Seit mehr als 50 Jahren Hamburger: „Der Ort, an dem alles begann“
1970 kam Vincenzo Andronaco (heute 74) nach Deutschland – gerade mal 18-jährig. Heute fühlt sich der Chef des gleichnamigen Supermarkts als Hamburger. Nur die Sache mit der Bürokratie war in der sizilianischen Heimat doch einfacher, wie er im MOPO-Fragebogen verrät.
1. Wenn Sie einen Tag alles in Hamburg entscheiden könnten, worum würden Sie sich kümmern?
Ich würde dafür sorgen, dass Unternehmertum in Hamburg ein bisschen unkomplizierter wird. Nicht indem man Verantwortung abschafft – die gehört dazu –, sondern indem man Bürokratie auf das reduziert, was wirklich sinnvoll ist. Viele gute Ideen scheitern nicht am Willen oder an der Qualität, sondern an Formularen, Zuständigkeiten und langen Wartezeiten.
2. An welchem Ort in Hamburg geht Ihnen das Herz auf?
Als ich mich entschieden habe, Sizilien zu verlassen, war Hamburg der Ort, an dem alles begann. Wenn ich heute an der Alster stehe oder in den Hafen schaue, spüre ich genau das noch immer: Weite, Möglichkeiten – und ein Stück Zuhause.

3. Wer ist Ihr Lieblingshamburger?
Einen einzelnen Namen könnte ich da gar nicht nennen. Mir fallen eher die vielen alten Hanseaten ein, denen ich begegnet bin, als ich als junger Mann in Hamburg angefangen habe. Diese oft etwas barsche, nordische Art – aber dabei unglaublich korrekt, verlässlich und geradeheraus. Man weiß, woran man ist.
Vincenzo Andronaco liebt Scholle
4. Welche Hamburger Spezialität ist unverzichtbar – und welche völlig überschätzt?
Unverzichtbar ist für mich eine gute Scholle – am liebsten klassisch zubereitet. Frisch, klar im Geschmack, ohne viel Chichi. Das ist für mich norddeutsche Küche und passt wunderbar zu Hamburg. Überschätzt finde ich Luxus um des Luxus willen.
5. Welcher Hamburger Stadtteil ist der schönste?
St. Pauli mag ich sehr wegen seiner Geschichte – wegen der Menschen, der Brüche, der Ehrlichkeit. Der Hafen gehört für mich sowieso dazu. Er steht für Arbeit, Bewegung und Weltoffenheit. Und dann liebe ich Blankenese und die Gegend an den Deichen Richtung Kirchwerder. Diese Weite, das Wasser, die Ruhe – das erdet mich.
6. Welche drei Dinge machen Sie glücklich?
Ganz klar: meine Frau. Sie sorgt dafür, dass ich nicht nur arbeite, sondern auch zwischendurch mal zur Ruhe komme. Dann gutes Essen, begleitet von einem passenden Glas Wein, und lieber in guter Gesellschaft als in großer. Und meine Arbeit. Sie fordert mich jeden Tag aufs Neue. Das hält mich jung.
7. Worüber mussten Sie zuletzt richtig lachen?
Über die Baustelle in der Halskestraße (Billbrook) – wenn auch eher aus Verzweiflung. Seit fast drei Jahren ist die Straße, an der sich mein Hauptstandort befindet, immer in eine Richtung gesperrt, nur sehr eingeschränkt befahrbar.
8. Wo hatten Sie Ihren ersten Kuss?
Auf den Jasminfeldern auf Sizilien. Ich war fast noch ein Kind und habe damals nachts mit anderen zusammen Jasmin geerntet. Man musste sich gut verstecken und durfte sich nicht erwischen lassen. Das war aufregend – und irgendwie sehr unschuldig. Wenn ich heute daran denke, lächle ich noch immer.
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