Deutschlands verrückteste Rekord-Jäger: „Das wird zu einer Sucht“

Olaf Kuchenbecker ist der Geschäftsführer vom Rekord-Institut Deutschland in Hamburg.
Olaf Kuchenbecker ist der Geschäftsführer vom Rekord-Institut Deutschland in Hamburg.

Wenn Olaf Kuchenbecker bei Großveranstaltungen einen Rekord anerkennt, dürfen das blaue Sakko und die umgehängte Stoppuhr nicht fehlen. Im Gespräch mit der MOPO erzählt der Hamburger Rekordrichter von den Rekord-Veränderungen während der Corona-Zeit und welche Wetten er kategorisch ausschließen würde.

Es ist ziemlich vollgestellt im Büro des Rekord-Instituts in Eimsbüttel. Kartons stapeln sich, Zeitungsausschnitte von den größten Rekorden hängen eingerahmt an der Wand. „Das hier waren die Ehrlich-Brothers bei der Zaubershow mit den meisten Zuschauern und dem Zaubertrick mit den meisten beteiligten Zuschauern.“ Olaf Kuchenbecker tippt auf den Bericht von 2019, daran erinnert er sich gerne.

Rekord-Institut Deutschland (RID) hat Sitz in Hamburg

Von 2000 bis 2013 hat der Hamburger die deutschsprachige Ausgabe vom Guiness-Buch verantwortet – bis das deutsche Büro geschlossen wurde. 2014 gründete er das Rekord-Institut in der Hansestadt und steht damit in direkter Konkurrenz zu „Guinness World Records“. „Die Herangehensweise ist ähnlich“, erzählt Kuchenbecker. Ein Buch mit gesammelten Rekorden hat das Institut ebenfalls herausgebracht.

Den Vorteil für sein Insitut sieht er darin, dass viele Bewerbungen überhaupt nicht bis zu Guinness durchkämen. „Die haben bis zu 4000 Einrieichungen im Jahr und müssen sehr selektiv vorgehen. Bei uns wird deutlich weniger eingereicht, weil wir nicht auf die Welt ausgerichtet sind, sondern nur auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.“

Während Corona deutlich mehr Rekord-Anmeldungen

In der Corona-Zeit hätten die Anmeldungen allerdings deutlich zugenommen, teilweise bis zu 20 in einer Woche. „Die Teilnehmer posten das dann auf Social Media, das zieht weiter Kreise, weil die Leute sich denken: Oh, das kann ich ja auch mal versuchen!“ Der 51-Jährige findet das sehr gut, das Rekord-Institut lebe davon. „Der Wettbewerbsgedanke ist in der Menschheit verankert“, ist er sich sicher.

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Es gebe auch sehr viele Rekordbrecher, die immer wieder neue Versuche einreichten. „Das wird bei vielen zu einer Art Sucht“, erzählt Kuchenbecker, „ein psychologischer Belohungsmechanismus, der in Gang gesetzt wird, wenn man einen Rekord tatsächlich bricht. Man versucht, dieses Gefühl wieder hinzubekommen, indem man den nächsten Rekord bricht.“

Einer dieser wiederkehrenden Kandidaten ist der Österreicher und Extremsportler Franz Müllner („The Austrian Rock“), der in der Corona-Zeit einen neuen Rekord aufstellte. Im Bratpfannenverbiegen.

Rekord-Institut Deutschland: Der Pfannen-Rekord

„Einen Moment!“ Kuchenbecker springt vom Stuhl auf und kramt in den aufgestapelten Kartons, bis er etwas Unförmiges aus den Tiefen hervorzieht. Auf den zweiten Blick lässt sich das erkennen, was einmal eine normale Küchenpfanne war – diese ist jetzt allerdings zusammengerollt, als wäre sie nicht aus Stahl, sondern eine Fitnessmatte. „Es ging darum, die Pfanne in der kürzesten Zeit zusammenzurollen“, fährt Kuchenbecker fort, während er die Pfanne neben seinem Kopf schwingt. „Auf manche mag das kurios wirken, für uns ist das aber schon Normalität.“

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Es gibt mehrere Bewerbungswege für einen Weltrekord-Versuch. „Entweder gehen wir zu den Leuten direkt hin oder wir überprüfen die Versuche auf größeren Veranstaltungen. Das ist uns das Liebste.“ Der Normalfall sei aber, dass die Kandidaten „Beweismaterial“ per Video einreichten oder auf kleineren Stadtfesten Rekordversuche unternähmen. Jetzt in der Corona-Zeit seien Versuche auf Veranstaltungen natürlich zum Erliegen gekommen. „Deshalb erkenne wir derzeit mehr Rekorde als sonst per Video und ohne Zeugen an. Es muss allerdings ein ungeschnittenes Video sein und wir müssen in der Lage sein, die Leistung nachzumessen.“

Das Institut antwortet nach erfolgreichem Versuch mit einem Gegenvideo und erkennt den Rekord an. „Dann verleihen wir ihm virtuell eine Urkunde. Also das, was wir auch offline auf Veranstaltungen machen würden“, so Kuchenbecker. Insgesamt gibt es sechs freiberufliche Rekordrichter, die für bestimmte Einsätze gebucht werden. Im Moment bearbeiten sie zu viert die Anfragen vom Büro aus.

1320 Menschen brechen Rekord als Orchester

An einen Weltrekord während der Corona-Zeit erinnert er sich besonders gerne. Genau 1320 Menschen haben das Lied „Rock You LIke a Hurricane“ in einem Klassik-Rock-Crossover auf ihren Instrumenten eingespielt. Der Initatior des „Corona-Spezial-Online-Orchester“, Musiklehrer Jens Illemann aus Schleswig-Holstein, hat daraus dann ein gemeinsames Video geschnitten.

„Rekorde brechen ist imemr auch ein Spiegel der Zeit“, meint Kuchenbecker. „Dieses Video greift die Homeoffice-Atmosphäre auf.“ Rekordversuchen mit Tieren steht er distanziert gegenüber. „Es ist bei Versuchen mit Tierne ganz wichtig, dass es um Tricks geht, die das Tier mit dem Trainer in Teamarbeit macht“, sagt er. „Es darf nicht um Dressur oder andere antreibende Sachen gehen.“ An der Wand hängt eine Erinnerung an Nasenbärin Sunny, die Münzen in eine Spardose gesteckt hatte.

Rekord-Insitut Deutschland: Tier-Rekorde nur mit Trainer

Vor einem Live-Rekordversuch fragt die Jury den Kandidaten immer: Bist du bereit? „Das ist mehr als nur eine Floskel“, mahnt der Rekordrichter, „der Rekordbrecher muss damit zeigen, dass er fit ist und loslegen will.“ Das sei die letzte Möglichkeit, Nein zu sagen. „Wenn wir das Gefühl haben, die Situation ist zu brenzlig oder der/diejenige macht keinen souveränen Eindruck, dann fragen wir lieber nochmal nach.“ Mit den Jahren bekomme man dafür ein Gespür.

Wenn Olaf Kuchenbecker bei Großveranstaltungen einen Rekord anerkennt, dürfen das blaue Sakko und die umgehängte Stoppuhr nicht fehlen. Im Gespräch mit der MOPO erzählt der Hamburger Rekordrichter von den Rekord-Veränderungen während der Corona-Zeit und welche Wetten er kategorisch ausschließen würde.