Die Riesenbrache von Ottensen: Warum passiert hier immer noch nix?

Brachfläche an einer Kreuzung
Auf der Brachfläche an der Barnerstraße wollte die Sparda-Bank eigentlich längst ihre neue Zentrale errichten.

„Passiert hier noch was, oder bleibt das jetzt so?“, fragt eine Passantin kopfschüttelnd mit Blick auf die riesige freie Fläche an der Barnerstraße, gegenüber der Fabrik in Ottensen. Seit Februar 2019 ist hier Totentanz an der meistbefahrenen Kreuzung des Quartiers: Damals mussten die Mieter der historischen Eckbebauung raus, geplant waren 66 Wohnungen, Ateliers, Fahrradwerkstatt, pipapo. Ein Luftschloss. Stattdessen soll dort nun die neue Sparda-Zentrale gebaut werden. Aber auch diese Ankündigung ist schon mehr als zwei Jahre her. Warum dauert das alles so lange?

Das Bezirksamt teilt mit, dass die Baugenehmigung für die neue Sparda-Zentrale im Januar 2026 erteilt wurde, mit „den üblichen Auflagen vor Baubeginn. Dazu zählt beispielsweise, dass es noch Bescheide für einen Starkstromanschluss oder die Statik braucht.“ Nach MOPO-Informationen sorgt besonders der unterirdische Tresorraum der Bank für aufwendige Neuberechnungen im Bereich der Statik. Die äußere Fassade, sandfarben und mit bodentiefen Fenstern, wird von dem ursprünglichen Siegerentwurf für das Wohngebäude übernommen, aber das Untergeschoss muss neu geplant werden – der anvisierte Baubeginn Anfang 2026 war damit hinfällig.

Stephan Liesegang, Sparda-Bank-Vorstand, zeigt, wie der Neubau an der Barnerstraße aussehen wird.
Februar 2024: Stephan Liesegang, Sparda-Bank-Vorstand, zeigt, wie der Neubau an der Barnerstraße aussehen wird.

Marco Kruschke, stellvertretender Pressesprecher der Sparda, erklärt dazu: „Es wurden bereits erste Schritte zur Ausschreibung für die Umsetzung des Projekts mit einem Generalübernehmer eingeleitet.“ Wann es tatsächlich losgeht mit den Bauarbeiten, dazu könne er aber noch nichts sagen: „Wir gehen – vorbehaltlich der Zustimmung durch die Behörde – derzeit von einer Fertigstellung Ende 2028 aus.“

Sparda will auf der Riesenbrache bauen

Die große, derzeit von Schotterresten bedeckte Brache, grenzt an einen Rewe-Parkplatz – und das soll der Grund dafür sein, dass das ambitionierte Projekt „Barner 42“ des Unternehmens Köhler & von Bargen nach jahrelangem juristischen Streit gescheitert ist: Der Eigentümer des Rewe-Grundstücks wollte keine Ausnahmegenehmigung für eine reine Wohnbebauung erteilen, fürchtete, die Mieter könnten ihm Ärger machen, wenn die lärmenden Laster Ware liefern. Nicht einmal, als die Zahl der Wohnungen von 66 auf 35 halbiert wurde, kam es zu einer Einigung.

Im Februar 2024 schien der Knoten geplatzt: Köhler & von Bargen tauschte das Filetgrundstück an der Barnerstraße mit der Sparda: Die Bank will dort ihre neue Zentrale errichten (Büros kann der Nachbar nicht verhindern), dafür bekommt Köhler&von Bargen den bisherigen Sparda-Standort am Bahnhof Altona, an der Präsident-Krahn-Straße, und kann dort nach dem Bank-Umzug 65 Wohnungen bauen. Der Ringtausch stieß bei der Politik auf breite Begeisterung, bei einigen Ottensensern allerdings kam Unmut auf, weil schon wieder ein Wohnungsprojekt im Herzen des Stadtteils zugunsten von Büros aufgegeben wurde.

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Nach der großen Ankündigung passierte erneut ein Jahr lang nichts, bis im Februar 2025 die Abrissbagger anrückten: Das charakteristische gelbe Eckhaus, einst eine der vielen Ottensener Fischfabriken, wurde abgerissen, die zusammengewürfelten, jüngeren Anbauten, etwa die bekannte Pizzeria Mamma Mia, verschwanden ebenfalls. Das Ensemble war durch den jahrelangen Leerstand mit dickem Efeu überwuchert – ein temporäres Insektenparadies mitten in Ottensen.

Es folgte: ein weiteres Jahr Stillstand auf der nun leeren Fläche, aber immerhin haben die Mieter der dahinterliegenden Wohnungen seitdem ungestört Sonne. Nur ein einzelnes, leeres Haus des alten Ensembles steht noch. Es soll aber ebenfalls abgerissen werden, wenn die Bauarbeiten losgehen. Und die versprochenen 65 Neubauwohnungen am Altonaer Bahnhof, am bisherigen Standort der Sparda-Zentrale? Das Gelände ist weiterhin im Besitz der Sparda, ein Bauantrag für Wohnungsbau wurde bislang nicht gestellt.