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Der Kampf um die Pakete: Amazon bringt eigenen Lieferdienst nach Hamburg

Zwei Mitarbeiter eines Subunternehmens bereiten auf der Veddel Amazon-Pakete für die Auslieferung vor.

Zwei Mitarbeiter eines Subunternehmens bereiten auf der Veddel Amazon-Pakete für die Auslieferung vor.

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Patrick Sun

Nicht gewohnt gelb oder blau, sondern orange sind die Benachrichtigungs-Kärtchen, die jetzt immer öfter in Hamburger Postkästen landen. „Wir haben Sie nicht angetroffen“, steht da, wenn der Paketbote umsonst gekommen ist. Die Zettel sind vom Online-Riesen Amazon, der im Logistik-Markt jetzt DHL, Hermes und Co. Konkurrenz macht. Schon 500 Fahrer sind in der Stadt im Einsatz.

Schuhe, Bücher, Elektronik und mehr: Mittlerweile sind täglich 18 Millionen Pakete in Deutschland unterwegs, zu Privatkunden und Firmen. Die Branche boomt, die Steigerungsrate liegt noch immer bei jährlich zehn Prozent. Einen entscheidenden Teil davon macht das Online-Geschäft aus – und Amazon will jetzt auch an der Auslieferung verdienen.

Auf der Veddel wird sortiert, anschließend ausgeliefert

Die Pakete kommen aus einer schmucklosen grauen Lagerhalle auf der Peute (Veddel). In diesem Verteiler-Zentrum werden Pakete nicht gelagert, sondern nur für die Zustellung sortiert. Sie kommen vor allem aus dem großen Logistikzentrum in Winsen (Landkreis Harburg) und werden über Nacht angeliefert.

Das Verteilerzentrum von Amazon auf der Veddel.

Das Verteilerzentrum von Amazon auf der Veddel.

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Patrick Sun/ Patrick Sun

Subunternehmen beliefern nun die Kunden innerhalb Hamburgs und im Umland. Denn eigene Fahrer und Fahrzeuge hat Amazon nicht. Die Lieferwagen sind meist weiß und haben einen Aufkleber, auf dem steht: „In Zusammenarbeit mit Amazon“. „Wir beschäftigen auf der Peute in der Sortierung 150 Mitarbeiter“, so Amazon-Sprecherin Nadiya Lubnina. Zehn Lieferdienste sind laut Sprecherin mit rund 500 Fahrern im Einsatz. Täglich verlassen bis zu 50.000 Sendungen die Peute.

Der Kampf um die Pakete wird härter

Offiziell will niemand von einem Kampf um das Liefer-Geschäft sprechen. Kein Wunder, denn Amazon ist jetzt zeitgleich Konkurrenz und großer Kunde für DHL und Hermes. Laut Amazon werden die Kapazitäten der anderen nur ergänzt. „Der Markt wächst. Besonders da, wo die Kunden schnell und flexibel beliefert werden wollen, bieten wir den Service selbst an.“ Also am gleichen oder nächsten Tag.

Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Hermes verfolgt „das Engagement von Amazon sehr interessiert“

Hermes eröffnet im April ebenfalls ein hochmodernes Verteilzentrum, und zwar am Billbrookdeich. Dort sollen 200 Mitarbeiter täglich mehr als 100.000 Sendungen abwickeln.

„Wir verfolgen das Engagement von Amazon sehr interessiert“, sagt Hermes-Sprecher Sebastian Kaltofen. Hermes habe aber den Vorteil, nicht ganz so abhängig von diesem Großkunden zu sein, da der Großteil des Geschäftes der Otto-Gruppe über Hermes abgewickelt wird.

Kaum gestartet, schon kritisiert

Kaum liefert Amazon selbst, häufen sich bei diesem Paketdienst die Klagen und Beschwerden. So werden Pakete einfach schon nach einem Zustell-Versuch knallhart zurückgeschickt oder dem Nachbarn übergeben – ohne einen Zettel im Postkasten zu hinterlassen. Dabei verspricht Amazon drei Zustellversuche.

Häufige Kritik ist auch, dass einige Zusteller kein Wort Deutsch können. Amazon-Sprecherin Lubnina kontert: „Wir sind ein internationales Unternehmen. Unsere Mitarbeiter sprechen Deutsch oder Englisch.“

„Versorgungs-Kollaps“ in der Logistik-Branche

Die Logistik-Branche ächzt unter dem leer gefegten Arbeitsmarkt. Laut Ver.di werben die Unternehmen Arbeiter in Polen an. Zum Jahreswechsel wandten sich die Transport-Verbände mit einem Appell an den Verkehrsminister. Sie sprachen von einem „Versorgungs-Kollaps“. Denn jedes Jahr gehen 67.000 Berufskraftfahrer in Rente, es werden aber nur rund 27.000 neue hinzugewonnen. Damit fehlten jährlich 40.000 Fahrer.

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Trotzdem sind Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Fahrer in der Logistik oftmals miserabel. Die Folge sind Unzufriedenheit, Kündigung und dadurch ein ständiger Personal-Wechsel. Bei der Bundesnetzagentur stieg so die Zahl der Beschwerden über Zusteller im Vorjahr auf ein Rekordhoch. Dazu sagt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur: „Verspätete, falsch zugestellte oder gar nicht gelieferte Briefe und Pakete führen zu wachsender Unzufriedenheit der Kunden.“ Und das bekommen Amazon, Hermes und Co. zu spüren.