswig-Holstein sowie Fernzüge nach Dänemark. „Die Züge müssen wir auf eine neue Gleisanlage umlenken und dafür die Gleise umschwenken“, erklärt Scholten. „Die Umleitung der Züge funktioniert allerdings nur, wenn das neue elektronische Stellwerk Altona in Betrieb genommen wird.“ Damit lassen sich größere Bereiche überwachen und steuern.
Brücke soll im Sommer 2026 nach Verzögerung abgerissen werden
Genau das soll im Sommer jetzt endlich passieren. „Wir nutzen die Sperrpause, in der die neue Sternbrücke eingehoben wird, um das Stellwerk in Betrieb nehmen zu können“, kündigt Scholten an. „Gleichzeitig kann dann auch endlich die Brücke in Langenfelde abgerissen werden.“
Besagte Eisenbahnbrücke in der Nähe des S-Bahnhofs Diebsteich verläuft genau über den Gleisen und steht bei den Bauarbeiten im Weg. Der Abriss sollte eigentlich schon längst passiert sein, erklärt der Projektleiter. „Bei einer Schadstoffprüfung wurde darin allerdings Asbest und Blei gefunden. Deshalb gelten für einen Abriss deutlich strengere rechtliche Vorgaben. Das hat unseren ursprünglichen Zeitplan durcheinander gebracht.“
Im Anschluss könne es endlich losgehen mit den Hauptbauarbeiten für den ersten Fernbahnsteig. Scholte rechnet dafür mit einem bis eineinhalb Jahren. Die beiden weiteren Fernbahnsteige werden zeitlich gestaffelt errichtet. Zum Bau der Fernbahnsteige gehören der Bau der Gleise und Oberleitungen, sowie der Tiefbau– unter anderem muss eine neue Fußgängerunterführung gebaut werden. Alle Aufträge seien noch nicht alle vergeben, erklärt Scholten.
Er zeigt sich überzeugt, dass das Zieljahr der Inbetriebnahme 2029 eingehalten werden könne. Bis zur Fertigstellung bleibt der alte Fernbahnhof Altona in Betrieb.
Geplant ist, dass der neue Durchgangsbahnhof am Diebsteich dann den alten Kopfbahnhof Altona ersetzt. Laut der Deutschen Bahn können dort künftig 380 Züge pro Tag halten, 25 Prozent mehr als vorher. „Der Bahnhof setzt im Hamburger Westen ein modernes und repräsentatives Zeichen für moderne Stadtentwicklung und klimafreundlichen Schienenverkehr“, hatte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) beim Spatenstich im Sommer 2021verkündet.
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