Die 40-Millionen-Euro-Wette: Das müssen Hamburger jetzt über den Fernsehturm wissen
Hamburgs berühmtester Aussichtspunkt soll zurückkehren – hoch über der Stadt, mit Blick bis zum Horizont. Seit 2001 ist der Fernsehturm dicht, die Pläne zur Wiedereröffnung von 2017 wurden immer wieder verschoben. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Die Bürgerschaft steht kurz davor, Millionen Euro Steuergeld freizugeben. Die MOPO erklärt, was Hamburger jetzt wissen müssen: Was ist geplant, was kostet der Weg nach oben – und wer profitiert am Ende? Brisant ist auch ein Name im Betreiber-Konsortium: Unternehmer Tomislav Karajica hat Privatinsolvenz angemeldet. Was heißt das für das Projekt?
Fernsehturm in Hamburg: Was ist geplant?
Ausblick über Hamburg von rund 130 Metern Höhe: Das 14. Stockwerk des Fernsehturms soll zur klassischen Aussichtsplattform werden und sieben Tage die Woche geöffnet sein. Dicht darunter, im 13. Stock, ist eine Eventfläche geplant. Hier soll es unterschiedliche Veranstaltungen geben – von Tanz über Podiumsdiskussionen und Kunstausstellungen bis hin zu Dinnern. Am Fuß des Turms ist zudem ein neues Eingangsgebäude geplant samt Souvenirshop – kreisrund und komplett verglast.
Warum gibt es kein drehendes Restaurant?
Früher konnte man gemütlich bei Kaffee und Kuchen sitzen bleiben, künftig müssen sich Besucher selbst bewegen, um die Stadt einmal rundum zu betrachten. Ein drehendes Restaurant wie früher wird es nicht geben: Der alte Drehring wird aus Brandschutzgründen abgebaut – und weil er zu schwer ist. Dafür soll es im südlichen Bereich der Aussichtsplattform einen Kiosk mit einigen Sitzplätzen geben.
Wer steckt hinter der Neueröffnung?
Mehrere Akteure. Der Turm selbst gehört der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG). Die Besucherflächen werden für den Betrieb aber an ein Konsortium verpachtet: die HH Tower Betreibergesellschaft mbH. Dahinter stehen drei Gesellschaften von OMR-Chef Philipp Westermeyer, der Hamburg Messe und dem Unternehmer Tomislav Karajica. Möglich wird die Wiedereröffnung aber, weil Stadt und Bund die Sanierung finanzieren sollen.
Wann können die Besucher hoch?
Das dauert noch: Läuft alles nach Zeitplan, sollen im Frühjahr die Baugenehmigungen erteilt werden. Ab 2028 ist der Baubeginn geplant. Der Innenausbau soll dann ab 2030 starten. Die Eröffnung ist in der zweiten Jahreshälfte 2031 vorgesehen. Ob das klappt, bleibt abzuwarten. Ursprünglich sollte der Turm schon 2023 eröffnen, doch das wurde mehrfach verschoben – unter anderem, weil das Eingangsgebäude komplett neugeplant werden musste.
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Was kostet es?
Für die Sanierung sind derzeit 39,7 Millionen Euro veranschlagt. Bei der ursprünglichen Planung von 2017 wurde eigentlich mit 37 Millionen Euro gerechnet, doch das hat sich in den vergangenen Jahren verteuert. Im Januar hat der Haushaltsausschuss der Bürgerschaft nun zugestimmt, die Mittel um die fehlenden 2,6 Millionen Euro zu erhöhen.
Wer bezahlt?
Vor allem die Steuerzahler. Der Bund hat schon 2017 rund 18,6 Millionen Euro zugesagt, von der Stadt sollen nun insgesamt rund 21,1 Millionen Euro kommen. Damit wird die Sanierung mit öffentlichen Geldern gestemmt. Ohne diese Mittel wäre „der öffentliche Betrieb des Fernsehturms nicht darstellbar“, sagt ein Sprecher der Kulturbehörde zur MOPO. Den Innenausbau sollen dann die Betreiber übernehmen – dafür ist von einem Millionenbetrag die Rede.
Und wenn’s noch teurer wird?
Dann soll die DFMG die Mehrkosten tragen. Für die Stadt sollen keine weiteren Kosten entstehen.
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Wer profitiert?
Befürworter argumentieren, dass Hamburg insgesamt profitiert, wenn der Turm saniert und wieder zugänglich wird: Er gilt als Wahrzeichen der Stadt und ist denkmalgeschützt. Erhalt und Zugänglichkeit sind politischer Wille des Senats. Finanziell profitieren voraussichtlich die DFMG und die Betreiber – durch Mieteinnahmen und Eintritt. Wie teuer Miete und Tickets am Ende werden, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Warum können Hamburger nicht umsonst hoch?
Kostenfreie Tickets nur für Hamburger wären eine Bevorteilung und rechtlich nicht zulässig, erklärt die Kulturbehörde – auch weil ein Teil des Geldes vom Bund kommt. Die Sprecherin des Konsortiums versichert der MOPO, der Preis werde so gestaltet, „dass der Zugang für ein breites Publikum möglich ist“. Details stünden noch nicht fest. Die Tickets werden aber voraussichtlich an Einlasszeiten gebunden sein, denn die Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig oben aufhalten dürfen, ist auf 440 Personen begrenzt. Zum Vergleich: In Berlin kostet der Eintritt zum Fernsehturm mindestens 24,50 Euro. In Stuttgart und Düsseldorf ist es mit 12,50 Euro günstiger.
Moment… ist mit Tomislav Karajica nicht ein Mitglied des Konsortiums insolvent?
Karajica hat im August Privatinsolvenz angemeldet. Auch mehrere Unternehmen seines Firmengeflechts sind insolvent – darunter die Home United Management GmbH, eine der Gesellschaften im Konsortium. Im August 2025 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Folgen für den Fernsehturm-Betrieb? Das Konsortium lässt sich nicht in die Karten schauen und erklärt auf MOPO-Nachfrage nur, „das Projekt geht ohne Einschränkungen weiter“. Der Sprecher von Karajicas Imvest-Gruppe beteuert, Karajicas finanzielle Schieflage habe „keinerlei Auswirkungen auf die Projektgesellschaft und das Projekt“.
Und wenn doch?
Die Stadt arbeitet nicht direkt mit dem Konsortium, sondern mit der DFMG. Die Telekom-Tochter ist letztlich für den Betrieb verantwortlich – auch dann, falls es Probleme mit Betreibern geben sollte. Der Plan: Die Finanzierung der Stadt für die Sanierung ist einmalig und an die Auflage gekoppelt, dass die DFMG den Turm 20 Jahre lang fürs Publikum öffnet und den wirtschaftlichen Betrieb sicherstellt. Mit der Hamburg Messe ist allerdings auch ein städtisches Unternehmen ins Konsortium eingebunden.
Was sagt die Opposition?
Die CDU sieht der Wiederbelebung des Fernsehturms positiv, fordert aber, dass über die Auflagen zur Finanzierung durch die Stadt ein tragfähiges Konzept sichergestellt wird – nur so sei es verantwortbar, dass so viele Steuergelder fließen.
Auch die Linke will den Turm wieder mit Leben sehen. Diesem Konzept stimmt sie aber nicht zu: Sie findet, wenn so viel Steuergelder fließen, sollte auch die Allgemeinheit profitieren – durch freien Eintritt oder Gewinnabschöpfungen. Zudem ist sie skeptisch, dass Karajicas Insolvenz ohne Auswirkungen auf den Betrieb und das städtische Unternehmen Hamburg Messe bleibt.
Was ist der nächste Schritt?
Die Bürgerschaft muss der Finanzierung für die Sanierung nun zustimmen. Das Thema soll voraussichtlich in der kommenden Sitzung am 11. Februar auf der Tagesordnung stehen.